frau hält samen in ihren nach oben gedrehten händen

Die Saatguterhalterinnen von Guinea-Bissau

Vanessa Ribeiro Rodrigues

Könnte es für eine Dokumentarfotografin und -filmemacherin, die Geschichten am liebsten natürlich wachsen und sich entfalten lässt, ein besseres Thema geben als die Saatguterhalterinnen von Guinea-Bissau? Vanessa Ribeiro Rodrigues verbrachte einen Monat auf dem palmenbewachsenen Bissagos-Archipel des westafrikanischen Landes, um diese inspirierenden Frauen zu treffen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, damit sie vielleicht auch Gemeinden in weiter Ferne helfen können.

Das erste Mal stieß Vanessa auf diese Geschichte, als sie 2021 in Guinea-Bissau investigativen Journalismus unterrichtete. „Als Geschichtenerzählerin war ich auf der Suche nach neuen Geschichten. Ich kannte die Arbeit der Nichtregierungsorganisation Tiniguena bereits, deren Projekte eine interessante Mischung aus Ökofeminismus, Agrarökologie, Empowerment und Nachhaltigkeit darstellen. Als jemand die Saatguterhalterinnen erwähnte, war ich so fasziniert von der Bedeutung ihrer Arbeit, dass ich einfach wusste, dass ich mich mit ihren Geschichten befassen musste.“

frau sitzt vor einer steinhütte © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/160s @ f/4.0, ISO 200

Diese Frauen, die der ethnischen Gruppe der Bijagos angehören, leben im gemeinschaftlich geschützten Meeresgebiet der Urok-Inseln (Formosa). Ihre Aufgabe ist es, angesichts zahlreicher Herausforderungen Ernährungssouveränität und -sicherheit zu gewährleisten. Zu diesen Herausforderungen gehören zum Beispiel der steigende Meeresspiegel und die zunehmenden Regenfälle im Zuge des Klimawandels sowie die wirtschaftlichen und industriellen Bedrohungen für die einheimischen Nutzpflanzen der Inseln wie der Cashewbäume, die dort in Monokultur angebaut werden.

frau pflanzt einen setzling in die erde © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/320s @ f/4.5, ISO 100

Doch es gibt auch Stränge von Ungleichheit, die in die Nachhaltigkeitsgeschichte eingewoben sind und die Vanessa ebenfalls teilen möchte. „Die Landwirtschaft in Guinea-Bissau stützt sich auf die Arbeit der Landfrauen. Sie sind es, die für die Ernährungssicherheit ihrer Familien verantwortlich sind. Aufgrund diskriminierender Gesetze und Praktiken besitzen jedoch weniger als ein Prozent dieser Frauen das Land, das sie bewirtschaften.“ Inspiriert von der Idee, ihre Geschichten zu erzählen, startete Vanessa ein Multimediaprojekt, das bereits mehrere Beiträge in portugiesischen und internationalen Zeitungen sowie einen umfassenden Dokumentarfilm hervorgebracht hat. Dieser soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden und wird demnächst die Grundlage für eine Ausstellung in Portugal bilden.

frau schaut leicht von der kamera weg © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/60s @ f/4.0, ISO 200

Das Interviewen und Fotografieren der Saatguterhalterinnen verlief jedoch nicht immer ohne Schwierigkeiten. Vanessa lacht: „Die größte bestand darin, dass ich eine One-Woman-Band war! Die Zeit war unglaublich knapp, und es gab so viele Frauen, die ich vorstellen wollte, während ich gleichzeitig alles selbst machen musste: Aufbau, Videointerviews, Aufnahmen und Wegschnitte einrichten, Porträts und andere Fotos machen, den Ton aufnehmen ... und meine gesamte Ausrüstung von einem Ort zum anderen tragen. Auch die Umgebung und das Wetter mussten einkalkuliert werden. Wenn die Flut zu hoch war, nahmen wir Boote, doch häufig mussten wir stundenlang waten und wandern, um zu allen Frauen zu gelangen, die ich treffen wollte.“

