kleine grüne schlange mit geöffnetem maul

Die kleinen Wunder des Amazonas

Javier Aznar

Seit jeher werden Naturforscher von ihrem Entdeckergeist angetrieben. Die Begeisterung über die Entdeckung neuer Arten oder die Beobachtung bislang unbekannter Verhaltensweisen fesselt auf einer persönlichen Ebene – und sie vervielfacht sich, wenn man seine Entdeckungen mit anderen teilen kann. In jüngster Zeit jedoch, während sich die Menschheit immer stärker ihrer Verantwortung für die Erde bewusst wird, geht es um noch mehr. Die Dokumentation und das Verstehen der Natur hat einen verzweifelten Charakter angenommen. Angesichts des unbestreitbaren Verlusts von Lebensräumen und Arten in jeder Ecke unserer kleinen Oase haben Naturforscher wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten.

Der Naturforscher und Fotograf Javier Aznar, der seit 2018 mit Sony Kameras arbeitet, sagt: „Die Menschen können sich nicht für etwas interessieren, wenn sie nicht wissen, dass es überhaupt existiert. Deshalb habe ich so viele Jahre damit verbracht, die weniger bekannte Tierwelt des Amazonas zu fotografieren: die Insekten und Spinnentiere, die Tausendfüßler, die Reptilien und Amphibien. Diese Tiere geben keine Motive für Postkarten aus dem Amazonas oder von anderswo ab. Diese Rolle ist häufig großen Säugetieren und farbenfrohen Vögeln vorbehalten – dabei sind sie nicht weniger schön und wichtig.“

Die Arbeit mit den Sony Alpha Kameras und Objektiven „war ein echter Gamechanger“, erklärt Javier. „Vor allem, weil sie brillante Qualität mit Robustheit und Mobilität verbinden. Im Hinblick auf Hitze und Luftfeuchtigkeit arbeite ich in extremen Umgebungen. Außerdem bin ich viel zu Fuß unterwegs – bis zu zwölf Stunden am Tag suche ich nach meinen Motiven. Eine kleine und leichte Kameraausrüstung bedeutet auch einen kleineren und leichteren Rucksack, was unglaublich wichtig ist für mich.

grüne raupe auf der unterseite eines blattes © Javier Aznar | Sony α7R IV + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/160s @ f/16, ISO 160

„Vor allem Insekten brauchen unsere Hilfe, denn sie werden zu oft als unerwünschte Schädlinge abgetan oder gar nicht erst gesehen“, fährt er fort. „Tatsächlich sind sie jedoch ein wichtiger Teil der Artenvielfaltspyramide, in der wir alle miteinander verbunden sind. Ja, sie stehen ziemlich weit unten, doch wenn wir die Insekten verlieren, gibt es keine Bestäubung, also keine Bäume, keine Früchte, keine Nutzpflanzen mehr. Auch die Tiere, die sich von ihnen ernähren, gehen verloren – die Vögel und die Säugetiere. Und ohne Nutzpflanzen kann natürlich auch der Mensch nicht existieren.“

Deshalb muss man Javier zufolge auch dann, wenn man Spinnen oder Käfer nicht mag, erkennen, dass ihre Erhaltung dem Schutz all der anderen Tiere dient, die einem am Herzen liegen. Und dem Schutz des menschlichen Lebens. Genau das hat er sich zur Aufgabe gemacht. „Jeden Tag versuche ich, die Tiere zu finden, von denen niemand weiß, dass es sie gibt, ihr Leben zu beobachten und sie auf eine Art und Weise zu dokumentieren, die die Aufmerksamkeit der Menschen weckt.“

kleiner grüner frosch auf einem bambusspross © Javier Aznar | Sony α7R IV + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/160s @ f/16, ISO 80

Natürlich ist Javier, genau wie die empfindliche Artenvielfalt unseres Planeten, nicht über Nacht an diesen Punkt gelangt. Seine Sichtweise ist der Gipfel einer lebenslangen Faszination für die Natur, die mit den Lebewesen in seiner spanischen Heimat begann. „Meine Familie besaß ein kleines Stück Land in der Nähe von Madrid“, erinnert er sich, „und wir fuhren im Sommer dorthin, um die Natur zu genießen. Meine Eltern haben mich immer ermutigt, die Schönheit in Dingen zu sehen, die andere Leute vielleicht als unangenehm oder beunruhigend empfanden. Das ist es, was ich jetzt auch tue.“

Auf seiner Reise nach Ecuador und Südamerika, wo er zum ersten Mal den Amazonas-Regenwald erlebte, war Javier „überwältigt von der Tierwelt, der Landschaft und der Natur im Allgemeinen. Natürlich war es auch ein Abenteuer. Einige der Orte, die wir besuchten, waren nur durch tagelange Fahrten in einem Kanu zu erreichen. Es war beeindruckend, die indigenen Völker zu besuchen und zu sehen, wie anders ihr Leben ist. Wir glauben, dass wir so viele Dinge zum Überleben brauchen. Da sind diese Menschen mit ihren selbst gebauten Behausungen, ihrer selbst geernteten Nahrung und ihrer Verbindung zu der lebendigen Welt um sie herum eine echte Inspiration.“

gelbe raupe krabbelt auf einem zweig © Javier Aznar | Sony α7R IV + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/100s @ f/13, ISO 320

