nordlichter über einer vereisten landschaft

Jagd auf die Nordlichter

Stefan Liebermann

Als Landschaftsfotograf mit dem Schwerpunkt Astrofotografie bevorzuge ich Objektive mit großen Blenden, um bei Nacht möglichst viel Licht einzufangen. Häufig bedeutet das aber große und schwere Objektive, die auf Reisen alles andere als praktisch sind.

Deshalb war ich sehr interessiert, als ich vom neuen FE 16mm f/1.8 G hörte – einem extrem schnellen Weitwinkelobjektiv, das nur knapp über 300 g wiegt. Um das zu verdeutlichen, habe ich einmal meine bisherigen Astroobjektive danebengelegt: das FE 14mm f/1.8 GM und das FE 24mm f/1.4 GM. Die bereits recht kleinen und leichten Objektive wirken im Vergleich riesig und sind etwa 50 % schwerer. Das macht das FE 16mm f/1.8 G zum derzeit leichtesten und kleinsten Objektiv auf dem Markt der Astrofotografie.

3 sony objektive nebeneinander

Ich wollte dieses Objektiv unbedingt ausgiebig testen und die Jagd nach den magischen Nordlichtern im Winter ist eine der besten Möglichkeiten dazu. Also machte ich mich für eine Woche auf nach Island. Bei der Landung wurde ich von stürmischem Wetter begrüßt – typisch für den arktischen Winter. Mein erstes Ziel, unabhängig vom Wetter, waren Wasserfälle. Am Brúarfoss-Wasserfall herrschte leichter Schneeregen, der für das feuchtigkeitsgeschützte Objektiv kein Problem darstellte. Dank des Ultraweitwinkels von 16 mm ließ sich der Wasserfall zusammen mit seinem azurblauen Flussbett mühelos einfangen. Mit längeren Belichtungszeiten zwischen 0,1 und 1 Sekunde lassen sich interessante Fließeffekte erzielen. Idealerweise kommen ND-Filter zum Einsatz, um diese Belichtungszeiten tagsüber zu realisieren. Im Vergleich zum FE 14mm f/1.8 GM lassen sich problemlos Einschraubfilter über das integrierte 67-mm-Filtergewinde an der Vorderseite des Objektivs anbringen. Da mein Aufenthalt in Island jedoch eine sehr spontane Sache war, hatte ich keine 67-mm-Filter dabei und musste improvisieren. Mit der kleinsten Blende von f/22 und ISO 50 gelang mir die gewünschte Belichtungszeit von 1/5 Sek. aber auch ohne Filter. Obwohl sich Beugungseffekte bei f/22 negativ auf die Schärfe auswirken können, war ich sehr zufrieden mit der Schärfe des gesamten Fotos und konnte das Fließen des Wassers auf beeindruckende Weise einfangen. Genau so sollte ein Objektiv funktionieren, denn als Landschaftsfotograf muss man oft improvisieren.

bruarfoss-wasserfall in island © Stefan Liebermann | Sony α7 IV + FE 16mm f/1.8 G | 1/5s @ f/22, ISO 50

Der nächste Halt war der berühmte Skógafoss-Wasserfall. Alle Hoffnungen auf Bilder der Nordlichter wurden durch den vorherrschenden Sturm schnell zunichte gemacht. Also beschloss ich, die Nacht unweit des Wasserfalls zu verbringen, um die Szenerie am nächsten Morgen zu fotografieren. In der Nacht schneite es, so dass ich die Landschaft mit einer Schicht frisch gefallenem Schnee festhalten konnte. Ich war überrascht von den minimalen geometrischen Verzerrungen, die für Ultraweitwinkelobjektive eher untypisch sind. Aufgrund des geringen Fokussierabstands von 13 cm spielte ich ein wenig mit dem Fokus herum und konnte kaum Focus Breathing (Änderung des Sichtfelds beim Ändern der Fokuseinstellung) feststellen. Das ist ideal zum Focus Stacking in der Landschaftsfotografie. Hier habe ich das mit der Alpha 7R V gemacht, die automatisches Focus Stacking als Bildmodus unterstützt. Eisstrukturen im Vordergrund und der schneebedeckte Wasserfall im Hintergrund.

