So mache ich meine Aufnahmen | Extreme Makroaufnahmen mit Petar Sabol

Natur und Lebewesen haben mich immer schon fasziniert. Vor allem die kleinen Dinge, die man mit dem bloßen Auge gar nicht sehen kann. Als Naturfotograf sind extreme Makroaufnahmen eines meiner Spezialgebiete. Diese Form der Fotografie ist besonders komplex, denn sie erfordert ein hohes Maß an Tüftelei und Geduld. Aber ich möchte gerne erklären, was ich tue, und warum.

Petar Sabol posiert mit seiner Sony alpha 7RIII

Handwerk in der Natur

Das wohl größte Problem ist das Wetter. Ich informiere mich immer, wie das Wetter sein wird. Für meine extremen Makroaufnahmen verwende ich eine Technik, die Focus Stacking genannt wird. Dabei muss ich mehrere Aufnahmen von ein und demselben Motiv machen, und selbst die kleinste Bewegung kann sich auf das finale Ergebnis auswirken. Der Wind ist daher mein Erzfeind. Wenn es windig ist, kann ich schlicht keine Aufnahmen machen.

 

Julien Mauve Sony alpha 7RII Eine dunkle Hütte im Wald, umgeben von Bäumen

© Petar Sabol | Sony α99 II + 100 mm F/2.8 Macro | 1/15 Sek. @ F/9.0, ISO 200

Ich mache meine Aufnahmen immer sehr früh am Morgen. Über Nacht verfallen Insekten in eine Art Ruhemodus. Erst wenn sie vom Licht der Sonne erwärmt werden, werden sie aktiv. Daher ist diese Zeit am frühen Morgen ideal, um sie einzufangen, denn solange sie sich nicht bewegen, ist das für mich perfekt.

Petar Sabol, Kamera: Sony Alpha 99II, Schmetterling, der auf einem Blütenstengel sitzt, mit ringförmigen Lichtern im Hintergrund

© Petar Sabol | Sony α99 II + 100 mm F/2.8 Macro | 1/640 Sek. @ F/2.8, ISO 100

Außerdem braucht es Zeit, die richtige Zusammenstellung und den richtigen Hintergrund zu finden. Und all das hängt von den Farben im Bild ab. Ich suche insbesondere nach Elementen wie Morgentau auf dem Gras. Wenn die Sonne scheint, dann können die kleinen Wassertropfen ein wunderschönes kreisförmiges Bokeh im Hintergrund schaffen.

Petar Sabol, Kamera: Sony Alpha 7RIII, eine Libelle und Schnecke auf einem Blütenstengel

© Petar Sabol | Sony α7R III + 1:1 Macro | 1/30 Sek. @ F/13, ISO 400

Ausrüstung

Ich fotografiere mit der Sony α7R III, mit der unglaublichen Auflösung von 42,4 Megapixel. Neben der Auflösung ist ein weiterer Vorteil, dass die α7R III keinen Spiegel hat und die Option bietet, einen elektronischen Auslöser zu verwenden. Auf diese Weise können keine bewegenden Teile eine Vibration verursachen. Vibrationen sind der schlimmste Alptraum für Makrofotografen.

Petar Sabol, Kamera: Sony Alpha 7RIII, extreme Nahaufnahme eines Insektengesichts

© Petar Sabol | Sony α7R III + 2.5 – 5x Macro Zoom | 1/6 Sek. @ F/4.0, ISO 200

Wenn es um das Licht geht, benutze ich nur selten einen Blitz. Ich bevorzuge natürliches Licht, manchmal kommt auch ein Reflektor zum Einsatz, wenn es darum geht, ein Spiel aus Licht und Schatten zu erschaffen.

Ich fokussiere immer manuell und nutze dabei die Fokus-Peaking-Funktion der α7R III. Über diese Funktion werden die Ränder im Bild hervorgehoben, die im Fokus sind. Für die Hervorhebung lassen sich unterschiedliche Farben festlegen, gelb, rot oder weiß, damit sie sich von den Farben des Motivs abheben.

Ich benutze die Funktion Focus Magnifier, um nur einen Bereich des Ausschnitts zu vergrößern und genau den präzisen Punkt zu finden, der scharf sein soll. Das kippbare Display hilft mir dabei, insbesondere dann, wenn ich aus einem schwierigen Winkel aus aufnehme.

