der mond zwischen zwei türmen eines alten gebäudes

Mondsüchtig

Albert Dros

Jedes Mal, wenn Albert Dros eine seiner Landschaftsaufnahmen des Mondes teilt, bekommt er Kommentare wie „Das ist nicht echt!“. „Der Mond ist nie im Leben so groß!“, hallt es ihm stets entgegen, doch Albert hat die Rohdateien seiner Sony α 7R V als Beweis für das Gegenteil. „Alle Bilder sind mit nur einer Belichtung aufgenommen – kein Focus Stacking, keine Belichtungsreihe, nichts dergleichen. Die Leute denken immer, dass diese Bilder nicht echt sein können, und dass der Mond nicht so groß ist; aber das liegt daran, dass die meisten Menschen noch nie durch ein 600-mm- oder 800-mm-Objektiv geschaut haben“, sagt Albert.

gelber mond über einer kirche © Albert Dros | Sony α7R V + FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS | 1.6s @ f/14, ISO 640

Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie ein Teleobjektiv einen sogenannten „Komprimierungseffekt“ erzeugen kann, bei dem weit entfernte Objekte näher beieinander erscheinen können. Aus eben diesem Grund wirkt der Mond auf Bildern vor einem Motiv, wie etwa einem Gebäude, das wir in der Regel aus deutlich größerer Nähe sehen, so groß. Genau das ist der Schlüssel zu diesen Bildern. „Bei einigen dieser Aufnahmen stand ich etwa 3 km vom Gebäude entfernt“, verrät Albert. „Auf drei Kilometer Entfernung kommt es aufgrund der Feuchtigkeit zu atmosphärischen Verzerrungen. Wenn ich aus etwa zwei Kilometern Entfernung fotografiere, bleibt alles scharf.“

vollmond direkt über einem kirchturm © Albert Dros | Sony α7R V + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS | 1/8s @ f/9.0, ISO 1600

Um diese außergewöhnlichen Aufnahmen festzuhalten, hat Albert früher das FE 100-400 mm f/4.5-5.6 GM OSS Objektiv verwendet, oft in Kombination mit dem Sony 2x Telekonverter – doch in letzter Zeit nutzt er das Sony FE 400-800 mm f/6.3-8 G OSS Objektiv. „Dieses Objektiv eignet sich hervorragend für Mondaufnahmen. Die meisten Leute gehen davon aus, dass man bei Dunkelheit ein lichtstarkes Objektiv braucht. Aber das Gegenteil ist der Fall: Der Mond ist so hell, dass man überhaupt kein lichtstarkes Objektiv braucht. Tatsächlich verwende ich oft f/11 oder f/14. Auch bei 800 mm möchte ich, dass sowohl das Gebäude als auch der Mond scharf sind, daher ist eine kleinere Blende besser geeignet.“

der mond halb versteckt hinter einem uhrenturm © Albert Dros | Sony α7R V + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS | 1/4s @ f/20, ISO 640

Albert montiert das 400-800-mm-Objektiv auf seine Sony α 7R V oder Sony α 1 II, stellt sie auf ein Stativ und verwendet den geräuschlosen Verschluss und eine Fernbedienung, um alles perfekt zu stabilisieren, was bei so langen Brennweiten unerlässlich ist. „Normalerweise bevorzuge ich die α 7R V, weil sie eine höhere Auflösung bietet. So kann ich mit dem 800-mm-Objektiv aus großer Entfernung fotografieren und bei Bedarf immer noch ein Stück weiter hineinzoomen. Viele Leute würden nie auf die Idee kommen, dieses Objektiv zum Fotografieren des Mondes zu verwenden, weil sie es eher mit Wildtierfotografie assoziieren. Aber etwas wie das FE 600 mm f/4 GM OSS, vielleicht noch in Kombination mit einem Telekonverter, ist schwerer, deutlich teurer, und erzeugt aufgrund des Einflusses der Atmosphäre nicht einmal bessere Bilder.“ Obwohl man jeden Monat eine Chance hat, den Vollmond zu fotografieren, gibt es hier keinen Raum für Spontanität. Jede Aufnahme wird akribisch geplant – viele sogar bis zu einem Jahr im Voraus. „Ich sollte dazu sagen, dass jedem dieser Bilder mehrere gescheiterte Versuche vorausgingen. Wolken, Nebel auf falscher Höhe, nicht ganz korrekte Ausrichtungen, Gebäude im Weg … In jedem Versuch steckt viel Arbeit, und manchmal klappt es, manchmal klappt es nicht“, erklärt Albert.

orangefarbener mond neben einer windmühle © Albert Dros | Sony α7R V + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS | 1/4s @ f/14, ISO 640

„Ich habe viele Aufnahmen im Kopf und trage sie manchmal sogar ein Jahr im Voraus in meinen Kalender ein. Ich verbringe Stunden damit, im Internet zu recherchieren – was sind die guten Windmühlen, die guten Kirchtürme, wo finde ich sie? Und es müssen Objekte sein, die man von weitem sehen kann, am besten mit offener Landschaft dazwischen. Ich schaue mir oft Google Street View an, um einen Eindruck von der Umgebung zu bekommen. Danach benutze ich eine spezielle App, um mir den genauen Winkel anzusehen und herauszufinden, wo die Sonne und der Mond an einem bestimmten Tag bei Vollmond untergehen. Einmal habe ich eine Aufnahme von einem Turm gemacht, den ich fotografieren wollte – und es hat nicht richtig geklappt. Die nächste Gelegenheit bot sich erst ein Jahr später. Manchmal muss man sehr lange warten.“

еin riesiger roter mond über einer beleuchteten turmspitze © Albert Dros | Sony α7R V + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS | 1.3s @ f/8.0, ISO 4000

Damit das Gebäude in der Aufnahme gut beleuchtet ist, fotografiert Albert in der Zeit um Sonnenauf- und -untergang, wenn der Mond tief am Himmel steht. „Man braucht etwas Umgebungslicht, damit man die Aufnahme mit einer einzigen Belichtung machen kann. Menschen machen oft Fotos vom Mond, auf denen er sehr hell und die Landschaft dunkel ist. Das liegt daran, dass sie ihn bei Nacht aufnehmen, während er hoch am Himmel steht. Man muss ihn erwischen, wenn er tief am Horizont und voll ist – und dann muss man ihn am Sonnenauf- oder -untergang ausrichten.“

mond in leichter sonnenfinsternis über einem kirchturm © Albert Dros | Sony α7R V + FE 400-800mm f/6.3-8 G OSS | 1s @ f/13, ISO 2000

Die Sensoren von Sony in der α 7R V und der α 1 II erlauben es Albert, den Dynamikumfang der Kameras optimal nutzen. „Ich fotografiere oft leicht unterbelichtet, belichte für die Helligkeit des Mondes, und helle bei der Bearbeitung dann die Schatten auf. Die Kameras von Sony sind für ihren hohen Dynamikumfang bekannt, der diese Art von Aufnahmen ermöglicht. Ich nehme einige der Bilder bei ISO 2000 oder ISO 3200 auf, wo der Dynamikumfang nicht so hoch ist und das absolut Beste aus dem Sensor herausgeholt werden kann“, erklärt er. „Die Kombination aus spektakulärer Natur und von Menschenhand geschaffenen Elementen ist immer hervorragend. Sie hat etwas Besonderes an sich, wie ein Gemälde der Natur – und wir fangen es ein.“

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