skogafoss-wasserfall in island in der morgendämmerung © Stefan Liebermann | Sony α7R V + FE 16mm f/1.8 G | 1s @ f/22, ISO 64
sony alpha kamera in verschneiter szenerie © Stefan Liebermann

Die Wetterprognosen für die nächste Nacht im Südosten des Landes waren vielversprechend. Mein Ziel war der Vestrahorn, ein markanter Berg im Süden Islands. Am Abend erreichte ich die Region und kundschaftete sie aus. Die Bedingungen waren perfekt: frisch gefallener Schnee auf einem wunderschönen Berg, der von Norden aus mit dem davor liegenden Strand fotografiert werden kann. Nach Sonnenuntergang klarte der Himmel auf und der Wind, der in dieser Region normalerweise sehr stark ist, ließ überraschenderweise nach. Nach dem Abendessen im Camper begann die große Show am Himmel. Normalerweise sind die Nordlichter nur für kurze Zeit zu sehen, also musste ich mich beeilen. Ich schnappte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg zum Strand. Unterwegs machte ich einen kurzen Halt inmitten der verschneiten Landschaft. Die Nordlichter erstreckten sich über den ganzen Himmel, so dass ich beschloss, eine Panoramaaufnahme zu machen. Da sich die Nordlichter dynamisch bewegen, müssen die einzelnen Fotos dabei sehr schnell geschossen werden. Je kürzer die Brennweite, desto weniger Einzelfotos werden benötigt und je größer die Blende, desto kürzer die Belichtungszeit – ideale Bedingungen für das Objektiv. Ich positionierte mich selbst mit einer Stirnlampe auf einem einzelnen Foto, das sich mithilfe des integrierten 10-Sekunden-Selbstauslösers kinderleicht aufnehmen ließ.

mann im roten mantel in einer verschneiten landschaft unter den nordlichtern © Stefan Liebermann | Sony α7 IV + FE 16mm f/1.8 G | 5s @ f/1.8, ISO 4000

Ich durfte keine Zeit verlieren, also lief ich weiter in Richtung Strand. Und dort zeigte sich das wahre Potenzial des Objektivs. Ich versuchte, die Nordlichter über dem Vestrahorn zu fotografieren, die sich auf der dünnen Wasserschicht der zurückfließenden Wellen spiegelten – und das alles bei sehr dunklen Bedingungen ... Das klingt kompliziert, und genau das ist es auch! Kurze Belichtungszeiten waren nun sehr wichtig, um nicht von der nächsten Welle getroffen zu werden. Mit f/1.8 und ISO 4000 gelang mir innerhalb von 4 Sekunden ein gut belichtetes Foto. Und wow, es ist gelungen! Die reflektierten Nordlichter zusammen mit dem Vestrahorn. Was für ein atemberaubender Moment.

die nordlichter über dem berg vestrahorn in island © Stefan Liebermann | Sony α7R V + FE 16mm f/1.8 G | 4s @ f/1.8, ISO 4000

Nun versuchte ich es auf die Spitze zu treiben und komplette Panoramaaufnahmen während einer zurückkehrenden Welle zu machen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, bei minus 10 °C von Welle zu Welle zu sprinten und immer schneller zu werden. Nasse und durchgefrorene Füße waren vorprogrammiert. Umso wichtiger ist es, dass das Objektiv klein und kompakt ist, weil man beim Weglaufen schnell agieren muss. Mit diesem Objektiv war das aber kein Problem. Dank des Weitwinkels von 16 mm und der weit geöffneten Blende von f/1.8 gelangen mir Panoramaaufnahmen mit Reflexionen am Strand. Ehrlich gesagt bin ich vom Ergebnis begeistert. Bei Blende f/1.8 ist die Schärfe sehr gut und Koma und Vignettierung in den Ecken sind äußerst gering. Aber schauen Sie sich die Fotos doch selbst an!

