Insekten bewegen sich nur langsam
Wie für die Landschaftsfotografie sind die Bedingungen bei Sonnenaufgang auch für die Makrofotografie von Insekten ideal. Mit den ersten Sonnenstrahlen suchen sich die Insekten einen sonnigen Platz, um Wärme zu tanken. Bis sie sich aufgewärmt haben, bewegen sie sich nur langsam und reagieren träge, sodass Sie sich ihnen ungestört nähern können.
© Petar Sabol | Sony α7R V + FE 70-200mm f/4 Macro G OSS II + 2x Teleconverter | 1/5s @ f/10, ISO 250
Wahl des Objektivs und minimaler Fokusabstand
Die E-Mount-Serie von Sony bietet einige hervorragende Makroobjektive, darunter das Spitzenmodell FE 90mm f/2.8 Macro G OSS mit einem minimalen Fokusabstand von 28 cm. Beachten Sie jedoch, dass der minimale Fokusabstand vom Sensor zum Motiv gemessen wird, d. h. der tatsächliche Arbeitsabstand wird vom Ende des Objektivs bis zum nächstgelegenen Fokuspunkt gemessen. Bei dem 90mm f/2.8 Objektiv entspricht dies etwa 13 cm. Um Motive wie z. B. Insekten nicht zu verscheuchen, sollte ein angemessener Abstand zu ihnen eingehalten werden. Für die Makrofotografie von Insekten empfiehlt sich daher ein größerer Abstand.
Eine Alternative bietet das FE 50mm f/2.8 Makroobjektiv mit einem minimalen Fokusabstand von 16 cm und einem Arbeitsabstand von knapp 8 cm. Unter den Sony Kameras mit APS-C-Sensor ist das sehr preisgünstige Makroobjektiv E 30mm f/3.5 eine gute Wahl. Es ermöglicht Makroaufnahmen im Maßstab 1:1 bei einem minimalen Fokusabstand von 9,5 cm, was einem Arbeitsabstand von etwa 3 cm entspricht – ideal für Motive wie Blumen. Mit dem FE 70-200mm f/4 Macro G OSS II lässt sich dank der längeren Brennweite ein größerer Arbeitsabstand erzielen. In Kombination mit einem 2-fach-Telekonverter erreicht es bei 400 mm einen Abbildungsmaßstab von 1:1.
APS-C-Sensor und Zuschnitt
Denken Sie daran, dass Sie Vollformat-FE-Objektive auch mit APS-C-Kameras wie der Alpha 6700 verwenden können, um vom 1,5-fachen Bildwinkel zu profitieren und noch näher an Ihr Motiv heranzukommen. Wenn Sie eine Vollformatkamera wie die Alpha 7 IV besitzen, können Sie im APS-C-Modus das Bild direkt in der Kamera zuschneiden und ausrichten.
Fokusbegrenzung
Die FE-Makroobjektive von Sony verfügen über einen Fokusbegrenzungsschalter, der den Fokusbereich des Objektivs auf die kürzeste Entfernung zur Kamera begrenzt. Diese Begrenzung kann verhindern, dass die Kamera auf ein weit entferntes Motiv fokussiert, wodurch die Scharfstellung schneller erfolgt. Besonders nützlich ist dies, wenn Sie ein bestimmtes Motiv, wie beispielsweise eine einzelne Blume, scharfstellen möchten, da verhindert wird, dass das Objektiv auf den entfernten Hintergrund fokussiert, wenn sich die Blume bei einem Windstoß bewegt.
Kontinuierlicher Autofokus und Bewegungen des Motivs
Kleine Bewegungen können beim Fokussieren mit einem Makroobjektiv eine große Rolle spielen. Idealerweise verwenden Sie ein Stativ, um die Kamera ruhig zu halten, aber Ihr Motiv kann sich trotzdem bewegen. Wenn Sie Pflanzen oder ein Insekt auf einer Pflanze fotografieren, warten Sie, bis sich der Wind gelegt hat. Empfehlenswert ist auch die kontinuierliche Scharfeinstellung mit Motivverfolgung, bei der sich Kamera und Objektiv kontinuierlich an selbst kleinste Bewegungen anpassen und das Motiv im Fokus halten.
Fokussiertipps
Mit der Touch-Fokus-Funktion auf dem rückseitigen Bildschirm lässt sich der Fokusbereich schnell und einfach festlegen. Wenn Sie jedoch Pollen oder einen bestimmten Teil eines Insekts fotografieren möchten, aktivieren Sie die Fokusvergrößerung. Wenn Sie diesen auf eine benutzerdefinierte Taste legen, können Sie sofort mit höchster Präzision manuell fokussieren.
© Petar Sabol | Sony α7R V + FE 70-200mm f/4 Macro G OSS II + 2x Teleconverter | 1/15s @ f/13, ISO 400
Fokusreihen
In der Makrofotografie kann es selbst bei einer Blende von f/16 schwierig sein, alle gewünschten Details scharf abzubilden. Neuere Sony Kameras wie die Alpha 7R V, die Alpha 7 IV (ab Firmware 4.0) und die Alpha 6700 verfügen über eine Fokusreihen-Funktion, mit der eine Serie von Bildern mit unterschiedlichen Fokusabständen erstellt werden kann. Diese Aufnahmen lassen sich anschließend mithilfe von Drittanbieter-Software zu einem Fokus-Stack zusammenfügen. Die Fokusreihen-Funktion ist im Serienaufnahmemenü verfügbar.
Wählen Sie im Fokusreihen-Menü die Schrittweite, die bestimmt, wie stark sich der Fokus von Aufnahme zu Aufnahme ändert, sowie die Anzahl der Bilder. Im Untermenü finden Sie weitere Einstellungen, darunter die Belichtungsglättung. Wenn diese auf „Ein“ gestellt ist, passt die Kamera bei Bedarf die Belichtung jeder einzelnen Aufnahme an. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie viele Bilder über einen längeren Zeitraum aufnehmen und mit wechselnden Lichtverhältnissen rechnen müssen.
Die Farben festhalten
Der Frühling lockt mit farbenprächtigen Blumen – ein Motiv, das bei den meisten Fotografen ganz oben auf der Liste steht. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie man diese Farben am besten einfängt. Mit einem Polarisationsfilter lassen sich Reflexionen und Blendungen, insbesondere durch den frühen Morgentau, deutlich reduzieren. Durch eine leichte Unterbelichtung des Bildes können Sie alle vorhandenen Farbtöne ohne Übersättigung einfangen. Wenn Sie Ihre Bilder im RAW-Format abspeichern, können Sie die Farben später am Computer präzise bearbeiten. Wenn Sie ein Bild schnell über die Creators Cloud in den sozialen Medien teilen möchten, sollten Sie einen der kamerainternen Kreativmodi VV oder VV2 ausprobieren.
Kurzfassung