2 kinder spielen in einem holzboot im wald

Ein Ort der Heilung

Andrea Frazzetta

Im Jahr 2021, als die Welt noch immer von den Covid-Lockdowns geprägt war, fiel Dokumentarfotograf Andrea Frazzetta bei einem Ausflug mit seinem Sohn in den Park etwas Merkwürdiges auf. „Die ersten paar Male hatte mein Kind Angst“, erzählt er. „Die Umgebung war für ihn fremd und beängstigend. Da wurde mir klar, dass er sein bisheriges Leben hauptsächlich innerhalb von vier Wänden verbracht hatte. Und obwohl meine Erfahrung offensichtlich eine andere war, verspürte ich ein ähnliches Bedürfnis, das Trauma und den Verlust des Jahres, das hinter uns lag, abzuschütteln.“

kind mit rotem rucksack im wald Caption: © Andrea Frazzetta | Sony α7R IV + FE 16-35mm f/2.8 GM | 1/200s @ f/4.5, ISO 200

Als Vater wusste Andrea, dass er etwas tun musste. Er musste seinem Sohn helfen, sich mit der Natur zu verbinden und hoffentlich selbst Freude in ihr zu finden. Glücklicherweise gelang ihm das relativ schnell – und Andrea bekam die Gelegenheit, seine fotografischen Fähigkeiten für etwas Schönes zum Einsatz zu bringen. „Alle Schulen waren noch geschlossen, also begannen wir, über eine Alternative nachzudenken“, erinnert er sich. „Wir stießen auf das Konzept des ‚natürlichen Lernens‘ – Vorschulen, die Kinder dazu ermutigen, in der freien Natur statt im Klassenzimmer zu lernen. Mein Sohn besuchte eine davon im Umland von Mailand – und ich war sofort von allem begeistert: wie die Kinder sich in der Natur bewegten, ihren Erfahrungen und der visuellen Wirkung des Ganzen.“

gruppe von kindern beobachtet kühe beim fressen © Andrea Frazzetta | Sony α7R IV + FE 16-35mm f/2.8 GM | 1/800s @ f/2.8, ISO 100

Nur wenige Monate nach der schwierigen Aufgabe, erschöpfte Ärzte und Pflegekräfte auf einer Covid-Station in Bergamo zu fotografieren, befand sich Andrea also an einem völlig anderen Ort – körperlich und emotional. Auch wenn das Projekt eine Abkehr von seinen üblichen Motiven darstellte, war der Wunsch, eine Geschichte zu erzählen, noch genauso vorhanden wie seine Fähigkeiten, dies umzusetzen.

„Als Dokumentarfotograf erschienen mir die Schulen als eine großartige Chance“, erklärt er, „und als etwas, von dem viele Kinder profitieren könnten, wenn ich sie durch meine Bilder bekannter mache. Schon vor Covid haben wir alle viel zu viel Zeit drinnen verbracht – sei es in Häusern, Klassenzimmern oder Büros.

gruppe von kindern klettert auf einen hügel © Andrea Frazzetta | Sony α7 III + FE 16-35mm f/2.8 GM | 1/250s @ f/4.0, ISO 800

Angefangen mit der Outdoor-Schule seines Sohnes in Mailand verbrachte er die nächsten drei Monate damit, sechs verschiedene „Naturvorschulen“ zu fotografieren, in denen er jeweils zwischen einer Woche und zehn Tagen arbeitete. „Solche Schulen gibt es in ganz Italien. Einige befinden sich auf dem Land außerhalb der Städte, andere in den Bergen oder an der Küste. Es war toll, sie kennenlernen zu dürfen.“

Um die Geschichte dieser Orte gut erzählen zu können, bedurfte es Andrea zufolge einer Mischung aus praktischen Fertigkeiten, den technischen Eigenschaften seiner Alpha Kameras und allem voran Zeit. „Wenn ich für Magazine oder Zeitungen arbeite, ist der Auftrag normalerweise recht kurz“, erklärt er. „Doch für dieses Projekt erhielt ich eine Förderung der National Geographic Society, die Fotografen bei der Arbeit in ihren eigenen Gemeinden unterstützt. Weil mir so mehr Zeit zur Verfügung stand, konnte ich in jeden Ort richtig eintauchen und sogar den Stil der Bilder, die ich gemacht habe, verändern.“

kind hält einen marienkäfer in der hand © Andrea Frazzetta | Sony α7R III + FE 50mm f/1.4 ZA | 1/3200s @ f/1.4, ISO 200

Seine Sony Alpha 7R III und 7R IV haben Andrea auf unterschiedliche Weise dabei geholfen. „Genau wie bei meiner regulären Arbeit habe ich zwei Kameras verwendet, um das Objektiv nicht wechseln zu müssen“, sagt er. „Es ist also sehr von Vorteil, dass sie klein und leicht sind. Außerdem habe ich die meisten Aufnahmen mithilfe des Bildschirms gemacht und ihn ausgeklappt, sodass ich auf Hüfthöhe oder niedriger fotografieren konnte. Dadurch bin ich auf Augenhöhe mit den Kindern gewesen und es sah auch nicht so aus, als würde ich ein Foto machen. Wenn man sich eine Kamera vor die Augen hält, reagieren die Leute – auch Kinder – ganz anders.“

Auch dass die Alpha 7R Kameras lautlos fotografieren und schnell fokussieren können, war für Andrea von entscheidender Bedeutung. „Der geräuschlose Verschluss ist für dokumentarische Arbeiten revolutionär, denn er bietet eine weitere Möglichkeit, völlig frei zu arbeiten und die Realität zu zeigen. Außerdem ist der Autofokus der Kamera einfach großartig. Ja, ich hatte mehr Zeit als sonst, doch das bedeutet nicht, dass ich flüchtige Momente verpassen darf. Selbst mit schnellen Objektiven wie dem FE 50mm f/1.4 ZA war der perfekte Fokus immer in Sekundenbruchteilen gefunden.“

kind hält einen kleinen vogel © Andrea Frazzetta | Sony α7R III + FE 50mm f/1.4 ZA | 1/640s @ f/2.0, ISO 125

„Interessanterweise konnte ich in den Wochen, in denen ich die Kinder in der Natur beobachtet habe, feststellen, dass sie viel konzentrierter sind als in einem Klassenzimmer“, so Andrea. „Es scheint zwar widersprüchlich, doch sie sind ruhiger. Wir müssen also wirklich über die Art und Weise nachdenken, wie wir unsere Kinder unterrichten. Es gibt eindeutig einen besseren Weg.“

gruppe von kindern sitzt im kreis am strand © Andrea Frazzetta | Sony α7R IV + FE 16-35mm f/2.8 GM | 1/640s @ f/5.0, ISO 100

Auch bei sich selbst stellte er Veränderungen fest. „Ich habe die Aufnahmefrequenz heruntergeschraubt und kontemplativer gearbeitet. Ich denke, das zeigt sich auch in den Bildern. Sie unterscheiden sich von den Aufnahmen, die ich normalerweise mache – sie sind viel sanfter und feiner, was meiner Meinung nach die natürliche Umgebung widerspiegelt.“

„Ich glaube, viele von uns haben während der Pandemie darüber nachgedacht, ihr Leben zu ändern“, meint er abschließend. „Doch wie viele haben es wirklich geschafft? Der Kontakt mit der Natur war eine große Chance für mich. Ich hatte das Gefühl, Glück zu haben: Glück, am Leben zu sein, Glück, diese Kinder dabei beobachten zu dürfen, wie sie die Natur erobern, und Glück, wieder als Fotograf arbeiten zu können.“

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