frau mit kerzen im haar hält eine laterne

Neues Licht, neue Horizonte

Sandra Hallnor

Winterfeste und -feierlichkeiten sind so alt wie die Menschheit selbst. Sie markieren die dunkelsten Tage des Jahres und begrüßen die Rückkehr der Sonne. So wird beispielsweise in Skandinavien das Luciafest gefeiert, das an Lucia von Syrakus erinnert, die Christen, die sich in den römischen Katakomben versteckten, Hilfe brachte. Zwar wird das Fest bereits seit dem vierten Jahrhundert nach Christus gefeiert, doch ist der Wunsch, Licht in die Dunkelheit zu bringen, noch weitaus älter.

Dieses und ähnliche Feste gehören zu den ältesten Inspirationsquellen von Sandra Hallnor. „Ich war schon immer fasziniert von Legenden, Mythen, Traditionen und Aberglauben“, sagt sie, „und davon gibt es in meiner Heimat Lappland jede Menge. Bei meinen Porträts lasse ich meiner Fantasie bei kreativen Projekten wie diesem immer gerne freien Lauf. Es macht mir Spaß, mit einem Thema oder einer historischen Idee zu spielen und meine eigene Interpretation mit einfließen zu lassen. Das macht alles, von der Planung bis zur Aufnahme, unglaublich bereichernd und bedeutungsvoll.“

„Die Lucia ist eine Figur, mit der ich schon früher experimentiert habe“, fährt sie fort. „Sie trug einen Kranz aus Kerzen auf dem Kopf, der ihr den Weg erleuchtete, und durch den sie beide Hände frei hatte, um so viel Essen wie möglich zu tragen. Ihr Name leitet sich ab vom lateinischen Begriff ‚lux‘ (= Licht) und sie ist eine Überbringerin der Freude in dunklen Zeiten, deshalb sollten die Bilder vor hoffnungsvollen Emotionen nur so strahlen. In der Vergangenheit habe ich Bilder der Lucia im Schnee Lapplands gemacht, aber dieses Mal wollte ich ein grüneres und geerdeteres Gefühl erzeugen, also entstanden die Fotos auf der Insel Madeira.“

frau mit kerzen im haar hält eine laterne © Sandra Hallnor | Sony α7 IV + FE 85mm f/1.4 GM II | 1/100s @ f/1.4, ISO 2000

Sandra verfolgt einen einzigartigen Ansatz, bei dem sie zum Beispiel ihre eigenen Requisiten und Kostüme herstellt. So hat sie den Rock und den Kopfschmuck ihres Models selbst angefertigt und mit auf die Insel genommen. „Außerdem“, scherzt sie, „kann man eine Lucia-Krone nicht einfach in jedem x-beliebigen Laden kaufen!“ Zudem hat sie einen Kranz aus getrockneten Farnen der Region geflochten, um die Umgebung Madeiras einzubeziehen.

Dieses Mal hat Sandra die Krone aus zweierlei Gründen mit elektrischen Kerzen versehen. „Es ist ein sehr windiger Ort“, bemerkt sie, „daher ist es schwierig, die Kerzen am Brennen zu halten. Außerdem verträgt sich Feuer nicht gut mit einem Kranz aus getrockneten Farnen. In der Laterne aber brennt eine richtige Flamme und zusammen mit der Krone ist sie die einzige Beleuchtung, die ich verwendet habe.“

frau mit laterne neben einem baum © Sandra Hallnor | Sony α7 IV + FE 85mm f/1.4 GM II | 1/100s @ f/1.4, ISO 2000

Durch das Fotografieren zur blauen Stunde, wie Sandra es oft tut, wurden diese Lichter ebenfalls hervorgehoben. „Bei solchen Low-Light-Porträts richte ich das Gesicht des Models gerne auf den Horizont, an dem die Sonne gerade untergegangen ist, und konzentriere die Belichtung dann auf das Laternenlicht, das ihr Gesicht umschmeichelt“, erklärt sie. „Und wenn das Timing stimmt, ist noch genug natürliches Licht vorhanden, dass man die Umgebung erkennt. Hier zum Beispiel möchte ich den Märchenwald mit seinen gewundenen Bäumen im Hintergrund mit in die Geschichte einbinden.“

betende frau mit von kerzen beleuchtetem kopfschmuck © Sandra Hallnor | Sony α7 IV + FE 85mm f/1.4 GM II | 1/200s @ f/1.4, ISO 2500

Um mit ihrer Sony Alpha 7 IV die richtige Belichtung zu erzielen, hat sie den Messmodus mit dem AF-Punkt verknüpft, „damit das Bild, wenn der Autofokus automatisch auf das Auge des Motivs fokussiert, genau so aussieht, wie ich es möchte“, erklärt sie. „Ich benutze auch die Glanzlichterwarnungen der Kamera – die ‚Zebramusterfunktion‘ – durch den Sucher und passe die Belichtung bei Bedarf an, um sicherzustellen, dass das Gesicht und andere Glanzlichter hell sind, aber nicht ausbrennen.“

Bei schwierigen Lichtverhältnissen nutzt Sandra die ISO-Leistung und den integrierten SteadyShot Bildstabilisator ihrer Alpha 7 IV optimal aus. „Auch wenn ich meine Lucia bitten kann, stillzuhalten, möchte ich nicht mit Verschlusszeiten von weniger als 1/100 Sekunde oder so arbeiten“, meint Sandra. „Aber ich weiß, dass die Kamera bei Geschwindigkeiten wie ISO 2000, die ich bei einigen dieser Aufnahmen verwendet habe, praktisch rauschfrei ist. Der brillante Dynamikbereich des Sensors spielt ebenfalls eine sehr wichtige Rolle, denn er trägt dazu bei, Details im schattigen Hintergrund zu erhalten.“

„Außerdem“, fährt sie fort, „verwende ich bei der Arbeit mit Feuer immer die schnellsten Bildwiederholraten der Kamera. Aufgrund der Flammenbewegung entstehen nicht immer schmeichelhafte Fotos, aber bei 10 Bildern pro Sekunde kann ich die besten Aufnahmen auswählen!“

frau mit laterne im lorbeerwald © Sandra Hallnor | Sony α7 IV + FE 85mm f/1.4 GM II | 1/100s @ f/1.4, ISO 2000

Am meisten verließ sich Sandra bei diesen Bildern auf ihr FE 85mm f/1.4 GM II. „Es ist ein wunderbares Objektiv für Bilder dieser Art“, verrät sie. „Durch die Weichheit, die es im Hintergrund erzeugt, und seine maximale Blende eignet es sich perfekt für Aufnahmen bei schwachem Licht. Auch die Brennweite ist wichtig. Dieses Objektiv ist ein klassischer Helfer für Porträtaufnahmen des Kopf-Schulter-Bereichs, verwendet man es aber für Ganzkörperaufnahmen, bleibt das Gefühl für den Ort durchaus erhalten.“

Für Sandra ist die Lucia ein wiederkehrendes Projekt. „Es ist ein Thema, das ich jedes Jahr gerne wieder aufgreife“, sagt sie abschließend, „und jedes Mal möchte ich es ein bisschen anders angehen, was ich nur empfehlen kann. Wir alle wollen neue Dinge tun, aber man darf sich auch nicht scheuen, zu Bewährtem zurückzukehren und es weiter zu perfektionieren. Das macht nicht nur Spaß und ist inspirierend, sondern man kann so auch etwas wirklich Eigenes schaffen.“

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Sandra Hallnor

Sandra Hallnor | Sweden

„Halten Sie Ihre Leidenschaft spielerisch, frisch und lebendig.“