Persönlichkeit im Porträt zum Ausdruck bringen

 Steffen Böttcher

„Fotografie ist ein Kommunikationssport“, meint Steffen Böttcher auf die Frage nach seinen Porträt- und Modeaufnahmen, „und das ist ein Glück, denn ich kommuniziere gerne“. Dabei ist es nicht entscheidend, welche Art von Porträt du aufnimmst. Dein Foto muss etwas Wertvolles über die porträtierte Person aussagen. Wenn die Aufnahme anonym wirkt, ist es nicht wirklich ein Porträt. 

Steffens Porträts vermitteln deutlich einen bestimmten Charakter. Laut seiner Aussage hat dies, neben vielen anderen wichtigen Techniken, etwas mit der visuellen Erzählweise des jeweiligen Aufnahmeortes zu tun.

„Es ist sehr wichtig, die richtige Umgebung für ein gutes Porträt zu haben, denn die Umgebung kann viel über dein Gegenüber aussagen: über die Person selbst, ihre Tätigkeit, ihre Einstellung … Ich möchte keine unpersönlichen Bilder machen. Es gibt nichts Falsches an einfachen Porträtfotos, sie sind modern und nützlich. In meinen Aufnahmen soll die Umgebung eine bestimmte Geschichte vermitteln: ein Politiker in einer Bibliothek, ein Koch in der Küche … Ich möchte zeigen, was diese Persönlichkeiten beschäftigt und antreibt.“ 

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© Steffen Böttcher | Sony α9 + 85mm f/1.8 | 1/500s @ f/2.5 ISO 320

Ein durchdachter Umgang mit dem Aufnahmeort erleichtert es nach seiner Aussage auch den Modellen, sie selbst zu sein. „Es ist ähnlich wie für Schauspieler beim Filmdreh oder für Musiker bei einem Auftritt: Schauspieler brauchen ein Set oder einen vorgegebenen Ort, keinen Greenscreen, auf dem es nichts gibt, worauf man reagieren kann. Ebenso braucht ein Sänger die Bühne und ein Publikum. Ebenso wenig kann man ein Tier aus seiner natürlichen Umgebung herausnehmen und erwarten, dass es sich natürlich verhält. Bei Menschen ist es genauso.“

 Bevor er seine Leidenschaft für die Fotografie zum Beruf machte, arbeitete Steffen 12 Jahre lang als Grafikdesigner. Diese Tätigkeit lieferte eine exzellente Grundlage für seine Bildsprache und die Erfahrung, wie Bilder Ideen transportieren und vermitteln können. Seiner langjährigen Tätigkeit als Grafikdesigner verdankt er das umfassende Know-how bei der Gestaltung guter Kompositionen, in der Verwendung von Komplementärfarben und bei der Strukturierung von Bildern. Mit diesen Fertigkeiten ist es auch seiner Sicht „einfach, zur Fotografie zu wechseln, weil man nicht bei Null anfängt. Ich wollte gern kreativ arbeiten, das war mein wichtigstes Anliegen. Und das sollte nicht durch technische Aspekte eingeschränkt werden.“

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© Steffen Böttcher | Sony α9 + 85mm f/1.8 | 1/160s @ f/11 ISO 50

Aus seiner Sicht haben viele Fotografen bei ihren Aufnahmen eher eine technische Herangehensweise und konzentrieren sich zu sehr auf das Ausprobieren der Einstellungen und der Ausrüstung. Für ihn selbst hingegen spielt dies keine große Rolle: 

„Für mich ist Fotografie mit der Malerei vergleichbar. Es geht nicht um die Kamera. Es geht um den Blick auf das Licht, die Elemente in meiner Komposition, die Farben … Es ist viel mehr als ein technischer Vorgang. Deshalb ist es wichtig, das Foto schon im Kopf zu haben, bevor du überhaupt zur Kamera greifst.“ 

Ein Aspekt, der ihm dabei hilft, ist der kippbare Bildschirm seiner Sony α9. „Aus verschiedenen Gründen gestalte ich die Aufnahme am liebsten auf dem Bildschirm“, erklärt er. „Wenn man das Bild über den Sucher arrangiert, vergisst man vielleicht Elemente, da man näher am echten Leben dran ist.“ Dein Blick ist dann eher auf das Fotomotiv ausgerichtet und nicht auf die Komposition als Ganzes? „Ja, denn wenn du den Bildschirm nutzt und das Arrangement siehst, wirkt es eher wie ein gedrucktes Bild … ein fertiges Werk. Du betrachtest es mit mehr Abstand und kannst objektiver entscheiden.“

