Über Jahrhunderte hinweg hat der Mensch dazu beigetragen, dass Raubtiere in ganz Europa ausgerottet wurden. Doch so furchterregend einige dieser Raubtiere auch erscheinen mögen, das eigentliche Raubtier ist der Mensch.
Heute aber versucht die Menschheit, zumindest in einigen Gebieten, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Überall auf dem Kontinent und darüber hinaus laufen die Bemühungen zur Wiederansiedlung von Raubtieren auf Hochtouren – mit all den dazugehörigen Vorteilen für die Lebensräume, in denen sie zu Hause sind. Die Programme zur Wiederansiedlung und Erhaltung von Adlern, Braunbären, Wölfen und Wildkatzen nehmen immer mehr an Fahrt auf. In Spaniens Teil der Iberischen Halbinsel ist es der Iberische Luchs, der von einem Konzept profitiert, bei dem der Mensch mehr Bewahrer ist als Eroberer.
„Der Iberische Luchs ist eine der am stärksten gefährdeten Katzenarten der Welt“, erklärt Naturschützer und Fotograf Antonio Liébana. „Doch dank der Initiative an Orten wie Peñalajo in Kastilien-La Mancha ergab die letzte Zählung die erfreuliche Anzahl von 1.668 Exemplaren, die auf der gesamten Halbinsel verstreut leben. Damit ist der Bestand in den letzten zehn Jahren exponentiell angestiegen!“
Wie es auch weltweit immer stärker zu beobachten ist, geht es bei dem Projekt, das von der lokalen Verwaltung, dem WWF Spanien und Antonios eigener Fotoorganisation Wildwatching Spain gemeinsam umgesetzt wird, nicht um polizeiliche oder strafrechtliche Maßnahmen, sondern darum, die Menschen zu schulen und ihnen die Vorteile der Renaturierung vor Augen zu führen.
„Das Farm-Projekt in Peñalajo startete 2016 als Pilotprojekt. Davor wurde das 2.500 Hektar große Gelände für die Jagd auf Rebhühner und Kaninchen genutzt. Das änderte sich jedoch, als die Farm vor sieben Jahren das Programm zum Schutz des Iberischen Luchses begann. Zwei Jahre später kam ich mit Wildwatching an Bord. Seitdem hat sich das Anwesen in einen Ort verwandelt, an dem internationale Fotografen fantastische Bilder machen können.“
„Das Modell in Peñalajo hat sich dank der Fotografie zweifellos geändert. Wir haben hier jetzt Fotohütten, in denen die Menschen die Schönheit der Tiere aus nächster Nähe und auf respektvolle Art und Weise bewundern können. Im Jahr 2022 besuchten mehr als 1.300 Fotografen aus aller Welt den Ort. Der Nutzen für die lokale Wirtschaft war dabei weitaus größer als der durch die Jagd. Das beweist, dass Nachhaltigkeit in privaten und öffentlichen Räumen möglich ist.“
Die von Antonio mitgestalteten Verstecke beruhen auf der Tatsache, dass die Katzen Wasser brauchen. „Wir haben uns den semi-trockenen Lebensraum von Peñalajo, wo Wasser ein knappes Gut ist, zunutze gemacht, indem wir sechs Wasserlöcher auf dem Gelände angelegt haben, jedes acht Meter von einem Versteck entfernt. So können Fotografen die Tiere unauffällig und aus der Ferne beobachten – und zwar aus einem in Spanien einzigartigen Blickwinkel.“
Jetzt ist er mit dem Finden und Instandhalten der Verstecke betraut. „Wir treffen die Entscheidungen, wo wir hingehen, auf Grundlage des Lichts und der Anwesenheit der Tiere“, fährt Antonio fort. „Es ist wunderbar, einen Job zu haben, der mich begeistert und bei dem ich mein ganzes Wissen einsetzen kann, um etwas Gutes für die Tierwelt zu tun und anderen Fotografen zu helfen, sie zu erleben. Am Anfang war die Aufgabe für mich eine echte Herausforderung, da ich noch nie mit Luchsen gearbeitet hatte. Allerdings war ich schon auf über 60 Safaris in ganz Afrika gewesen und konnte mich daher bei einigen meiner Entscheidungen auf meine Erfahrungen mit Leoparden stützen.“
Schon immer hat sich Antonio, der in Madrid geboren wurde, für die Tierwelt interessiert. „Wie bei vielen spanischen Kindern haben der spanische Naturforscher Félix Rodríguez de la Fuente und seine Fernsehsendung ‚El Hombre y la Tierra‘ (Der Mann und die Erde) mein Interesse für die Natur geweckt. Ich lernte, die iberische Tierwelt wertzuschätzen und zu respektieren. Als Jugendlicher nahm ich dann beim Wandern in den Bergen eine kleine Kamera mit. Ich erkannte sofort das Potenzial, das die Tierfotografie haben kann, und dass der Sprung zum Profi machbar war, wenn ich anderen – selbst mit meiner bescheidenen Ausrüstung – meine Eindrücke vermitteln kann.“