Die roten Peaking-Marken können praktisch als Ebene betrachtet werden, an der sich der Fokus ausrichtet.

Petar Sabol, Kamera: Sony Alpha 7RIII, Schmetterling mit gespreizten Flügel auf einem Pflanzenstengel

© Petar Sabol | Sony α7R III + 1:1 Macro | 1/20 Sek. @ F/10, ISO 400

Bei der Belichtung ist es wichtig, die drei Elemente Belichtungszeit, Blende und Belichtungsempfindlichkeit bestmöglich abzustimmen. Wenn die Bedingungen eine langsame Belichtungszeit zulassen, versuche ich immer ISO 100 zu verwenden, denn das bietet die bestmögliche Bildqualität. Das Gute bei der α7R III ist, dass ich die Empfindlichkeit auf eine höhere ISO-Zahl einstellen kann, wenn es erforderlich ist, und trotzdem bleibt der Detailreichtum erhalten. Die Blende kann variieren, grundsätzlich nehme ich aber im Bereich F/8 und F/13 auf. Manchmal nutze ich allerdings auch Zwischenringe, um den Lichteinfall zu dämpfen und eine noch stärkere Vergrößerung zu erzielen.

Focus Stacking

Bei der Makrofotografie ist die Tiefenschärfe eher flach, auch bei großen Blenden. Daher setze ich auf Focus Stacking, sprich, ich kombiniere eine Reihe an Fotos, die jeweils einen anderen Fokus auf das Motiv setzen. Auf diese Weise stelle ich sicher, dass das Motiv von vorne bis hinten scharf ist.

Dafür nutze ich einen elektronischen Makroschlitten und ein extrem stabiles Stativ. Dieser motorisierte Schlitten bewegt meine Kamera in Mikrometerschritten. Über einen Controller kann ich die gesamte Bewegung und die Anzahl an Schritten steuern, die ich machen möchte. Nach jedem Schritt oder jeder Bewegung nimmt die Kamera ein Foto auf.

Petar Sabol, Kamera: Sony Alpha 7RIII, extreme Nahaufnahme eines Hornissengesichts

© Petar Sabol | Sony α7R III + 2.5 – 5x Macro Zoom | 1/13s @ F/4.0, ISO 100

Manchmal sind das mehr als 100 oder 200 Aufnahmen. Daher brauche ich ein Motiv, das sich nicht bewegt, und es muss windstill sein. Eine noch so kleine Bewegung und schon ist der gesamte Stapel an Aufnahmen ruiniert. Aus diesem Grund sehe ich immer auf das Live-Anzeigedisplay der α7R III, um zu prüfen, ob es auch nur kleine Bewegungen zwischen den Aufnahmen gegeben hat. Ich muss wirklich äußerst geduldig sein und immer mehr als nur einen Stack schießen. Ein Trick ist, das Motiv mit einem kleinen Zelt oder etwas Ähnlichen abzuschirmen, um den Wind fernzuhalten.

Nachdem ich die Aufnahmen im Kasten habe, führe ich sie mithilfe von Software in einem einzigen Bild zusammen. Ich verwende eine Profisoftware, Zerene Stacker. Sie können die Aufnahmen aber auch mit überall verfügbarer Software zur Nachbearbeitung zusammenführen.

Ein paar letzte Tipps

Beim Fotografieren von Insekten empfiehlt es sich, die Aufnahmen bei Sonnenaufgang zu machen. Zu dieser Zeit sind sie noch im „Ruhemodus“ und verhältnismäßig bewegungslos.

Beim Komponieren des Bilds ist es wichtig, sich Gedanken über den Hintergrund und seine Farben zu machen.

Beim Fotografieren immer ein Stativ verwenden, damit die Kamera nicht wackelt.

Verwenden Sie einen elektronischen Auslöser, damit es nicht zu kleinen Vibrationen kommt, die ein mechanischer Auslöser verursachen kann.

Verwenden Sie eine möglichst geringe Empfindlichkeit, um besonders detailreiche Bilder aufzunehmen.

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„Ich versuche stets, meine Bilder noch besser zu machen – egal wie lange es dauert und wie viel Aufwand erforderlich ist. Alle Faktoren müssen stimmen: das Licht, die Komposition, der richtige Moment, eine packende Geschichte und technische Perfektion. So kann ich die Grenzen weiter verschieben und den Schaffensprozess vollauf genießen.“

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