Genau wie viele andere Fotografen erlernte auch António Morais sein Handwerk von seinem Vater. „Es war in den 1990er-Jahren und die Filmfotografie erlebte gerade ihren Höhepunkt“, erinnert sich António. „Ich lernte den Umgang mit einer Kamera und fotografierte auf Film. Deshalb bevorzuge ich bei meiner heutigen Arbeit Farbstile, die der Optik von Positiv- bzw. Negativfilmmaterial ähneln.“
Der Einfluss von Farbe, Kontrast und Sättigung eines Films kommt in Antónios Videoarbeiten deutlich zum Ausdruck. Dennoch spielt die Kunst, mit der er einst das Fotografieren erlernte, in seinem kreativen Schaffensprozess nach wie vor eine entscheidende Rolle. „Ich trage jeden Tag eine Sony Alpha 7R V bei mir und verwende sie wie ein Notizbuch. Wenn mir etwas ins Auge fällt – der Ort, das Licht an diesem bestimmten Ort oder einfach die Stimmung des Ortes – mache ich ein Foto.“
Für genügend Inspiration reist António gerne um die Welt. Kulturelle und historische Kontraste bieten ihm oft die nötige Abwechslung, um sich inspirieren zu lassen. Einer dieser Orte, die er kürzlich bereiste, ist Macau. „Dort herrscht ein enormer Kontrast zwischen dem portugiesischen/chinesischen Vermächtnis“, sagt er über die Region, „und dann diesen futuristischen Komplexen voller Casinos in dieser autonomen Region Chinas. Ich liebe es, solche Kontraste auf einem Bild oder in einer Bilderserie einzufangen.“
António erkundet die Gebiete mit seiner Sony Alpha 7R V oder, wenn es einmal nur leichtes Gepäck sein soll, mit der Sony Alpha 7C II. „In der Regel begleiten mich auf meinen Reisen das FE 35mm f/1.4 GM und das FE 85mm f/1.4 GM. Vor Kurzem habe ich das FE 28-70mm f/2 GM verwendet, ein großartiges Objektiv – wenn ich aber nur wenig und leichtere Ausrüstung mitnehmen kann, dann bevorzuge ich entweder das FE 24-50mm f/2.8 G Zoomobjektiv oder das FE 70-200mm f/4 Macro G OSS II.“
António verwendet die kamerainternen Kreativen Looks, um den Film-Look zu replizieren. Er probiert verschiedene Looks aus, um zu sehen, wie sie das Motiv verändern. „Die Kreativen Looks helfen mir, Verbindungen zwischen Stimmung, Licht, Schatten, Objekten und Orten zu finden. Während ich mich inspirieren lasse, experimentiere ich gerne mit mehreren Looks.“
Es gibt vier Kreative Looks, die António regelmäßig verwendet: FL (Film Look), VV (Vivid), VV2 (Vivid 2) und BW (Black & White).
„Ich nutze FL für Situationen, in denen ich die Handlung hervorheben möchte, die ein bestimmter Charakter ausführt, beispielsweise bei der Straßenfotografie. Dazu verringert FL die Farbsättigung und verstärkt die Konturen mithilfe eines hohen Kontrastverhältnisses und hoher Schärfe. VV und VV2 sind recht ähnlich, was die Sättigung anbelangt; der größte Unterschied liegt in der Funktion der Belichtungskurve. VV sorgt tendenziell für eine dunklere Belichtungskurve mit weniger Kontrast, und VV2 schafft eine hellere Belichtungskurve mit schärferem Kontrast. Ich verwende VV für Naturaufnahmen und natürliche Landschaften, VV2 für Stadtsilhouetten und für Stadtmotive, bei denen ich die Farbe und Form von Gebäuden oder Objekten hervorheben möchte.“
Bleibt nur noch BW: Diesen Look nutzt António, um die Farbe eines Bildes zu eliminieren und die Objekte und Strukturen hervorzuheben, wodurch es dramatischer wird. Ein Kreativer Look spielt bei seiner Arbeit eine wichtigere Rolle als alle anderen, und dabei handelt es sich natürlich um FL. „Ich liebe den düsteren, grobkörnigen, kontrastreichen und ausdrucksstarken Look, den er den Bildern verleiht“, meint António. „Die Art und Weise, wie die Hauttöne in den Highlights goldener/wärmer und die Blautöne weniger gesättigt mit einem leichten Hauch von Cyan erscheinen, erinnert mich stark an den Look einiger meiner Lieblingsnegativfilme.“
Direkt in der Kamera können einige Einstellungen jedes Stils angepasst werden, und manchmal experimentiert António mit den Kontrast- und Sättigungseinstellungen. Später bei der Nachbearbeitung der Bilder soll dann der kamerainterne Look noch verstärkt werden. „Ich neige dazu, Glanzlichter, Schatten, Verblassen, Sättigung und Schärfe anzupassen, um den direkt mit der Kamera kreierten Look zu intensivieren.“
Ein Bild, das António während seines Besuchs in Macau gemacht hat, verkörpert seinen Stil mehr als jedes andere – das Foto einer Frau, die die Pflanzen in ihrem Garten gießt. Für das Foto wurde der Kreative Look VV2 verwendet, denn António wollte alle Farben des Motivs hervorheben. „Ich wollte eine gute Farbabgrenzung zwischen Hinter- und Vordergrund garantieren“, erklärt er. „Die Perspektive des Bildes wirkt, als würde sie die Stadtsilhouette gießen. Sie ist größer als die Stadt, wie eine Göttin, die die Stadt überragt.“
Das sind die Geschichten, die António in seinen Bildern mag. „Ich möchte in meinen Bildern mit unterschwelligen Bedeutungen spielen. In einer Stadt, in der die Luftfeuchtigkeit einen Großteil des Jahres recht hoch ist, scheint dieses Foto eine mögliche Erklärung dafür zu liefern.“
„Beim Erzählen von Geschichten ist das Licht meine Muse und der Zufall mein wichtigster Verbündeter.“