Bildfokus

Brendan de Clercq | Karl

Das ist Karl – ein wunderschöner Mensch. Schauen Sie sich nur seine Augen an. Sie können ein Grund dafür gewesen sein, dass sich jemand in diese Person verliebt hat, denn sie sind ehrlich und wahrhaftig. Karl fährt keinen schnellen Sportwagen und trägt keine Maske. Das hier ist es, wer er ist. Ich war an einem kalten Tag im belgischen Antwerpen, als ich Karl sah, der gerade ein Bier trank. Mich interessierte, was für ein Mensch er wohl war. Wir kamen ins Gespräch und kurioserweise erzählte er, dass er zwar aus Holland komme, es aber einfacher für ihn sei, auf den Straßen von Antwerpen obdachlos zu sein. Er hatte sein ganzes Leben lang gearbeitet und eine schwere Jugendzeit gehabt. Als er meine Kamera sah, fragte er: ‚Willst du ein Foto von mir machen?‘ Natürlich wollte ich das, aber in einer Situation wie dieser möchte ich die andere Person auch kennenlernen. Ich möchte nicht, dass die Situation unangenehm ist, und auch keinen Vorteil daraus ziehen. Ich spreche immer mit den Motiven und lerne sie etwas kennen, wer auch immer sie sind. So würde ich es auch bei einem Studio-Porträt tun. ‚Das ist die Art zu leben, die ich gewählt habe‘, verriet Karl. Er erzählte mir, dass er in der Vergangenheit schon Wohnangebote abgelehnt hatte. Für Straßenporträts verwende ich immer meine Sony Alpha 7C II. Sie ist klein und hat den Sucher auf der linken Seite. Wenn ich also im Querformat fotografiere, kann ich mit dem rechten Auge durch die Kamera blicken, während sich mein linkes Auge auf die Szene konzentriert. In neunundneunzig von hundert Fällen fotografiere ich mit einer Kamera, die auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingestellt ist. Das ergibt einen kreativen Stil. Solche Aufnahmen versetzen mich zurück in meine Jugend, als ich die Kameras meines Vaters benutzen durfte. Er war Fotograf und Dokumentarfilmer, der immer Schwarz-Weiß-Filme nutzte. Und ich fotografiere, als würde ich wie damals einen Film zum Einlegen verwenden. Das heißt, ich mache ein Foto und bekomme eine Aufnahme. Ich verwende dabei den AF mit Augenerkennung, weil ich dadurch genau in diesem Moment sein kann, denn ich möchte diese Verbindung haben – das ist mir sehr wichtig.

porträt eines mannes mit einer bierdose © Brendan de Clercq | Sony α7C II + FE 35mm f/1.4 GM | 1/100s @ f/3.2, ISO 100

Das Sony FE 35mm F1.4 GM verwende ich immer für dokumentarische Straßenfotografien und für Straßenporträts wie dieses. Ich nutze dazu ein Objektiv mit Festbrennweite, da ich dann meinen Rahmen kenne – das Vergrößern oder Verkleinern erfolgt dann durch einen Schritt nach vorne oder hinten. Ich wollte in dieser Aufnahme eine gewisse Tiefenschärfe erzeugen, weshalb ich das Bild nicht mit F1.4 aufgenommen habe. Die Aufnahme mit F3.2 verlieh dem Hintergrund stattdessen eine gewisse Schärfe. Karl steht vor der Treppe, denn das ist der Eingang zu seinem Wohnort. Daher war es mir wichtig, diesen Kontext und diesen Hinweis auf die Stadt zu zeigen.

In ein paar Wochen werde ich nach Antwerpen zurückkehren. Ich habe vor, das Bild auszudrucken und Karl zu suchen. Ich möchte, dass er das Bild sieht und stolz ist. Stolz darauf, dass er ein Mensch ist. Das Bild fühlt sich lebendig an, und das nur wegen dieses Blicks in seinen Augen und des Augenkontakts zu mir. Man sieht, wer er ist.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Foto von ihm machen durfte.

Vorgestellte Produkte

Brendan de Clercq

Brendan de Clercq | Netherlands

„Eines Tages werde ich das perfekte Porträt aufnehmen. Eines, das Emotionen in vollen Zügen einfängt. Das ist der Grund, warum ich die Messlatte für meine Fotografie jeden Tag ein Stück höher lege.“

Für α Universe-Newsletter registrieren

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich für den α Universe-Newsletter angemeldet.

Geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Entschuldigung! Es ist etwas schief gelaufen.

Glückwunsch! Sie haben sich erfolgreich angemeldet.