fotografien an der wand einer galerie

Überlegungen zu Selbstporträts

Nemanja Maraš

Von einem weißen Raum zum nächsten entblößt Nemanja Maraš seine Seele. Die Serie von Selbstporträts mit dem Titel „Reflections“ entstand in seinem hell erleuchteten Atelier und wurde anschließend in der ebenso strahlenden Galerie MONOLOG in Belgrad ausgestellt. Sie zeigt Nemanja in seiner kreativsten Schaffensphase, aber auch inmitten der Selbstfindung.

zwei männer an den gegenüberliegenden enden eines langen tisches © Nemanja Maraš | Sony α7R V + FE 35mm f/1.4 GM | 1/125s @ f/4.0, ISO 100

Nachdem er viele Jahre als erfolgreicher Modefotograf gearbeitet hatte, wandte sich Nemanja zunehmend der Porträtfotografie zu, was in mehreren bahnbrechenden persönlichen Projekten gipfelte. Bei einem davon betrachtete er seine Freunde im Schwebezustand zwischen Traum und Wachsein und porträtierte sie, „noch ehe sie die Maske aufsetzen konnten, die sie der Welt zeigen“, erinnert er sich. Bei einem anderen fotografierte er Balletttänzer auf ihrem Weg von der Bühne, „erschöpft und voller Emotionen“.

besuchergruppe in einer kunstgalerie © Nemanja Maraš

„Irgendwann habe ich festgestellt, dass ich die authentische Seite der Menschen besser einfangen kann als irgendeine Fassade“, erklärt er. „Ich möchte die Menschen so zeigen, wie sie sind, und davon nehme ich auch mich selbst nicht aus. Ich versuche, dem Trend entgegenzuwirken, dass Menschen etwas sein wollen, was sie nicht sind, oder sich schuldig fühlen, weil sie so sind, wie sie sind. Sich selbst treu zu bleiben, kann unendlich viel attraktiver und schöner sein.“

Mit „Reflections“ wird die Bedeutung der Selbstporträts für Nemanja deutlich. „Sie sind eine perfekte Möglichkeit, sich selbst kennen und schätzen zu lernen“, meint er. „Als ich an einer Tanzschule Fotografie unterrichtete, habe ich sie sogar in den Lehrplan integriert. Sie können experimentell und herausfordernd sein und Menschen dabei helfen, ihre Stimme zu finden und zu entdecken, dass es keinen wichtigeren Verbündeten gibt als sich selbst.“

12 verschiedene versionen desselben porträts © Nemanja Maraš

Was also gab den Ausschlag für „Reflections“? „Alles begann mit einem Experiment mit gemischten Medien, bei dem ich 12 Selbstporträts verwendete“, erinnert er sich. „Es waren einfache Bilder, auf denen ich zeichnete, malte und Collage-Elemente einfügte. Wie bei vielen Bildern in ‚Reflections‘ kam mir die Idee dazu während einer Therapiesitzung. Mein Therapeut sagte: ‚Sie waren viel für andere, deshalb wurden Sie zu viel für sich selbst.‘ Aus dem Grund habe ich jedes Gesicht anders gestaltet, als würde ich versuchen, den Erwartungen anderer gerecht zu werden.“

Andere Fotos des Projekts zeigen ihn unscharf, nur seine Silhouette oder mit verdecktem oder abgeschnittenem Gesicht, wodurch der Eindruck entsteht, dass Identität dynamisch ist und sich ständig verändert. An anderer Stelle finden sich Bilder von Wasser und Stein, die mit Porträts verflochten sind und wie projizierte Erinnerungen ihres Schöpfers wirken. „Ich habe eine Definition für jedes einzelne Werk“, sagt er, „aber das ist Privatsache.“

silhouette eines sitzenden mannes © Nemanja Maraš | Sony α7R V + FE 50mm f/1.4 GM | 1/60s @ f/10, ISO 100

