Artikel-ID : 00108430 / Zuletzt geändert : 04/03/2015

Handbuch für Fotografen: Wie man mit der Kamera schöne Bilder aufnimmt

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Diese Kurzanleitung gibt Ihnen Tipps, wie Sie Ihre Kamera optimal nutzen.

Was ist eine RAW-Datei? Warum sollte ich RAW verwenden?

Wenn Sie bereits eine digitale Kompaktkamera verwendet haben, wurden all Ihre Bilder möglicherweise als JPEG-Dateien gespeichert. Ihre D-SLR-Kamera kann diese Dateien ebenfalls erzeugen, aber es besteht auch die Möglichkeit, RAW-Dateien zu erstellen. Was ist also eine RAW-Datei und warum sollten Sie sie anstatt von JPEG-Dateien verwenden?

Bei einer Aufnahme zeichnet der Kamerasensor eine riesige Datenmenge auf, die weitaus größer ist, als für die Erstellung einer JPEG-Datei nötig ist. Wenn die Kamera das Bild verarbeitet, müssen viele Daten gelöscht werden, um eine kleinere Datei zu erstellen. Das sich daraus ergebende Bild ist für die meisten Anwendungen, wie Ausdrucken oder Austauschen per E-Mail oder Veröffentlichung auf einer Website, geeignet.

Im Gegensatz zu einer JPEG-Datei wurde eine RAW-Datei von der Kamera nicht verarbeitet oder komprimiert. Sie enthält alle Daten, die der Sensor bei der Aufnahme des Bildes aufzeichnete. Dies umfasst einen größeren Farb- und Farbtonbereich als den, der bei einem JPEG-Bild verwendet würde. Außerdem sind eventuell auch viel mehr Details in Schatten und in den hellsten Bildstellen zu erkennen. Aus diesem Grund sagt man manchmal "digitales Negativ". Und ebenso wie Sie mit dem Entwickeln und Drucken der eigenen Bilder in einer Dunkelkammer sehr viel bessere Ergebnisse als bei Ihrem Fotogeschäft erzielen, können mithilfe der zusätzlichen Daten, die in der RAW-Datei aufgezeichnet wurden, Bilder mit einer höheren Qualität erstellt werden. Es erfordert nur ein wenig Übung.

Zur Verarbeitung von RAW-Dateien benötigen Sie einen speziellen RAW-Konvertierer wie etwa Image Data Converter SR. Diese Software ist im Lieferumfang Ihrer Kamera enthalten.

Wenn Sie in Image Data Converter eine RAW-Datei öffnen, wird das Bild zuerst so angezeigt, als ob die Einstellungen der Kamera bei der Aufnahme angewendet worden wären. Sie können dann Änderungen für die Belichtung, den Weißabgleich, Farbmodus, Kontrast und für eine Vielzahl anderer Einstellungen vornehmen, bis Sie das gewünschte Resultat erhalten. Sie können außerdem das Bild im Zustand "vorher" und "nachher" nebeneinander anzeigen, womit Sie den erzielten Effekt genau sehen. Und Sie müssen sich nicht sorgen, dass Sie etwas falsch machen könnten. Wenn Sie die Anpassung des Bildes abgeschlossen haben, können Sie die Ergebnisse als eine neue TIFF- oder JPEG-Datei speichern. Die ursprüngliche RAW-Datei bleibt dabei unverändert, sodass Sie daran später völlig andere Anpassungen vornehmen können.

Es folgen einige Beispiele von Bildern, bei denen RAW anstelle von JPEG ausgewählt wurde:

Beispiel 1

In diesem Beispiel erkennen Sie deutlich, dass die auf den Boden auftreffenden Wassertropfen auf dem JPEG-Bild nicht detailliert dargestellt sind. Außerdem fehlen dem Gesamtbild sehr viele Details in Spitzlichtbereichen.

Abbildung

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Das Bild im RAW-Format zeigt, dass auf einem Bild sehr viel mehr Details gezeigt werden können, wodurch es intensiver wird.

Abbildung

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Beispiel 2

Bild im JPEG-Modus aufgenommen

Abbildung

In diesem Beispiel wurde das Bild am Ende des Tages bei Sonnenuntergang aufgenommen. Das durch den Sonnenuntergang erzeugte Rotlicht hat nur einige Minuten angehalten. Es ist nun die Herausforderung, diese Rotlichtumgebung im Bild nachzubilden. Im JPEG-Modus ist das Bild unterbelichtet und die Farben sind blass. Dieses Bild hat nichts Besonderes.

Angepasste RAW-Datei

Abbildung

 

Kontrast, Sättigung und Schärfe

 

All diese Funktionen wirken sich auf das Aussehen des endgültigen Bildes aus.

Es ist nicht möglich, diese Faktoren mit dem bloßen Auge auf dem Bildschirm der Kamera zu beurteilen. Daher sollten Sie einige Aufnahmen mit unterschiedlichen Einstellungen machen und die Bilder dann auf den Computer übertragen, bevor Sie eine Entscheidung treffen, welchen Kontrast, welche Sättigung und Schärfe Sie verwenden möchten.