Und wie viele andere Fotografen hat er erkannt, dass es das völlige Eintauchen in das Motiv ist, das ihn erfolgreich macht. „Auch ohne Kamera ist die größte Motivation zweifelsohne die Nähe zu den Tieren. Sie wird zu einem Weg, die Bedeutung des Lebens zu verstehen. Die Chance, unwiederholbare Momente zu erleben, ist die treibende Kraft. Indem ich sie fotografiere, kann ich andere auf die Schönheit da draußen aufmerksam machen, aber auch auf die Probleme, die eine bestimmte Tierart bedrohen.“
Während die Verstecke an Orten wie Peñalajo also einerseits beweisen, dass Nachhaltigkeit rentabel sein kann, geht es andererseits auch darum, die Botschaft weiter zu verbreiten. „Die Fotografie ist eine mächtige Waffe“, erklärt Antonio. „Denn was nicht gesehen wird, wird nicht wertgeschätzt. Ein einziges Bild kann vieles aussagen, doch am einfachsten und wirkungsvollsten ist es, unserer Familie und unseren Freunden zu vermitteln, dass die Welt zwar ein schöner Ort ist, dies aber nur so bleibt, wenn wir für sie kämpfen. Wir müssen uns aktiv für die Bewahrung dessen einsetzen, was uns inspiriert – oder es wird bald nicht mehr da sein.“
Zurück in Peñalajo profitiert nicht nur der Iberische Luchs von dem Projekt. „Die gesamte Farm ist jetzt dem Naturschutz gewidmet, sodass hier nun auch viele andere Tierarten leben, darunter so bekannte Vögel wie der Kaiseradler oder die Zwergtrappe, die bei Fotografen sehr beliebt sind.“
Was die Luchse betrifft, hat die sichere Umgebung dazu geführt, dass sie neue Verhaltensweisen an den Tag legen, was zu einigen von Antonios Lieblingsaufnahmen aus der Gegend geführt hat. „In einem verlassenen Heuschober im Wald haben die Luchse einen Platz zur Aufzucht ihrer Jungen gefunden – und ungewöhnlicherweise haben wir zwei Mütter in derselben Nische entdeckt“, verrät er. „So etwas wurde bisher noch nicht beobachtet, also ist es zweifellos ein Zeichen dafür, dass sie sich wohl fühlen. Dadurch haben wir natürlich auch die Chance, die Jungtiere zu fotografieren! Sie sind wunderschön, doch das Schönste ist der Beweis, dass sich die Art erholt.“
Derzeit arbeitet Antonio mit zwei Sony Alpha 1 Gehäusen. „Die Kameras bieten mir eine nie dagewesene Fokusgeschwindigkeit, mit einer 50-Megapixel-Datei und bis zu 30 Fotos pro Sekunde. Ohne Zweifel sind sie die idealen Kameras für diese Art der Fotografie, während das FE 600mm f/4 GM OSS bei diesem Projekt mein Arbeitspferd ist. Seine Reichweite, Lichtstärke und Schärfe sind der Traum eines jeden Tierfotografen. Außerdem lässt es sich perfekt mit dem 1,4-fach-Telekonverter kombinieren – der sich besonders nützlich erweist, wenn die Jungtiere auftauchen!
Sowohl die Kameras als auch das Objektiv trotzen auch dem Staub, den wir hier in den Sommermonaten haben. Sony hat den Teilnehmern der Fotoworkshops hier in Peñalajo tatkräftig Leihausrüstung zur Verfügung gestellt. Dass Sony die Naturfotografen kontinuierlich unterstützt und mit Leihgeräten ausstattet, sorgt dafür, dass die gute Arbeit, die hier geleistet wird, bekannt wird – und die Fotografie als Mittel dienen kann, um auf die Bedeutung bedrohter Arten hinzuweisen. In diesem Fall des Iberischen Luchses.“
Mit Blick auf die Zukunft hofft Antonio, dass noch mehr Orte dem Beispiel von Peñalajo folgen und die Fotografie als Impulsgeber für den Naturschutz nutzen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie wir hier die Richtung in Sachen Naturschutz ändern und dem Luchs und anderen Arten zum Fortbestand verhelfen können. Die Fotografen sind ein wichtiger Teil der Gleichung“, fasst er zusammen. „Noch vor wenigen Jahren war das für Farmen dieser Art in Spanien undenkbar. Es ist ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit und Entwicklung, nicht nur für die Farm, sondern auch für die örtlichen Restaurants, Hotels und andere Dienstleister. Und es zeigt, dass wir Bewahrer der Natur sein können, wenn wir an einem Strang ziehen.“
„Die Fotografie ist eine mächtige Waffe, denn was nicht gesehen wird, wird nicht wertgeschätzt. Ein einziges Bild kann vieles aussagen, doch am einfachsten und wirkungsvollsten ist es, unserer Familie und unseren Freunden zu vermitteln, dass die Welt zwar ein schöner Ort ist, dies aber nur so bleibt, wenn wir für sie kämpfen. Wir müssen aktiv das bewahren, was uns inspiriert – oder es wird bald nicht mehr da sein.“