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© Steffen Böttcher | Sony α9 + 35mm f/1.4 | 1/1600s @ f/1,4 ISO 50

Zurück zur Kunst der Kommunikation: Ein weiterer großartiger Aspekt bei der Aufnahmegestaltung über den LCD-Bildschirm seiner Kamera ist für Steffen, dass er sich leichter mit seinem Gegenüber beschäftigen kann, ohne dabei die Kamera wie ein Schild vor sein Gesicht zu halten. „Als Fotograf hilft es wirklich, wenn man hinter der Maske hervorkommt. Die Aufnahmen sind so viel persönlicher. Das ist ein großer Vorteil für die Person, die ich fotografiere. Menschen reagieren auf sehr unterschiedliche Weise. Das kann ich sofort sehen. Es ist dann viel einfacher für mich, mich auf das Fotomodell zu konzentrieren und mit ihm zu interagieren. Das gilt insbesondere, wenn ich mit der α9 arbeite. Bei AF und Belichtung kann ich voll auf die Kamera vertrauen. Ich muss nicht an technische Einstellungen denken, sondern nur an meine Komposition und daran, was mein Bild ausdrücken soll.“

Reden ist in der Tat ein großer Teil dessen, was Steffens Porträts auszeichnet. „Wenn die Kamera nicht mein Gesicht verdeckt, kann ich mit meinem Modell sprechen. Das sorgt für eine entspannte Situation bei der Aufnahme. Die Personen, die ich fotografiere, machen das nicht jeden Tag. Diese Beruhigung ist also gut für sie. Ich rede viel und möchten ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie nicht posieren müssen, sondern einfach sie selbst sein sollen. Dann liegt es an mir, diese besonderen kleinen Momente im Bild festzuhalten.“ 

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© Steffen Böttcher | Sony α7R III + 35mm f/1.4 ZA | 1/1250s @ f/3.5 ISO 200

Nach seiner Erfahrung unterhalten sich die meisten Porträtfotografen mit ihren Fotomodellen. Entscheidend ist jedoch die Art und Weise des Gesprächs. Es geht nicht einfach darum, irgendwas zu sagen. 

„Viele Fotografen arbeiten bei Shootings mit zu vielen Anweisungen. Das führt dazu, dass sich Menschen beim Fotografieren eher gestresst und ängstlich fühlen, dabei sollte genau das Gegenteil der Fall sein. Ich will nicht, dass meine Fotomodelle denken: ‚Wohin soll ich schauen‘ oder ‚Wohin soll mein Kinn zeigen?‘ Ich möchte sie so aufnehmen, wie sie sind, und ihnen ihre Unsicherheit nehmen.“

Er nutzt dabei beispielsweise die Methode, Geschichten ins Gespräch einzubringen, und variiert diese dabei jeweils so, dass sich bei der zu porträtierenden Person die gewünschte Emotion einstellt. „Manche Fotografen sagen: ‚Denk an etwas Schönes‘ und erwarten eine Reaktion. Aber so funktioniert das nicht. Man muss das intelligenter und einfühlsamer angehen. Wenn mein Fotomodell heldenhaft aussehen soll, erzähle ich entsprechende Heldengeschichten. Wenn ich die Person in einer gemütlichen Situation fotografieren möchte, erzähle ich eine erfrischende Geschichte, zum Beispiel wie schön mein Urlaub war.“

Steffen gibt uns folgenden wichtigen Tipp mit auf den Weg: Nutze das Gespräch, um dein Gegenüber aus dem Moment herauszuholen. Es ist ähnlich wie bei einem Ballett, allerdings arbeitet man mit dem Unterbewusstsein: Sie hören zu und reagieren. So funktioniert Kommunikation am besten.“

ILCE-9

a9 spiegellose Vollformatkamera mit mehrschichtigem CMOS sensor

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α7R III 35-mm-Vollformatkamera mit Autofokus

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Distagon T* FE 35 mm F1,4 ZA

Steffen Böttcher
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Steffen Böttcher

Deutschland

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