Für ihn war und ist jeder Tag im Regenwald ein Fest der Entdeckung. „Wenn man durch den Regenwald wandert, findet man so viele Tiere, die es nur dort gibt. Hunderte von Arten an einem einzigen Nachmittag. Ich fühle mich dort wie ein Kind in einem Süßigkeitengeschäft. So viele fremdartige Eindrücke, Formen, Farben und Verhaltensweisen, die sich völlig von dem unterscheiden, was man an Orten wie Europa oder Nordamerika findet.“

Natürlich hat er bei seinen Besuchen im Amazonasgebiet auch gesehen, wie die Natur zerstört wird. „Ja, ich habe einen größeren Verlust an Lebensraum festgestellt. Die Städte wachsen, es gibt mehr Straßen, weniger Bäume ... Im Alltag bemerkt man so etwas häufig nicht. Wenn man zum Beispiel einen Freund nur ab und zu sieht, fallen einem Veränderungen an ihm auf, die man nicht wahrnehmen würde, wenn man ihn jeden Tag träfe. Mit einem Jahr Abstand sind die Narben in der Landschaft viel deutlicher erkennbar.“

„Aber es geht nicht nur bergab“, fügt er hoffnungsvoll hinzu. „In einigen Fällen verändern sich eher die Arten, die in einem bestimmten Gebiet leben. Neue Nischen öffnen sich und werden besetzt. Und es gibt auch Gebiete, die wir bewahren konnten. Dort kehren Arten zurück, die jahrelang verschwunden waren.“

kleines nagetier sitzt auf einem zweig © Javier Aznar | Sony α7R IV + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/250s @ f/14, ISO 200

Was seinen persönlichen Anteil an diesen Erfolgen angeht, ist Javier bescheiden. Seine Aufgabe sei es einfach, Bewusstsein für die bedrohten Lebewesen zu entfachen, „oder sogar ein bisschen Liebe“. Dies gelingt ihm nicht durch reine Dokumentation, sondern vor allem durch die ästhetische Wirkung, die er seinen Bildern verleiht. „Um die Schönheit dieser Tiere zu zeigen, braucht man schöne Fotos“, erklärt Javier. „Ich möchte, dass sie auf eine gute Art und Weise Aufmerksamkeit erregen, also nutze ich interessante Perspektiven und eine kreative Beleuchtung. Je besser das Foto, desto mehr Leute lesen die Bildunterschrift oder interessieren sich für das Tier!“

Ein wichtiger Teil davon sei die Vermischung von reiner Ästhetik mit Bildern von Verhaltensweisen. „Jedes Bild, das Verhalten zeigt, ist großartig, denn es baut eine Verbindung zum Betrachter auf. Und das ist umso wichtiger, wenn uns einige der Tiere befremdlich vorkommen. Wenn ich eine Spinne filmen kann, die ein Netz baut oder sich um ihre Babys kümmert, hat das eine logischere und emotionalere Wirkung. Auch für die Wissenschaft kann es interessant sein. Wenn man so viel fotografiert wie ich, sieht man zwangsläufig Dinge, die noch niemand zuvor gesehen hat.“

javier aznar sitzt am fuß eines großen baumes © Javier Aznar | Sony α7R V + FE 24-70mm f/2.8 GM II | 1/5s @ f/4.0, ISO 400

Wird die Aufgabe, diese Tiere in den Augen der Menschen neu zu interpretieren, jemals abgeschlossen sein? „Das glaube ich nicht“, sagt Javier, „aber wir versuchen es. Es gibt Hunderttausende von Gliederfüßlerarten, die sich natürlich stark von uns unterscheiden, jedoch alle auf demselben Planeten leben und das gleiche Recht haben, auf ihm zu gedeihen wie wir. Ich möchte ihre Einzigartigkeit und ihre Persönlichkeit zeigen – und es funktioniert. Als ich zum Beispiel meine Freundin kennenlernte, hatte sie Angst vor Spinnen, jetzt jedoch nicht mehr. Die Menschen erzählen sich diese Geschichten über die imaginären Schrecken des Amazonas, die sie in Filmen sehen. Wenn wir diese Mythen auslöschen können, hilft das, die Realität zu retten.“

Vorgestellte Produkte

Javier Aznar

Javier Aznar | Spain

„Um etwas zu bewahren, müssen wir erst kennen- und lieben lernen, was wir verlieren könnten. Die Fotografie ist ein nützliches Werkzeug, um uns zu sensibilisieren und uns zu zeigen, was uns umgibt. Ich versuche, mit meiner Kamera Tiere in ihrer reinsten Form darzustellen – aus biologischer, gleichzeitig aber auch künstlerischer Sicht.“

Für α Universe-Newsletter registrieren

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich für den α Universe-Newsletter angemeldet.

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Entschuldigung! Es ist etwas schief gelaufen.

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.