„Als Betrachtungsobjekt sind Moschusochsen vielleicht nicht gerade die beliebtesten oder niedlichsten Tiere“, gibt Floris Smeets lachend zu. „Aber wenn man sie mal aus der Nähe zu sehen bekommt, stellt man fest, dass es wirklich ganz besondere Tiere sind.“
Wie kam es dazu, dass er den Moschusochsen unter derart widrigen Bedingungen fotografierte? „Die Inspiration dafür lieferten Bilder von Moschusochsen im Winter, die der Fotograf Vincent Munier aufgenommen hatte. Die sahen einfach fabelhaft aus“, erklärt Smeets. „Die Einfachheit des Schnees, wie auf diesem Bild, das ich mit meiner zuverlässigen α9 aufgenommen habe, kann Fotos von Wildtieren eine besondere Ruhe verleihen. Der Schnee befreit den Hintergrund von störenden Motiven, da die weiße Schneedecke alles überlagert.“ Smeets erläutert: „Letzten Endes waren es aber nicht die friedlichen Bilder, die mich zu den Aufnahmen bewegten. Ich habe viel Zeit da draußen verbracht, vom Tagesanbruch bis in die Abenddämmerung. Eines Tages wurde ich von einem starken Schneesturm kalt erwischt. In diesem Schneesturm habe ich dann den Moschusochsen auf besondere Weise gesehen und dieses besondere Bild aufgenommen. Ich finde es so Ehrfurcht gebietend.“
In jenem Schneesturm hat Smeets diese Tierart besser zu verstehen gelernt. „In dieser rauen und widrigen Umgebung kam ihr urzeitliches Wesen zum Ausdruck, ihre Stärke und Ausdauer“, meint Smeets. „Ich wollte dieses Gefühl und die Landschaft mit den Tieren zusammen im Bild festhalten. Unter diesen Bedingungen ist das aber natürlich nicht so einfach.“
Glücklicherweise war die Sony α Ausrüstung von Smeets der Aufgabe gewachsen, sowohl mit Blick auf die frostigen Temperaturen als auch hinsichtlich der Schwierigkeiten, die sich im Schneesturm für Belichtung und Fokussierung ergaben. Für dieses Projekt verwendete Smeets eine α9 und eine α7R III mit den Objektiven FE 400 mm F2.8 GM OSS und FE 100–400 mm F4.5–5.6 GM OSS. Warum? „Weil ein Objektivwechsel in einem Schneesturm keine gute Idee ist“, sagt er lachend.
Smeets hielt sich jeden Tag bei dem Moschusochsen auf. „Die Kameraausrüstung wird dann zwangsläufig kalt, egal wie gut sie isoliert ist“, erklärt er. „Ich bin aber so begeistert davon, wie meine α9 und meine α7R III mit diesen Bedingungen zurechtkommen. Ich habe sie bei -38 °C verwendet – und es hat alles funktioniert!“ Weiter meint er: „Diese extremen Bedingungen, bei denen viel Schnee in der Luft liegt oder Nebel aufzieht und die Sicht schlechter ist, können zu einem wahren Albtraum für den Autofokus werden. Aber mit der α9 und der α7R III blieben die Tiere stets richtig fokussiert. Ich bin ganz verblüfft: Es ist mir echt ein Rätsel, wie der Autofokus der Kamera ein Tier mitten im Schneesturm erfassen konnte!“
„Bei diesen Aufnahmen verwendete ich den AF-Nachführungsmodus der Kameras, meistens mit „Flexible Spot“-Einstellung. Ich positionierte die einzelne AF-Messzone auf dem Auge des Moschusochsen, oder auf seinem Kopf, je nach Abstand. Dann wurde die Fokussierung einfach nachgeführt, egal wie stark es schneite“, berichtet Smeets.
„Erschwerend kommt hinzu, dass du ein relativ dunkles Tier vor einem sehr hellen Hintergrund fotografierst“, erklärt Smeets. „Deshalb musst du die Belichtung jedes Mal richtig treffen; du darfst weder den Schnee überbelichten noch den Moschusochsen unterbelichten. Ich fotografiere immer im manuellen Belichtungsmodus und verwende den elektronischen Sucher der α9 und der α7R III als Orientierungshilfe. Das ist vor allem bei solchen Schneestürmen wichtig, wenn plötzlich viel Schnee in der Luft ist, da der Schnee das Licht reflektiert und die Belichtungsmessung beeinflusst. Im manuellen Modus mit Unterstützung durch das Histogramm kann ich erkennen, dass sich das Licht nicht geändert hat. Nur die Menge des Schnees im Bildausschnitt ändert sich. So kann ich die Aufnahme optimal belichten.“ Smeets’ Lieblingsbilder des Projekts verdeutlichen, wie sich seine eigene Spezialisierung und die besonderen Funktionen seiner α Ausrüstung ergänzten, sodass er die beeindruckenden Naturaufnahmen fotografieren konnte, die er sich vorgestellt hatte.
„Die Silhouette des Moschusochsen mit dem Gebirgsplateau im Hintergrund, die Wolken und der Schnee in der Luft – in all dem kommt wirklich gut zum Ausdruck, wie intensiv das Gefühl vor Ort war. Worauf es mir ankam, ist aber vielleicht am besten in dieser Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Moschusochsen zu sehen, der sich dem Sturm entgegenstemmt. Dieses Bild erzählt die Geschichte perfekt, wie ich finde. Das Gefühl, mitten im Schneesturm isoliert zu sein, und dieses bemerkenswerte Tier, das wacker den Elementen trotzt.“
Smeets' Fazit lautet: „Wenn ich eine Sache aus diesem Projekt weitergeben wollte, dann wäre das der Tipp: Versuchen Sie nicht, alles zu fotografieren. Befassen Sie sich eingehender mit einem einzigen Motiv. Halten Sie sich die ganze Zeit lang bei diesem Motiv auf, egal bei welchem Wetter. Dann sind Sie und die Kamera bereit, wenn alle Elemente zusammentreffen. Spezialisieren Sie sich, dann gelingen Ihnen auch ganz besondere Bilder.“
„Die permanenten Veränderungen in der Natur machen die Naturfotografie so spannend. Man kann jeden Tag an dieselben Stelle gehen und doch immer mit einer anderen Aufnahme zurückkommen.“