Eine Konzerthalle für unterwegs

Ein Interview mit dem Mann von Automotive Audio von Sony, dessen „goldenen Ohren“ die Entwicklung von Live Acoustics zu verdanken ist 

Goro Shiraishi konzentriert bei der Arbeit in einem speziellen Referenzraum in Tokio, Japan.

Goro Shiraishi

Projektleiter – Live Acoustics

Fachingenieur Akustik und Senior Manager – Bereich Schalltechnik

Tollen Sound zu schaffen, ist nie leicht – und in einem Fahrzeug ist es umso schwieriger. Bei der klanglichen Ausgestaltung eines Fahrzeugs muss berücksichtigt werden, dass es sich um einen kleinen, begrenzten Raum handelt, aus allen Richtungen unterschiedliche Geräusche kommen und die Form der Windschutzscheibe, die Materialien der Sitze sowie die Platzierung der Lautsprecher durch den Automobilhersteller Faktoren sind, die bestimmen, welche Art von Sounderlebnis möglich ist. Wie erzeugt man beim Fahrer dennoch das Gefühl, in einer Konzerthalle zu sitzen und nicht mitten im Stau auf dem Weg zur Arbeit? Wir haben mit dem Acoustic Engineer, Mr. Goro Shiraishi, in dessen Händen – oder besser gesagt Ohren – die Autoradios von Sony liegen, darüber gesprochen, wie er und sein Team diese Hürden bewältigen.

Im Referenzraum befinden sich die hochwertigsten Lautsprecher, Verstärker und großartige Musikaufnahmen, damit Shiraishi die Klangqualität des Raumes mit der im Fahrzeug vergleichen kann. 

F: Würden Sie uns verraten, warum Sie „der Mann mit den goldenen Ohren“ genannt werden?

Shiraishi: Ich weiß nicht genau, wer damit angefangen hat, sicher ist jedoch, dass Musik mich bereits mein ganzes Leben lang begleitet. Seit ich vier Jahre alt bin, spiele ich Geige, und mein ganzes Leben habe ich der Musik und Klängen gewidmet. Im Jahr 2000 bin ich dann Konzertmeister der Philharmonie von Sony geworden. Ich kann Musik aus der Sicht eines Künstlers analysieren, da ich selbst Künstler bin. Vielleicht nennen mich deswegen viele „den Mann mit den goldenen Ohren“. 

F: Was ist Live Acoustics?

Shiraishi: Bei Live Acoustics handelt es sich um einen auf Messdaten basierenden Audioalgorithmus, der die Atmosphäre und Stimmung von Livemusik reproduziert. Diese Technologie ermöglicht es uns, ein Hörvergnügen wie in den besten Konzerthallen der Welt zu schaffen. Der Sound ist dabei natürlich, angenehm und originalgetreu.

Spezialmikrofone werden an verschiedenen Stellen platziert, um die Klangeigenschaften im Fahrzeuginneren aufzuzeichnen.

F: Was war bei der Entwicklung des Live Acoustics Algorithmus Ihr oberstes Ziel?

Shiraishi: Musik zieht sich wie ein roter Faden durch nahezu mein gesamtes Leben. Sie ist ein Teil von mir. Daher war mir bei der Entwicklung dieser Technologie äußerst wichtig, im Fahrzeug die Atmosphäre von Livemusik herzustellen und dem Hörer so die Bedeutung der Musik näherzubringen. Ich wollte erreichen, dass der Fahrer das fühlt, was ich beim Musikhören fühle. Ich wollte es schaffen, die Emotionen eines Stücks hörbar zu machen. Erleben kann man dies normalerweise nur bei einem Livekonzert, wenn man den Künstlern beim Musizieren zusieht. Das Gefühl, das in einem Stück steckt, ist beim Hören extrem wichtig. Ein einprägsamer Takt oder eine tolle Melodie ist nicht dasselbe – wenn man es schafft, dass der Zuhörer die Emotionen in einem Stück fühlt, entsteht eine komplett andere Verbindung zur Musik. Mit dem Live Acoustics Algorithmus möchten wir den Zuhörer aus dem Fahrzeug herausholen und gedanklich in ein Livekonzert versetzen, bei dem man die Musik wirklich fühlen kann.

F: Können Sie uns einen Einblick in die Entwicklung von Live Acoustics geben?

Shiraishi: Als zum ersten Mal der Gedanke an die Entwicklung von Live Acoustics aufkam, überlegten wir uns, an welchen Orten wir Messungen vornehmen sollten. Wir entschieden uns, zunächst mehrere Konzerthallen zu besuchen, um möglichst viele unterschiedliche Klänge und Nuancen einzufangen. Der Klang in einer Konzerthalle ist einzigartig, denn diese Gebäude wurden rein für den Zweck des Zuhörens konzipiert. Also nahmen wir drei weltberühmte Konzerthallen in Wien, Amsterdam und Berlin mithilfe spezieller multidirektionaler Lautsprecher und mehrerer achtachsiger Mikrofone an den besten Sitzplätzen genauer unter die Lupe und zeichneten Klangmessungen und den Nachhall auf. Anschließend analysierten wir diese Informationen, suchten die wichtigsten Daten heraus und erstellten damit den Algorithmus. 

Mit der Audioverarbeitungssoftware von Sony kalibriert Shiraishi das Audiosystem, einschließlich Clear Phase und Live Acoustics, und schafft so eine einmalige Klangleistung.

F: Dieser Algorithmus wurde zunächst in Home Audio Systemen eingesetzt, nun findet er auch in Fahrzeugen Anwendung. Können Sie uns erklären, was den Einbau dieser Technologie in Fahrzeuge so besonders macht?

Shiraishi: Als wir Live Acoustics auf unseren Fahrzeugverstärker anwendeten, mussten wir den Algorithmus entsprechend auf das Fahrzeugaudioformat anpassen, damit alle Passagiere ein uneingeschränktes Hörerlebnis genießen können. Bei der Klangabstimmung im Fahrzeug muss vieles berücksichtigt werden, was zuhause nicht zum Tragen kommt. Zum Beispiel ist ein Fahrzeug ein sehr viel kleinerer Raum als eine Konzerthalle oder die eigenen vier Wände. Das bedeutet, dass die Lautsprecher viel näher sind und wir den Klangstil anpassen müssen, damit die Positionierung der Lautsprecher nicht für ein beengendes Gefühl im Fahrzeug sorgt. Außerdem sind in einem Fahrzeug viele Materialien verbaut, mit denen wir dann entsprechend arbeiten und vergleichen müssen, beispielsweise wie Klang von Glas im Vergleich zu Kunststoff und im Vergleich zu Leder zurückgeworfen wird. Ein Fahrzeug und das klassische Zuhause unterscheiden sich enorm voneinander, daher müssen präzise Messungen im Fahrzeug vorgenommen werden, um natürliche Klänge zu erzeugen. Ich glaube, mit Live Acoustics ist uns das gelungen. 

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„Clear Phase“ (und das „Clear Phase“ Logo) sind Marken der Sony Corporation.