panoramaaufnahme des berges vestrahorn unter den nordlichtern © Stefan Liebermann | Sony α7R V + FE 16mm f/1.8 G | 4s @ f/1.8, ISO 3200

Als ich kein Gefühl mehr in den Fingern hatte und eine kurze Pause brauchte, habe ich die Kamera einfach auf den Himmel gerichtet und mit der Intervallaufnahmefunktion so viele Einzelaufnahmen wie möglich gemacht. In der Nachbearbeitung lässt sich daraus ein Zeitraffer erstellen. Darüber hinaus konnte die Kamera einen fantastischen Nordlicht-Substorm einfangen. Die Belichtungszeit war auf nur 2 Sekunden eingestellt, um ein Verwackeln der sich schnell bewegenden Nordlichter zu vermeiden. Große Blenden (f/1.8) sind dabei unverzichtbar, da man sonst mit sehr hohen ISO-Werten arbeiten müsste.

nordlichter über einer vereisten landschaft © Stefan Liebermann | Sony α7R V + FE 16mm f/1.8 G | 2s @ f/1.8, ISO 2000

Sobald meine Finger wieder aufgewärmt waren, machte ich mit den Panoramaaufnahmen weiter! Nach etwa zwei Stunden war der Zauber leider vorbei. Bei Sonnenaufgang fotografierte ich den Vestrahorn noch einmal im ersten Licht des Tages. Und auch dabei leistete das Objektiv bei f/13 hervorragende Arbeit.

berg vestrahorn in der morgendämmerung © Stefan Liebermann | Sony α7 IV + FE 16mm f/1.8 G | 1/60s @ f/13, ISO 100

Auf dem Rückweg machte ich Halt am weltberühmten Diamond Beach, um im herrlichen Licht die „Eisberge“ des Vatnajökull-Gletschers zu fotografieren. All das funktionierte mit Einzelaufnahmen. Und erneut war ich von den Ergebnissen beeindruckt.

mini-eisberg am diamond beach in island © Stefan Liebermann | Sony α7 IV + FE 16mm f/1.8 G | 1/6s @ f/22, ISO 80

Danach fegten heftige Stürme mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 km/h über Island hinweg, sodass ans Fotografieren nicht mehr zu denken war und ich mich freute, dass ich diesen klaren Himmel noch einfangen konnte. In der letzten Nacht auf dem Weg zum Flughafen blickte ich aus dem Autofenster und sah die Nordlichter zwischen den Wolkenlücken. In der Nähe von Reykjavík suchte ich mir eine geeignete Stelle zum fotografieren und fand ein Haus mit einem Teich davor. Hier hatte ich erneut das Glück, mit dem Objektiv die wunderschönen, sich spiegelnden Nordlichter einzufangen – und, wie bereits erwartet, mit einer großartigen Bildleistung selbst bei f/1.8.

nordlichter über einem kleinen haus © Stefan Liebermann | Sony α7 IV + FE 16mm f/1.8 G | 4s @ f/1.8, ISO 1600

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ich habe die Arbeit mit dem FE 16mm f/1.8 G in vollen Zügen genossen. In meinen Augen ist es ein großartiges Objektiv – ultraleicht und kompakt, und die sehr weite Blende, wie auch das Filtergewinde machen es zu einem hervorragenden Objektiv für die Astrofotografie und die klassische Landschaftsfotografie. Es wird immer einen Platz in meiner Kameratasche haben.

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Stefan Liebermann | Germany

„Es ist eine ganz besondere Art der Fotografie: für das menschliche Auge nicht sichtbar und dennoch real.“

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