Bildfokus

Javier Aznar | Biss einer Soldatenameise

Es war spät in der Nacht und ich steckte tief im bolivianischen Amazonas-Regenwald. Ich war auf der Suche nach Tieren, um sie zu fotografieren, insbesondere Schlangen. Doch dann stieß ich auf diese Gruppe von Armee- oder Soldatenameisen, und ich hielt kurz an, um sie mit meiner Sony α 7R IV zu fotografieren.

Armeeameisen sind in der Regel nachts unterwegs, und ihre Aufgabe ist es, alle anderen Ameisen in der Kolonie vor Raubtieren zu schützen. Ich hielt meinen Finger nahe genug heran, so dass eine Ameise zu mir kam, um mich, wie ich wollte und auf dem Foto zu sehen ist, zu beißen. Was man nicht sehen kann, ist, dass die Ameise mit ihrem Hinterteil auch in meine Fingerspitze gestochen hat. Nach ein paar Minuten begann mein Finger, sehr weh zu tun, aber es kam noch schlimmer. Für die nächsten fünf Tage war mein Finger so dick und geschwollen, dass ich ihn überhaupt nicht mehr beugen konnte.

Ich hatte während des Ameisenbisses nur sehr wenig Zeit, um das Bild mit meiner Sony α 7R IV und dem Makroobjektiv FE 50mm F2.8 aufzunehmen. Ich mag das Objektiv sehr, weil es klein und preiswert ist. Das ist wichtig, wenn ich in einer Gegend wie dem Regenwald unterwegs bin.

Soldatenameise auf einem menschlichen Daumen

© Javier Aznar | Sony α7R IV + FE 50mm f/2.8 Macro | 1/250s @ f/14, ISO 320

Das hier gezeigte Bild habe ich genau so mit der Kamera aufgenommen. Ich habe den APS-C Modus der Kamera verwendet, um einen Bildausschnitt zu erhalten, der immer noch ein Bild mit 26,2 Millionen Pixeln ergibt – damit erhielt ich das Bild, das ich wollte, direkt auf der Kamera und musste es bei der anschließenden Bearbeitung nicht mehr zuschneiden. In der Dunkelheit des Regenwalds verwendete ich einen externen Blitz mit einem Diffusor, den ich zuvor auf ein Stativ montiert hatte, um die Ameise und meinen Finger zu beleuchten. Da ich die Hand, die gebissen wurde, ausgestreckt hielt, konnte ich meine Kamera nur mit einer Hand halten. Ich stellte daher den minimalen Fokusabstand ein und bewegte mich sehr vorsichtig vor und zurück, um die Augen der Ameise zu fokussieren.

Das Bild macht mir bewusst, wie aggressiv und faszinierend diese Armeeameisen sind. Die Menschen schenken den kleineren Lebewesen im Dschungel oder Regenwald nicht genug Aufmerksamkeit, dabei sind sie faszinierend. Sie sind so winzig und dennoch so stark, und sie sind den Menschen sehr ähnlich, denn in jeder Kolonie haben sie eine Gesellschaft mit verschiedenen Hierarchien, in der jede Ameise eine andere Rolle einnimmt. In diesem Fall handelte es sich um eine Armeeameise, die versuchte, ihre Kolonie vor einem Fotografen zu schützen, der sich ein bisschen dumm anstellte und nicht nur gebissen, sondern auch gestochen wurde!

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Javier Aznar

Javier Aznar | Spain

„Um etwas zu bewahren, müssen wir erst kennen- und lieben lernen, was wir verlieren könnten. Die Fotografie ist ein nützliches Werkzeug, um uns zu sensibilisieren und uns zu zeigen, was uns umgibt. Ich versuche, mit meiner Kamera Tiere in ihrer reinsten Form darzustellen – aus biologischer, gleichzeitig aber auch künstlerischer Sicht.“

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