nahaufnahme einer robbe, die direkt in die kamera schaut

Gelungenes Robben-Schutzprojekt

Tony Peral

An der schroffen Atlantikküste Northwestafrikas liegt die Halbinsel Ras Nouadhibou, ein unwirtlicher, rund 23 Kilometer langer Streifen mit schwindelerregenden Klippen, messerspitzen Felsvorsprüngen und ausgedehnten, windgepeitschten Stränden. Gespickt mit Schiffswracks und verfallenen, verlassenen Behausungen ist es ein Ort, an dem die Menschen ums Überleben kämpfen. Und genau das ist sicherlich der Grund, warum er trotz aller Unwirtlichkeit zu einem wahren Paradies für Wildtiere geworden ist.

schroffe klippen hoch über dem meer © Tony Peral | Sony α7R V + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 30s @ f/10, ISO 100

Hier siedeln sich gerade die weltweit letzten Mittelmeer-Mönchsrobben wieder an – eine Spezies, die in ihren namensgebenden Gewässern so gut wie ausgestorben ist. Ironischerweise geht für die Robben in Ras Nouadhibou die Sonne neu auf, während auf dem Kontinent jeden Tag die letzten Strahlen der Wintersonne untergehen. „Das Mönchsrobben-Schutzprojekt ist das längste und ehrgeizigste, das je für eine gefährdete Tierart in Angriff genommen wurde“, erklärt Fotograf Tony Peral, dessen Aufgabe es war, die Bemühungen der Naturschützer und ihre wunderschönen Schützlinge zu dokumentieren.

„Von Ende 2022 bis Anfang 2023 bestand meine Aufgabe darin, eine NGO namens ‚CBD Habitat & Annajah‘ beim Aufbau einer Datenbank mit Bildern und Videos dieser letzten Brutkolonie zu unterstützen“, fährt er fort, „und natürlich war es eine äußerst spannende Gelegenheit, an diesem ehrgeizigen Projekt mitzuwirken. Was die Wiederherstellung des Bestands einer gefährdeten Spezies anbelangt, zählt es zweifellos zu den weltweit erfolgreichsten – ein Erfolgsmaßstab, hinter dem 20 Jahre harte Arbeit steckten.“

Schwerpunkt des Projekts war es, die Brutreviere und weiteren Lebensräumen durch Überwachungs- und Schutzmaßnahmen zu sichern und zu erhalten – Maßnahmen, an denen es bislang mangelte. „Bis 2001“, berichtet Tony , „genoss diese weltweit letzte große Mönchsrobbenkolonie keinerlei Schutz. Fischerboote warfen ihre Netze illegal vor den Höhlen aus, in denen die Robben ihre Jungen aufzogen, und Trawler, die sehr vor der Küste fischten, rissen alles mit sich, auch die Robben.“

wellen brechen sich an einem sandstrand © Tony Peral | Sony α1 + FE 12-24mm f/4 G | 1/640s @ f/10, ISO 125

„Dieser Küstenabschnitt ist sehr fischreich und damit zweifellos einer der besten Plätze an der Atlantikküste, um den Robben ein konstantes Nahrungsangebot zu bieten“, meint Tony, „aber früher zogen die Robben ihre Junge auf natürliche Weise an den weitläufigen Stränden der Halbinsel auf. Durch die einstige Verfolgung zogen sie sich in die Höhlen zurück, eine gefährlichere und widrigere Umgebung, als ihnen lieb ist, in der zudem die Sterblichkeitsrate der Robbenjungen sehr hoch ist.“

„Aber 2001 wurde das Robbenküsten-Reservat eingerichtet“, fährt er fort, „und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Fischern bedeutete dies rund ums Jahr Schutz für die Aufzuchtshöhlen am Cabo Blanco. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist unübersehbar, denn bis heute hat sich die Kolonie verdreifacht. Das bedeutet, dass wir nun einen Schritt weiter gehen und damit beginnen können, die Robben an die Strände zurückzubringen, wo sie früher ihre Jungtiere aufgezogen haben.“

zwei im meer schwimmende robben © Tony Peral | Sony α7R V + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 1/500s @ f/5.6, ISO 1250

Auch wenn sich der Robbenbestand an der Küste erholt, ist Ras Nouadhibou kein optimaler Ort zum Fotografieren. „Im besten Fall herrscht auf der Halbinsel eine raues Klima“, bestätigt Tony, „aber die Aufnahmen im Winter an einem Ort zwischen Meer und Wüste haben mich, meine Crew und meine Ausrüstung wirklich an ihre Grenzen gebracht. Außerdem ist es aufgrund des Geländes sehr schwierig, geeignete Standpunkte für die Arbeit zu finden, denn die meisten Robben lassen sich am besten von der Spitze der Klippen aus beobachten. An den meisten Shootingtagen blies uns der Wüstensand aus der eine Richtung entgegen, während gigantische Wellen gegen die unter uns liegeden Klippen schlugen.“