Kontrast:

Der Kontrast bestimmt, wie die unterschiedlichen dunklen und hellen Schattierungen im Bild erscheinen. Wenn der Kontrast niedrig ist, erscheint alles in Grautönen, wohingegen ein hoher Kontrast sehr helle Bildpunkte und Schatten mit nur wenigen Zwischentönen besitzt. Es gibt keinen idealen Kontrast. Es hängt von dem aufzunehmenden Motiv ab. Beim Fotografieren von Dokumenten erhöhen Sie den Kontrast möglicherweise, damit sich der Text besser vom Hintergrund abhebt. Kontrast ist insbesondere wichtig, wenn Sie die Einstellung "B&W" verwenden. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollten Sie immer im RAW-Modus aufnehmen. Klicken Sie hier, um weitere Informationen zum RAW-Modus zu erhalten.

Sättigung:

Dies ist im Grunde die Intensität der Farben. Wenn Sie vorher eine Kompaktkamera für schnelle Aufnahmen verwendet haben, sind anfänglich die Ergebnisse von einer digitalen SLR-Kamera nicht so farbenprächtig wie erwartet, da bei Kompaktkameras ein höherer Sättigungsgrad eingestellt ist. Genau wie beim Kontrast hängt die Auswahl von der Art des aufzunehmenden Bildes ab. Das Bild einer Kinderparty beispielsweise mit vielen farbigen Dekorationen und Papierhüten hat einen Vorteil durch eine höhere Sättigungseinstellung, wohingegen bei einer Aufnahme von Tieren die Farben so originalgetreu wie möglich sein sollten. Es ist sehr wichtig, sich bei Ihrer Entscheidung hinsichtlich der Sättigung auf andere Bilder zu stützen, die auf Ihrem Computer gespeichert sind, da die Farbwiedergabe auf dem Kamerabildschirm für eine Beurteilung nicht ausreicht.

Schärfe:

Dies hat nichts mit dem Scharfstellen zu tun. Wenn das Bild nicht scharf gestellt ist, kann Ihnen der Schärferegler nicht helfen.

Bei der Erstellung eines digitalen Fotos wird das Bild etwas "weich". Dies ist so, weil Sie mithilfe von Elementen (Pixeln), die mehr oder weniger rechteckig sind, komplexe Formen erstellen. Alle Formen, die nicht eine einfache horizontale oder vertikale Linie sind, haben eine gezackte Kante. Wenn Sie beispielsweise einen Kreis zeichnen möchten, erhalten Sie eine Form, die mehr nach einem Zahnrad aussieht. Bei der Verarbeitung der Bilddaten werden die gezackten Kanten geglättet und dann wird die Schärfe erhöht. Sie können den Grad der Schärfe für das Objekt auswählen. Bei einer Porträtaufnahme ist es eventuell vorteilhaft, wenn sie leicht ungenau ist, wohingegen ein detailreiches Bild mit einem hohen Schärfegrad am besten wirkt.

Es ist auch möglich, die Schärfe auf dem Computer zu erhöhen, nachdem Sie Ihre Bilder übertragen haben. Wenn Sie Ihre Bilder als RAW-Dateien aufnehmen, werden Sie diese Vorgehensweise eventuell bevorzugen. JPEG-Dateien sehen jedoch am besten aus, wenn die Schärfeeinstellung bereits auf der Kamera durchgeführt wird.

Beispiel für Einstellungen von Kontrast, Sättigung und Schärfe.

Das folgende Bild wurde kurz nach einem Sturm aufgenommen. Das Sonnenlicht brach gerade durch die dunklen Wolken, als man im Hintergrund noch immer den Regen auf das Meer regnen sehen konnte. Im ersten Beispiel ist das Bild nicht angepasst. Die Wolken sind nicht sehr detailreich, die Farbbalance ist nicht korrekt und der Hintergrund ist ebenfalls nicht sehr detailreich.

 

Abbildung

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Die Herausforderung besteht darin, beim Betrachten des Bildes intensive Gefühle beim Betrachter zu erzeugen. Der Kontrast wurde erhöht, Grautöne wurden gesättigt und es wurde eine geringe Schärfeneinstellung vorgenommen. Da nun der Himmel und die Felsen detailreicher sind, wirkt das Bild sehr viel dramatischer.

 

Abbildung

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Was ist Weißabgleich?

 

Mithilfe der Weißabgleichs ist es möglich, mit der Kamera natürliche Farben bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu erhalten. Die Farbe des Lichts ändert sich während des Tages und künstliche Lichtquellen unterscheiden sich in der Farbe komplett von Tageslicht. Normalerweise bemerkt man das nicht, da sich die Augen automatisch anpassen und man die Farben immer korrekt wahrnimmt. Auf einer Kamera ist die Farbtemperatur jedoch deutlich sichtbar.

