francesca sironi mit ihrer sony kamera und ihrem objektiv

Licht, Leichtigkeit, Wildnis

Francesca Sironi

In meiner Vorstellung war die Fotografie schon immer so etwas wie eine Reise, und die Tierfotografie ist da keine Ausnahme. Das wertvollste Gepäck sammelt man unterwegs: Geschichten, Erfahrungen, Begegnungen und Emotionen, die deine Sicht auf die Welt prägen. Jeder Schritt wird Teil dieses Gepäcks, und ich möchte nichts davon vermissen – kein einziges Detail, keine einzige Emotion.

Aber es ist auch wichtig, ans Ziel zu kommen. Und das bedeutet für mich oft, den Gipfel zu erklimmen.

© Francesca Sironi

Ich habe mich nie besonders zu statischer Tierfotografie hingezogen gefühlt. Was mich am meisten repräsentiert, ist die Freiheit, durch die Natur zu wandern, ohne genau zu wissen, was ich finden werde, und alles mit offenen Armen anzunehmen, was sie mir bietet. Das ist für mich die Essenz der Fotografie von Wildtieren: präsent zu sein, sich durch die Landschaft zu bewegen und dem Erlebnis zu erlauben, sich zu entfalten, anstatt zu versuchen, es zu kontrollieren.

Um das zu tun, muss ich die Ablenkungen entfernen, die mich vom Moment wegreißen können. Wenn die Reise durch die Berge führt und ich Hunderte Höhenmeter überwinden muss, ist jedes Gramm entscheident. Ich möchte, dass meine Ausrüstung fast unsichtbar wird, damit ich mich voll und ganz auf die Tierwelt, das Licht und das Erlebnis konzentrieren kann.

großer vogel gleitet mit ausgebreiteten flügeln © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS | 1/2000s @ f/6.3, ISO 200

Vier Tage in den italienischen Alpen

Ich verbrachte vier Tage damit, die italienischen Alpen zu erkunden – eine außergewöhnliche Umgebung, in der sich Tierwelt, Landschaften und Wetter mit zunehmender Höhe dramatisch verändern. Beim Klettern wandelt sich die Landschaft, man sieht andere Tiere und das Licht kann sich innerhalb von Minuten verändern. Wolken ziehen auf, die Atmosphäre verändert sich, und die gleiche Landschaft fühlt sich plötzlich komplett anders an.

bartgeier im flug © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS | 1/2000s @ f/6.3, ISO 250

Das war der perfekte Ort, um das neue Sony FE 400 mm f/4.5 GM OSS und FE 600 mm f/6.3 GM OSS mit meiner treuen α 7 V und den 1,4-fach- und 2-fach-Telekonvertern zu testen.

Mit die ersten Dinge, die einem an diesen Objektiven auffallen, sind ihre Größe und ihr Gewicht. Beide sind inklusive Streulichtblende etwas mehr als 30 cm lang und wiegen jeweils knapp 1 kg. Sie sind leicht, fühlen sich aber dennoch solide, robust und schön gebaut an. Dank des ergonomischen Designs sind sie auch über lange Zeiträume bequem zu bedienen, und diese Mobilität geht nicht auf Kosten der optischen Qualität, die man von Sony G Master-Objektiven mit Festbrennweite erwartet.

ein steinbock im unterholz blickt in die kamera © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 400mm f/4.5 GM OSS | 1/400s @ f/4.5, ISO 2500

Schwaches Licht, Tiefe und Autofokus

Jede gute Wanderung in den italienischen Alpen beginnt früh und schlängelt sich durch dichte Lärchenwälder an steilen Berghängen, wo die umliegenden Gipfel das erste Sonnenlicht verzögern. Hier habe ich das 400-mm-Objektiv zum ersten Mal auf die Probe gestellt und dabei die große Blende von f/4.5 voll ausgenutzt. Im schwachen Licht des Waldes machte dieses zusätzliche Licht einen echten Unterschied, denn ich konnte kurze Verschlusszeiten beibehalten, ohne den ISO-Wert zu hoch zu treiben.

Der Vorteil einer großen Blendenöffnung liegt allerdings nicht nur in der Leistung bei schwachem Licht. Ein dichter Wald ist voller sich überlappender Stämme, Äste und Vegetation, und ich wollte diese Komplexität als Teil der Komposition nutzen, um Unschärfeschichten und ein stärkeres Gefühl von Tiefe zu erzeugen.

kleiner gelber vogel auf einem ast © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS | 1/1000s @ f/6.3, ISO 500

Was mich am meisten überraschte, war, wie reibungslos der AF in einer so schwierigen Umgebung funktionierte. Während sich Gämsen bei begrenztem Licht und umgeben von visuellen Ablenkungen durch dichte Vegetation bewegten, erfasste und hielt das Objektiv den Fokus bemerkenswert gut. So konnte ich reagieren, wenn das Tier kurz zwischen den Ästen auftauchte, anstatt gegen die Umgebung anzukämpfen, um den Fokus zu erfassen.