„Aber wenn man an einen Ort wie diesen geht und eine so großartige Geschichte zu erzählen hat, möchte man natürlich alles rausholen, was geht“, fährt sie fort. „Man muss die ganze Zeit über Einsatz zeigen – doch es lohnt sich immer. Es ist ein Privileg, in diese Welt eintauchen zu dürfen und eine so alte und abgeschiedene Kultur kennenzulernen. Als Geschichtenjägerin bin ich der Meinung, dass diese Art von zeitlosen Geschichten etwas bewirken kann.“

Geholfen haben Vanessa bei diesem Projekt ihre Kamera und ihr Objektiv: die Sony Alpha 7C und das FE 24-105mm f/4 G OSS. „Als Alleinstreiterin hatte ich großes Glück, diese Kombination zu haben, denn sie ist tragbar und bietet gleichzeitig sowohl bei Fotos als auch bei Videos eine hohe Flexibilität und Qualität. Das geringe Gewicht ist ein großer Vorteil, wenn man alles wochenlang auf dem eigenen Rücken tragen muss. Und mit dem Objektiv kann ich jedes Bild realisieren, das ich möchte: Porträts, Weitwinkelaufnahmen, sogar Fotos von einem Motiv auf der anderen Seite der Reisfelder (Bolama). Die Blende von f/4 sorgt für eine fantastische Helligkeit, was mir sehr wichtig ist, da ich gerne ausschließlich mit natürlichem Licht arbeite.“

frau hält samen in ihren nach oben gedrehten händen © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/50s @ f/4.0, ISO 100

Trotz der Herausforderungen blieb Vanessa der für sie typischen langsamen und natürlichen Arbeitsweise treu. Sie nahm sich Zeit, um das Vertrauen ihrer Motive zu gewinnen und sicherzustellen, dass ihre Stimmen angemessen gehört werden. „Ich bin der Meinung, dass man nicht einfach drauflosarbeiten kann – egal ob man einen Film dreht, Fotos macht oder beides kombiniert“, erklärt sie. „Ich mag es, mich auf die Menschen einzulassen und eine Verbindung zu ihnen aufzubauen, und das braucht nun einmal Zeit.“

seitenprofil einer frau umgeben von grünen blättern © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/160s @ f/4.0, ISO 640

„Ich frage meine Interviewpartner immer, was ihnen wichtig ist, was ich vermitteln soll. In vielerlei Hinsicht ist es wie bei der ‚Bottom-up‘-Berichterstattung: Man beginnt mit Stimmen aus der Gemeinschaft und auf eine respektvolle Art und Weise entsteht daraus eine Zusammenarbeit. Mir als Außenstehender steht es nicht zu, zu sagen, was Nachrichtenwert hat. Stattdessen gebe ich das Narrativ zurück an die Menschen. Wie kann ich sie repräsentieren? Welche Anliegen haben sie? Und welcher Teil ihrer Geschichte ist noch nicht erzählt worden?“

Für Vanessa haben die Porträts dieser Frauen eine besondere Bedeutung. „Ich finde, dass die Fotografie eine Kraft hat, die Videos oder die audiovisuelle Kommunikation nicht haben. Ich sage nicht, dass das eine besser ist als das andere, doch Fotos frieren die Zeit auf eine Weise ein, wie es Videos nicht können. Dadurch kann der Betrachter in seiner Vorstellung an unterschiedliche Orte geführt werden. Das Auge wird von Details angezogen und verweilt, um eine besondere Verbindung, eine Erinnerung oder eine Idee zu entdecken, die zuvor unbekannt war. Während Videos uns fast alles zeigen – die Bewegung, die Sprache und den Ton –, finden wir ohne sie häufig etwas noch viel Kraftvolleres.“

porträt einer frau mit gelbem kopftuch © Vanessa Ribeiro Rodrigues | Sony α7C + FE 24-105mm f/4 G OSS | 1/320s @ f/4.5, ISO 100

Was kann die Geschichte Vanessas Ansicht nach bewirken, nachdem sie sie festgehalten hat? „Ich denke, dass diese Agrarökologie-Geschichte ein brillantes Beispiel für die ganze Welt sein kann und auch den Saatguterhalterinnen selbst etwas zurückgibt.“

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