Ihre Kamera verfügt über mehrere unterschiedliche Einstellungen für den Weißabgleich. Je nach Kameramodell sind eventuell nicht all diese Einstellungen verfügbar.

Auto:

Wenn die Einstellung "Auto" ist, stellt sich die Kamera automatisch selbst ein, indem sie die Farbe des Umgebungslichts misst. Sie können diese Einstellung die meiste Zeit so belassen.

Die automatische Einstellung des Weißabgleichs ist möglicherweise jedoch nicht immer die beste Wahl. Wenn gemischte Lichtverhältnisse vorherrschen oder wenn Sie sich in einer Lichtart und Ihr Motiv sich in einer anderen Lichtart befinden, kann es sein, dass Sie den Weißabgleich eventuell nicht korrekt anpassen können. Ihre Kamera verfügt daher über einige Möglichkeiten, einen bestimmten Weißabgleich auszuwählen, um ihn Ihrer Situation anzupassen.

Vorwahl Weißabgleich:

Ihre Kamera besitzt die folgenden voreingestellten Optionen, die mit den meisten am häufigsten anzutreffenden Lichtverhältnissen übereinstimmen

Tageslicht:

Dies ist die Einstellung, die man gewöhnlich mit "normalem Licht" gleichsetzt, beispielsweise wenn man sich an einem sonnigen Tag im Freien aufhält.

Tungsten:

Diese Lichtart herrscht zu Hause vor. Sie ist mehr im Gelb-Bereich als Tageslicht und erzeugt einen gelben/orangen Ton, wenn sie nicht korrigiert wird.

Leuchtstoff:

Ein Licht von Leuchtstofflampen herrscht gewöhnlich in Büros und Geschäften. Dies erzeugt ein grünliches Licht, das zu trüben Farben in Ihren Bildern führt.

Blitz:

Blitzlicht ist in der Farbe ähnlich zu Tageslicht. Ihre Kamera wählt den Blitz automatisch aus, wenn sie erkennt, dass Sie den Blitz eingeschaltet haben oder wenn Sie eine Blitzeinheit an der Kamera angebracht haben. Wenn Sie jedoch einen Studio-Blitz oder eine Blitzeinheit verwenden, die nicht automatisch mit Ihrer Kamera funktioniert, müssen Sie den Blitz selbst einstellen.

Bewölkt:

An einem bewölkten oder verhangenen Tag hat das Licht einen bläulichen Farbton und Bilder, die unter diesen Bedingungen aufgenommen wurden, wirken eventuell "kalt". Mithilfe der Einstellung "Bewölkt" werden die Farben "aufgewärmt" und wirken natürlicher.

Schattig:

Selbst wenn Sie an einem sonnigen Tag im Schatten und nicht im direkten Sonnenlicht sind, ist ein Übermaß an blauem Licht vorhanden, das einen ähnlichen Effekt wie unter bewölkten Bedingungen haben kann.

Bei allen voreingestellten Optionen können Sie auch feinere Einstellungen vornehmen, um den Weißabgleich genauer an Ihre tatsächlichen Lichtverhältnisse anzupassen. Sie können den Effekt auf dem LCD-Bildschirm überprüfen, aber für eine genaue Anpassung ist es am besten, wenn Sie Testbilder auf den Computer übertragen, damit Sie diese nebeneinander vergleichen können. Wenn Sie die Einstellung "Fluoreszierend" verwenden, können Sie mithilfe von +/- die Einstellung an verschiedene Arten von Leuchtstofflampen anpassen (weiß, warm, Tageslicht usw.).

Wenn Sie keine natürliche Farbe mit AWB oder einer Voreinstellung erhalten, können Sie einen benutzerdefinierten Weißabgleich vornehmen. In diesem Modus verwenden Sie ein weißes "Ziel", wie beispielsweise eine weiße Karte oder ein Blatt Papier, damit sich die Kamera an das vorherrschende Licht anpassen kann. Die Einstellung für einen benutzerdefinierten Weißabgleich bleibt im Speicher der Kamera, bis Sie eine neue Einstellung vornehmen.

Die Kamera verfügt abschließend auch noch über eine Einstellung der Farbtemperatur (K-Einstellung). Professionelle Fotografen verwenden häufig ein Farbmessgerät, um die Farbe des Lichts, in dem sie arbeiten, zu messen. Sie können die Messwerte des Farbmessgeräts bei einigen Kameras eingeben.

Es gibt einige Lichtarten, bei denen der Weißabgleich nicht ausgeglichen werden kann. Dazu zählen Quecksilberdampf- und Natriumdampf-Lampen, die häufig für die Straßenbeleuchtung und für die Beleuchtung auf Fabrikgeländen verwendet werden. Bei diesen Beleuchtungsumgebungen können Sie nur mit einem Blitz genaue Farben bekommen, wenn das Motiv nah genug ist.