Bildfokus

Marek Arcimowicz | Spontanaufnahme

Für dieses Bild hatte ich nur ein paar Sekunden Zeit. Daher habe ich es mit der einzigen Kamera aufgenommen, die ich dabei hatte – meiner Sony α 6000.

Das Bild wurde auf der Jamal-Halbinsel im Norden Sibiriens in Russland aufgenommen. Dort lebt das Volk der Nenzen, das zu den samojedischen Völkern gehört. Eingeborene nomadische Dorfgemeinschaften ziehen mit ihren Rentierherden durch das nördliche arktische Russland. Die Nenzen wohnen in Tschums – das sind Zelte, die einem Tipi der amerikanischen Ureinwohner ähneln. Sie leben und arbeiten in kleinen Gruppen und bewegen sich mit ihrer gesamten Habe auf Schlitten – im Winter und im Sommer, auf Schnee, Schlamm oder der subarktischen Vegetation.

Ich habe dort eine Dokumentation für einen polnischen Fernsehsender und das National Geographic Magazine Poland aufgenommen. Während der Rest unseres Teams in einem der Zelte filmte, ging ich hinaus, um die Licht- und Außenbedingungen zu prüfen. Nach einem wolkenverhangenen Tag war die Sonne durchgebrochen, es kündigte sich jedoch ein Regenschauer an.

Rentierbaby leuchtet in der Reflexion eines Regentropfens © Marek Arcimowicz | Sony α6000 + E 18-55mm f/3.5-5.6 OSS | 1/200s @ f/13, ISO 800

Als der Regen einsetzte, wurden das Licht und die Atmosphäre seltsam. Wie aus dem Nichts kommend lief ein Rentierbaby durch das Dorf. Ich griff nach meiner Kamera. Es fielen jedoch Regentropfen auf mein Objektiv, in denen die Sonnenstrahlen Reflexionen erzeugten. Ich hatte nicht die Zeit, das Objektiv abzuwischen, die Rentiere rannten – ich hatte nur ein paar Sekunden, um ein Foto zu machen.

Ich lief langsam, ohne die Kamera vom Auge zu nehmen, und versuchte, den Effekt der Regentropfen für mein Bild zu nutzen. Ich habe sogar versucht, das Rentierbaby im Lichttropfen zu halten. Als ich dieses Foto machte, verhedderten sich gerade meine Beine in den Zügeln der chaotisch herumliegenden Schlitten. Ich fiel auf einen der Schlitten und habe dabei fast meine Zähne verloren! Glücklicherweise ist nichts Schlimmes passiert, und ich hatte dieses wunderbare, einzigartige Foto.

Die Kamera, die ich dabei hatte, war eigentlich meine Ersatzkamera, eine Sony α 6000 mit dem standardmäßigen 18–55 mm f/3,5–5,6 OSS Objektiv. Meine Hauptkamera war damals eine Sony α 900. Als kleine, unauffällige Kamera mit ausgezeichneter Bildqualität hatte ich damals aber immer die Sony α 6000 dabei. Sie ist sehr leicht, und ich finde die Qualität der Fotos sogar besser als mit einer herkömmlichen DSLR. Deshalb ist sie eine tolle Alternative. Und dank Autofokus konnte ich das rennende Rentier aufnehmen! Wenn ich heute mit leichtem Gepäck zum Wandern, Radfahren, Klettern oder Skifahren unterwegs bin, nehme ich allerdings immer meine neuere α 6500 mit.

Das Bild habe ich in einem Augenblick aufgenommen, in dem ich einfach nur reagiert habe. Ich habe nicht lange überlegt und mich auf meinen Instinkt verlassen. Dieses Bild fängt einen Bruchteil einer Sekunde in der Zeit ein und dokumentiert einen nomadischen Lebensstil, der gerade vor unseren Augen verschwindet.

Vorgestellte Produkte

Marek Arcimowicz

Marek Arcimowicz | Poland

„Ein guter Reisender hat keine festen Pläne und denkt nicht ans Ankommen“ – Laotse, 6.–5. Jahrhundert v. Chr.

Für α Universe-Newsletter registrieren

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich für den α Universe-Newsletter angemeldet.

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Entschuldigung! Es ist etwas schief gelaufen.

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.