Porträts und Pilger

Alys Tomlinson

Die Sony World Photography Awards gehören zu den größten und renommiertesten Fotowettbewerben der Welt und sind jedes Jahr fest im Kalender der Fotowettbewerbe eingetragen. Bereits zum 12. Mal sollen bei den Awards die besten zeitgenössischen Fotos aus aller Welt ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.

Kürzlich haben wir mit Alys Tomlinson gesprochen, die 2018 als „Photographer of the Year“ ausgezeichnet wurde, und sie gefragt, wie sich ihr Leben und ihre Karriere verändert haben, seit sie mit „Ex-Voto“ den Gesamtsieg davongetragen hat.

Erzählen Sie uns doch etwas über sich und wie Sie zu einer Fotografenkarriere kamen.

Ich habe englische Literatur und Kommunikationswissenschaften an der Universität studiert und war dort im Kameraclub. Wir haben viel Zeit in der Dunkelkammer verbracht. Dabei habe ich mich in die Schwarz-Weiß-Fotografie verliebt. Nach dem Abschluss bin ich nach New York gezogen und habe in meiner Freizeit Fotos von der Stadt gemacht. Dadurch bekam ich durch Zufall einen Job bei Time Out. Nach meiner Rückkehr nach Großbritannien entschloss ich mich, eine Karriere als Fotografin zu verfolgen, und studierte Fotografie am Central St. Martins College.

Alys Tomlinson, baufälliges Haus

© Alys Tomlinson

Welche kommerziellen Arbeiten übernehmen Sie?

Das ist sehr unterschiedlich. Ich übernehme viele redaktionelle Arbeiten und arbeite mit einigen Designagenturen zusammen, aber meistens arbeite ich im Bildungswesen. Die Aufnahmen sind in der Regel digital – und in Farbe. Das ist ganz anders als bei meinen persönlichen Projekten, aber bei beidem gefällt mir die Vielfalt.

Nur aus Interesse: Warum haben Sie sich für die Sony World Photography Awards angemeldet?

Lustigerweise kannte ich die Awards zwar, aber ich war mir nicht sicher, ob meine Arbeit in eine der Kategorien passte, also habe ich erst nicht teilnehmen wollen. Dann erhielt ich kurz vor Anmeldeschluss eine E-Mail, in der stand, dass es einige neue Kategorien gab. Eine davon hieß „Discovery“. Ich dachte, da würde meine Arbeit gut hineinpassen. Und ich muss sagen, es war auch attraktiv, dass die Teilnahme kostenlos war! Ich glaube, ich habe meine Bilder erst wenige Tage vor Anmeldeschluss eingereicht, und ich habe eigentlich nicht geglaubt, dass ich gewinnen könnte.

Alys Tomlinson, Porträt von Vera in ihrer Ordenstracht

© Alys Tomlinson

Und das haben Sie dann auch gemacht! Das muss toll gewesen sein.

Und wie! Aber ich war absolut nicht auf die folgenden Presse- und Videointerviews vorbereitet! Trotzdem war es großartig, und durch das Stipendium hatte ich die Chance, zurückzugehen und das Projekt zu beenden. Ich hatte schon genug Fotos, aber ich wollte einen Film über Vera machen – eine Nonne aus Weißrussland, die ich zu Beginn des Projekts fotografiert hatte. Ich komme aus der Fotografie, aber zum Glück ist mein Assistent ein erfahrener Filmemacher. Wir sind also nach Weißrussland gefahren, um Vera in ihrem Kloster zu besuchen, und haben diesen wundervollen Film gemacht, der meinen Fotos stilistisch entspricht.

Alys Tomlinson, Porträt von Vera mit gefalteten Händen

© Alys Tomlinson

Das war das erste Mal, dass Sie eine spiegellose Kamera von Sony verwendet haben. Wie hat sie Ihnen gefallen?

Ganz ehrlich, es war toll, damit zu arbeiten, vor allem, weil sie so leise war. Wir haben in Situationen gefilmt, in denen man sehr diskret vorgehen musste, etwa bei der Morgenandacht um fünf Uhr, wo man eine Stecknadel fallen hören konnte. Dadurch, dass die α7S II so leise war, kamen wir mit der Szene in Kontakt, ohne dass unsere Anwesenheit offensichtlich war. 

Alys Tomlinson, Nonnen bei der Morgenandacht

© Alys Tomlinson

Waren Sie in diesem Jahr sehr beschäftigt, abgesehen von Ihrer Reise nach Weißrussland, um den Film über Vera zu machen?

Ich hatte ein völlig verrücktes Jahr, seit ich den Preis gewonnen habe, und es hat meiner Karriere eine neue Richtung gegeben. Ich habe durch den Preis so viel Aufmerksamkeit erhalten! Ich hatte das Glück, auch andere Wettbewerbe zu gewinnen, aber dieser war sicher bei weitem der größte. Ich denke, ich arbeite schon so lange, dass ich gut etabliert bin, aber in den letzten Monaten ist eine bekannte Londoner Galerie auf mich zugekommen und hat meine Arbeiten in Paris ausgestellt. Ich arbeite auch an einem Buch zu dem Projekt, das über Kickstarter finanziert wurde. Das wollte ich zwar auch vor dem Preis schon gern machen, aber so konnte ich mein Ziel dank meines Bekanntheitsgrads durch den Titel sehr schnell erreichen.

Alys Tomlinson, Spiegelung von Bäumen in einem Fluss im Regenwald

© Alys Tomlinson

Ist Ex-Voto für Sie jetzt abgeschlossen, oder kann das Projekt unbegrenzt weiterlaufen?

Es ist verführerisch zu sagen, ich könnte weitermachen. Immerhin gehen immer Menschen auf Pilgerreise und es wäre interessant zu sehen, wo mich das Projekt hinführen würde. Ich denke aber, wenn das Buch erst veröffentlicht ist, ist das für mich ein natürlicher Schlussstrich.

Weitere Informationen zu den Sony World Photography Awards und die preisgekrönten Fotos von Alys Tomlinson finden Sie unter


Alys Film „Vera“ wird im April 2019 im Somerset House uraufgeführt. Einsendeschluss für den Wettbewerb ist am 4. Januar 2019; die Teilnahme ist kostenlos.

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