nachtszene in einem wald mit sternen am himmel

Hilfreiche Tipps: Nachtfotografie

Kaupo Kikkas

Die Nacht ist ein Werkzeug

Ich betrachte das Fotografieren bei Nacht als ein Werkzeug, dem ich mich bedienen kann. In der Dunkelheit werden die anderen Sinne aktiv: Plötzlich nimmt man Gerüche, Temperatur und Geräusche anders wahr. Man achtet auf vorhandene Lichtquellen, vielleicht einen Vollmond, der Schatten wirft, oder die Hunderte von kleinen Sternen am Himmelszelt. Diese Sinneserfahrung können Sie in Ihre Aufnahmen einfließen lassen.

lehmhütte bei nacht mit der milchstraße darüber © Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 24-70mm f/2.8 GM II | 20s @ f/5.0, ISO 2500

Malen mit Licht

Die Nacht ist eine leere Leinwand. Sie selbst wählen, was Sie beleuchten und offenbaren möchten. Ich tue dies, indem ich eine Taschenlampe benutze und mit der Szene interagiere.

Wenn man seine Kamera einfach auf ein Stativ montiert, sich dahinter stellt und die Taschenlampe einschaltet, erhält man ein sehr unschönes Bild, das aussieht, als wäre es mit dem Kamerablitz ausgeleuchtet worden. Also gehe ich mit der Taschenlampe herum und leuchte die Szene gleichmäßig aus.

baum als silhouette vor dem sternenhimmel © Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 12-24mm f/4 G | 30s @ f/4.0, ISO 3200

Grundlegende technische Details

Wenn man nachts fotografiert, muss man mit dem Mangel an Licht zurechtkommen. Ein Stativ ist unverzichtbar, um mit einer langen Belichtungszeit so viel Licht wie möglich einzufangen und gleichzeitig die Schärfe zu erhalten. Um das Licht der Sterne sichtbar zu machen, muss die Belichtungszeit lang genug sein. Allerdings kämpft man dabei auch gegen die Erdrotation, die die Sterne bei einer zu langen Belichtungszeit verschwimmen lässt.

Für die Aufnahme eines perfekten Nachthimmels gilt die Faustregel, dass die Verschlusszeit in Sekundenbruchteilen der Brennweite entsprechen muss. Eine Brennweite von 20 mm bedeutet zum Beispiel, dass die Belichtung nicht länger als 20 Sekunden dauern darf. Ich fotografiere hauptsächlich mit dem FE 12-24mm f/4 G oder dem FE 16-35 f/2.8 GM. Diese Objektive eignen sich hervorragend sowohl für nächtliche Landschaftsaufnahmen als auch für Aufnahmen am Tag.

Ich stelle meine Verschlusszeit normalerweise auf 20 bis 30 Sekunden ein, weil ich nichts dagegen habe, wenn man ein kleines bisschen Bewegung in den Sternen sieht. Bisweilen finde ich, dass dadurch die traumartige Atmosphäre in meinen Bildern verstärkt wird. Außerdem hat es praktische Gründe, denn bei diesen Verschlusszeiten habe ich mehr Zeit, die Szene auszuleuchten, und kann eine vernünftige ISO-Einstellung verwenden, zum Beispiel ISO 3200 oder 6400.

Das Schöne am Fotografieren mit der Sony Alpha 1 und der Alpha 7R IV ist, dass ich diese ISO-Empfindlichkeitseinstellungen ohne Bedenken verwenden kann, weil ich weiß, dass die Bildqualität trotzdem hervorragend sein wird.

alter knorriger baum vor einem wirbelnden sternenhimmel © Kaupo Kikkas | Sony α1 + FE 16-35mm f/2.8 GM | 1034s @ f/6.3, ISO 1250

Integrierte Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung

Ich möchte meine Bilder nicht stundenlang bearbeiten und verschiedene Software zur Rauschunterdrückung verwenden müssen. Deshalb nutze ich immer die hervorragende Rauschunterdrückungsfunktion für Langzeitbelichtungen meiner Sony Alpha Kameras (Menü > Aufnahme > Bildqualität > Langzeitbelichtung NR > Ein). Diese Funktion nimmt bei geschlossener Blende eine zweite Belichtung für dieselbe Zeitspanne vor, um Hotpixel auf dem Sensor zu erkennen, berechnet den Grad des Bildrauschens und subtrahiert ihn dann vom ursprünglichen Bild.

nachtszene in einer wüste mit orangefarbenem himmel © Kaupo Kikkas | Sony α1 + FE 16-35mm f/2.8 GM | 30s @ f/4.5, ISO 3200

Eine hochwertige Lichtquelle verwenden

Eine leistungsstarke LED-Taschenlampe macht nur einen Teil des Erfolgs aus. Auch die Temperatur des Lichts spielt eine wesentliche Rolle. Für mich sieht die Milchstraße bei einer Farbtemperatur von etwa 3.500 Kelvin immer am besten aus. Darum achte ich darauf, dass die Farbe meiner Lichtquelle diesem Wert nahe kommt. Tut man das nicht, kann die Landschaft vor dem Nachthimmel zu warm oder zu kalt aussehen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Farbwiedergabeindex, der CRI (Colour Rendition Index). Dieser misst, wie gut das Licht die Farbwellenlängen im Vergleich zum Tageslicht wiedergibt. Ein minderwertiges Licht kann oft sonderbare Farben erzeugen. Wählen Sie eine Taschenlampe mit einem hohen CRI von ca. 97 % und Sie werden in der Szene einen großen Unterschied bei den Farbdetails feststellen.

frau mit geige bei nacht mit der milchstraße darüber © Kaupo Kikkas | Sony α7R IV + FE 12-24mm f/4 G | 1/13s @ f/4.0, ISO 5000

Fokussierung

Um möglichst viel vom Vordergrund scharf abzubilden, dürfen Sie den Fokus nicht ganz auf unendlich stellen. Stellen Sie ihn stattdessen manuell ein und behalten Sie die Fokusanzeige im Auge. Fokussieren Sie das Objektiv so, dass die Anzeige angibt, dass Sie die Unendlichkeitsgrenze erreicht haben, ohne dabei den maximalen Fokusabstand zu erreichen.

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