Tony fährt fort: „Außerdem mussten wir die Küste kilometerweit absuchen, um die Robben auf ihrem Weg zu ihren Fischgründen aufzuspüren. Und das von der Morgen- bis zur Abenddämmerung, um uns ihrem Tagesrhythmus anzupassen. Erschwerend kam hinzu, dass wir an einem Ort ohne Stromversorgung arbeiteten. Also mussten wir eine Strategie entwickeln, um sowohl die Ausrüstung zu betreiben als auch – da wir unsere 4K-Videoaufnahmen auf Karten speicherten – das Material herunterzuladen und zu sichern.“

Die Robustheit seiner Sony Alpha Ausrüstung trug in entscheidendem Maße zum Erfolg bei, sagt Tony, der für das Projekt routinemäßig zwei Kameras verwendete: „Die erste war eine Alpha 1 und die zweite eine Alpha 9 oder eine Alpha 7, je nach Art der Arbeit, die auf dem Programm stand. Meine Hauptobjektive waren das FE 600mm f/4 GM OSS, ohne das sich die Robben von der Spitze der Klippen nur schwer hätten ausmachen lassen, sowie die Zoomobjektive FE 100-400mm und FE 70-200mm. Ich kann sagen, dass es sich dabei um Fotoausrüstung auf höchstem technischen Niveau handelt. Selbst unter der ständigen Einwirkung von Staub, Salz und sandigem Wind erfüllten sie in Sachen Leistung und Belastbarkeit die Anforderungen eines jedes Naturfotografen.“

wellen, die gegen zerklüftete Felsen schlagen © Tony Peral | Sony α1 + FE 600mm f/4 GM OSS | 1/6s @ f/22, ISO 100

So widrig die Bedingungen auch waren, die Küste war dennoch ein magischer Ort. „Die Geschichte dieser Spezies zu kennen, machte das Ganze noch aufregender“, sagt Tony. „Diese Kolonie hat sich an einem so abgelegenen Ort niedergelassen, dass man die Wildheit und unberührte Natur, soweit das Auge reicht, wahrlich zu schätzen lernt. Es ist eine einzigartige Kombination, in der Unwirtlichkeit und Idylle perfekt harmonieren.“

Darüber hinaus inspirierte ihn dieser Ort zu einigen atemberaubenden Bildern. „Ich mag besonders die Nahaufnahmen der Robben“, sagt er, „denn die Tiere sind von Natur aus neugierig, tauchen aus der Tiefe auf und richten ihre Aufmerksamkeit auf alles, was auf den Klippen passiert. Mir war es aber auch wichtig, die harte Arbeit der Experten zu dokumentieren, die für die Sicherheit der Robben und ihrer Umgebung sorgen. Wir verbrachten viel Zeit mit ihnen im Camp, und ihr Engagement war bewundernswert. Ihre Aufgabe ist es, die gesamte Fläche des Reservats und seiner Kolonie wiederholt zu erfassen, um mögliche Bedrohungen zu ermitteln und den Zustand zu überprüfen.“

eine auf dem rücken im wasser schwimmende robbe © Tony Peral | Sony α1 + FE 600mm f/4 GM OSS | 1/2000s @ f/5.6, ISO 4000

„Außerdem haben wir auch einige der Interaktionen zwischen den lokalen Fischern und ihren Nachbarn festgehalten“, erinnert er sich. „Mithilfe des Projekts, das sie dabei unterstützt, eine verantwortungsvolle und nachhaltige Art des Fischfangs zu entwickeln, haben sie die Robben schließlich als weitere Mitspieler respektiert und akzeptiert.“

In Tonys Augen kann diese Unterstützung und Aufklärung durch die Fotografie nur verstärkt werden. „Es war sehr wichtig, neben den Robben und ihren Aufzuchtshöhlen auch das Projekt aus verschiedenen Blickwinkeln zu dokumentieren – soziales Miteinander, Naturschutz, Arbeitsweisen, Umwelt. Durch diese Bilder und Videos können wir den Menschen das Ausmaß und die Erfolge eines Projekts an einem derart abgelegenen Ort vermitteln, dass es andernfalls unbemerkt bliebe.“

Abschließend sagt er: „Das Mönchsrobben-Projekt wird noch viele Jahre andauern, und sobald die Kolonie eine bestimmte Anzahl von Tieren beherbergt, werden die Mönchsrobben in neue Gebiete gebracht, in denen neue Brutkolonien gegründet und sie am Ende hoffentlich sogar ins Mittelmeer zurückgebracht werden können. Wir konnten hautnah miterleben, wie eines der am längsten laufenden Projekte zur Rettung einer vom Aussterben bedrohten Art florieren und wachsen kann, und ich hoffe, dass ich weiterhin an diesem Projekt mitwirken kann, um diese Entwicklung zu verfolgen und mit meinen Fotos zu dokumentieren.“

eine im meer schwimmende gruppe robben © Tony Peral | Sony α7R V + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 1/500s @ f/4.5, ISO 1000

„Ich glaube fest daran, dass die Naturfotografie die Macht hat, das Bewusstsein zu schärfen, und dass sich jeder Tierfotograf besonders für die Natur starkmachen muss. Meiner Meinung nach sollte unsere Arbeit auf die ein oder andere Weise eng mit der Bewahrung unseres Naturerbes verknüpft sein.“

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