In der Tierfotografie können diese Momente oft nur wenige Sekunden dauern. Da ich mich auf den AF verlassen kann, bin ich in der Lage, mich auf das Tier zu konzentrieren, anstatt mir Gedanken über meine Ausrüstung machen zu müssen.

ein murmeltier sitzt im gras © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 400mm f/4.5 GM OSS + 2x Teleconverter | 1/1250s @ f/9.0, ISO 640

Schnelle Motive und Bewegungen

Später, als das Sonnenlicht begann, durch die Bäume hindurchzuscheinen, testete ich das 600-mm-Objektiv an ein paar lebhaften kleinen Zugvögeln. Der AF funktionierte einwandfrei und hielt mit ihren schnellen Bewegungen Schritt, während sie zwischen dichten Ästen hindurchhuschten. Selbst in diesen flüchtigen Momenten war die Qualität hervorragend und erlaubte mir, bemerkenswerte Details in den Federn einzufangen.

kleiner vogel im flug mit verschwommenen flügeln © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS | 1/800s @ f/6.3, ISO 250

Um ihre Geschwindigkeit und Energie zu vermitteln, habe ich eine etwas längere Verschlusszeit als üblich gewählt, während ich dem Motiv gleichzeitig genug Definition ließ. So konnte ich ein subtiles Gefühl der Bewegung bewahren, anstatt die Handlung komplett einzufrieren. Der AF bewahrte den Fokus auf dem Auge des Vogels, während die Brennweite von 600 mm ihn wunderbar vom belebten Hintergrund isolierte.

ein steinbock blickt aufmerksam in die kamera © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 400mm f/4.5 GM OSS | 1/1000s @ f/4.5, ISO 100

Reichweite im Hochgebirge

Hinter dem Wald öffnet sich der Pfad zu steilen Felshängen, an denen sich Gämsen mit unglaublicher Agilität bewegen. Es kann schwierig sein, diesen Motiven zu folgen, aber dank des geringen Gewichts und der leichten Handhabung dieser Objektive konnte ich mich schnell bewegen, rasch reagieren und mit ihnen Schritt halten. Das felsige Gelände wird schließlich durch Gebirgswiesen und offene Hochebenen abgelöst, in denen Tiere mit ganz unterschiedlichen Maßen an Selbstvertrauen auftauchen – vom ruhigen Steinbock bis zum vorsichtigen Murmeltier. Als ich diese offenen Landschaften erreichte, war die Sonne immer noch hoch und rau, also wartete ich bis zum späten Nachmittag, als das Licht weicher wurde und sich die Atmosphäre änderte.

Hier habe ich das 400 mm auf zwei Arten getestet: zuerst alleine, wo seine Auflösungsleistung und sein Rendering mich sofort beeindruckt haben; dann mit dem 2-fach-Telekonverter, der die Reichweite auf 800 mm erhöht und gleichzeitig eine solide Bildqualität beibehalten hat. Selbst mit angebrachtem Telekonverter blieb der AF schnell und präzise und fand trotz Gras im Vordergrund zuverlässig das Motiv.

ein steinbock am berghang © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 400mm f/4.5 GM OSS | 1/1000s @ f/4.5, ISO 100

Noch höher weicht die Vegetation Felsen, Gletschern und einer wilderen, exponierteren Landschaft. Hier oben verändert sich die Tierwelt ein weiteres Mal: Bartgeier, Schneehühner und Schneehasen. Der Schneehase, Lepus timidus, könnte kaum einen passenderen Namen haben – „timidus“ bedeutet auf Latein „schüchtern“, und diese schwer fassbaren Tiere können vollständig in ihrer Umgebung verschwinden. Einen davon zu entdecken, fühlt sich oft wie Glück an, und mir gelang es zum ersten Mal.

In dieser Umgebung habe ich mich hauptsächlich auf das 600-mm-Objektiv verlassen. In solcher Höhe sind Tiere oft weit entfernt, scheu und unberechenbar. Schneehühner sind so gut getarnt, dass man sie oft nur bemerkt, wenn sie sich bewegen, während Bartgeier aufsteigende Thermik einfangen und in wenigen Augenblicken über einem Tal verschwinden können. Das 600-mm-Objektiv gab mir die Reichweite, die ich brauchte, um auf Abstand zu bleiben und gleichzeitig für diese flüchtigen Gelegenheiten bereit zu sein.

ein schneehase springt über felsen © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS | 1/1250s @ f/6.3, ISO 125

An einem anderen Morgen kehrte ich vor Sonnenaufgang unter einem völlig bedeckten Himmel zurück. Da nur sehr wenig Licht zur Verfügung stand, habe ich erneut das 600-mm-Objektiv getestet, und es hat mich nicht enttäuscht. Wenn plötzlich ein junger Bartgeier über mir auftauchte, war das Objektiv leicht genug, dass ich es schnell anheben und seinem Flug folgen konnte. Später, als der Vogel gegenüber einer felsige Klippe flog, trennte ihn der AF auch hier vom komplexen Hintergrund und hielt zuverlässig den Fokus.

Schließlich kombinierte ich das 600-mm-Objektiv mit dem 1,4-fach-Telekonverter, um Schneehühner im selben gedämpften Licht zu fotografieren. Ihre flüchtige Natur verlangt sowohl Reichweite als auch Präzision, und meine Kombination lieferte schnellen AF, hervorragende Schärfe und beeindruckende Details.

schneehuhn sitzt auf einem felsen © Francesca Sironi | Sony α7 V + FE 600mm f/6.3 GM OSS + 1.4x Teleconverter | 1/1000s @ f/9.0, ISO 1000

Das beste Gepäck

Nach vier Tagen in den Bergen kam ich mit viel wervollerem Gepäck nach Hause: neue Begegnungen, Emotionen, Herausforderungen und Erinnerungen, die mich noch lange nach der Reise begleiten werden.

francesca sironi mit ihrem sony sel400f45gm objektiv © Francesca Sironi

Dank der Leichtigkeit und Vielseitigkeit dieser Objektive konnte ich mich auf das eigentliche Erlebnis konzentrieren, anstatt mir Gedanken über das Gewicht meiner Ausrüstung, das wechselnde Licht, die Entfernung meiner Motive oder darüber zu machen, wie schnell sie verschwinden können.

Und vielleicht ist das die beste Art von Gepäck, die man tragen kann: die Art, die zu deiner Geschichte beiträgt, ohne dein Gewicht zu erhöhen.

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