Die Bilder hat Nemanja mit seiner Sony Alpha 7R V aufgenommen, ein Favorit vieler redaktioneller und Porträtfotografen. Er nennt mehrere Funktionen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützten. „Natürlich kann es schwieriger sein, zu fokussieren und zu komponieren als bei einem normalen Porträt“, erklärt er, „aber die Alpha 7R V bietet einige raffinierte Möglichkeiten, um diese Probleme zu lösen. Eine davon ist der brillante Autofokus mit Augenerkennung, der nicht nur den Fokus dort hält, wo er benötigt wird, sondern auch dafür sorgt, dass ich entspannter bin.“

„Tatsache ist“, sagt er, „dass ich meine eigene Mimik beim Fotografieren nicht so kontrollieren kann, wie ich es bei anderen könnte. Wenn ich mir Sorgen um die Schärfe mache, sieht man das an meinem Gesicht. Also befestige ich die Kamera auf einem Stativ, richte sie auf mich und benutze dann den Intervall-Timer, um 60 Aufnahmen zu machen. Dann bewege ich mich durch den Raum und wähle schließlich die besten Bilder aus. Das unscharfe Bild war reines Glück – ich mag diese zufälligen Momente, aber mit dieser Kamera ist es nicht leicht, überhaupt unscharfe Bilder zu erhalten!“

verschwommenes porträt eines mannes © Nemanja Maraš | Sony α7R V + FE 35mm f/1.4 GM | 1/100s @ f/2.2, ISO 400

„Die enorme 60-Megapixel-Auflösung der Alpha 7R V ist ebenfalls sehr hilfreich, denn so kann ich bei Bedarf ein wenig zuschneiden und erhalte trotzdem eine große Datei zum Drucken“, fährt er fort. „Viele meiner Bilder werden zum Beispiel von horizontal auf vertikal zugeschnitten, um den Bildausschnitt zu verkleinern. Das Bild von mir, auf dem mein Kopf nicht mit im Bild ist, wurde so aber direkt von der Kamera geschossen. Es ist einer dieser glücklichen Zufälle, die die Geschichte genau so erzählen können, wie man es sich vorgestellt hat.“

porträt eines mannes mit außerhalb des bildes befindlichem kopf © Nemanja Maraš | Sony α7R V + FE 35mm f/1.4 GM | 1/100s @ f/2.2, ISO 200

Außerdem nutzte Nemanja das Schwarz-Weiß-Profil der Alpha 7R V. „Viele Fotografen wissen nicht, dass die Beleuchtung für Schwarz-Weiß und Farbe nicht gleich ist“, erklärt er. „Bei Schwarz-Weiß braucht man zusätzlichen Kontrast und Intensität, um Licht und Schatten auf die Spitze zu treiben. Obwohl ich bei der Bearbeitung vollfarbige RAW-Dateien verwende, macht die Schwarz-Weiß-Vorschau vagen Schätzungen ein Ende.“

negativbild eines mannes © Nemanja Maraš | Sony α7R V + FE 35mm f/1.4 GM | 1/100s @ f/2.2, ISO 640

Aber letztendlich ist ein gewisses Maß an Spekulation dennoch wünschenswert, sagt er, allerdings eher was die Bedeutung eines Fotos und nicht dessen Anfertigung anbelangt. „Bei diesem Projekt habe ich gelernt, dass ich nicht erklären muss, warum ein Porträt so aussieht, wie es aussieht. Eine Erklärung bedeutet nicht Legitimität und ich lasse andere in meinen Bilder gerne das lesen, was sie möchten. Solche Selbstporträts können aus 30 Jahre alten Erinnerungen entstehen oder aus Erlebtem von gestern, genau wie die Inspiration, die nur entsteht, wenn man sich mit seiner Ausrüstung wohlfühlt und einfach im Moment experimentiert. Das Einzige, was zählt, ist das Aufnehmen der Bilder.“

Vorgestellte Produkte

Nemanja Maraš

Nemanja Maraš | Serbia

„Das menschliche Unterbewusstsein, das Gesicht hinter der Maske, ist das, was mich am meisten interessiert“

Für α Universe-Newsletter registrieren

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich für den α Universe-Newsletter angemeldet.

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Entschuldigung! Es ist etwas schief gelaufen.

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.