„The Music Man“ Phil Nicolo

Die Sicht eines GRAMMY® Gewinners und Musikproduzenten auf High-Res Audio und mehr

Der betörende Klang der Lieblingsopern seines Vaters begleitet Phil Nicolo seit seiner Kindheit. Ab dem ersten Kontakt mit der Rock'n'Roll-Musik einer berühmten britischen Viererband war er mit „Beatlemania“ infiziert und fest davon überzeugt, eine Laufbahn einzuschlagen, in der es für Melodien keine Aus-Taste gibt. Seit der Eröffnung seines ersten Studios auf dem Dachboden seiner Eltern hat Nicolo u. a. mit Musikgrößen wie Aerosmith, Bob Dylan und Lauryn Hill zusammengearbeitet. Der amerikanische Grammy Gewinner, Musikproduzent, Studiobesitzer, Tontechniker und Mastering Ingenieur Nicolo produziert an der Seite seines Zwillingsbruders Joe Musik für mehrfach platinausgezeichnete Künstler und die Stars von Morgen. 

Lesen Sie weiter, und erfahren Sie mehr über Nicolos lebenslange Leidenschaft zur Musik, seine Ratschläge für künftige Musikproduzenten und darüber, wie High-Resolution Audio die Qualität von Musik für Fans und in der Musikindustrie Beschäftigte verbessert.

 F: Welche ist Ihre früheste Erinnerung in Zusammenhang mit Musik? 

Nicolo: Meine früheste Erinnerung in Bezug auf Musik muss wohl vor der Zeit liegen, in der ich zu sprechen begann. Mein Vater war ein großer Opernfan. Ich wuchs also mit „La Traviata“, „Rigoletto“ und „Aida“ von Giuseppe Verdi, „Tosca“, „La Bohème“ und „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini, „Der Barbier von Sevilla“, „La Cenerentola“ und „La Gazza Ladra“ von Gioachino Rossini auf ... um nur einige zu nennen. Dieser frühe Kontakt zu so wundervoller Musik hat mir eine große Leidenschaft und Liebe zu allen Arten der Musik vermittelt. Und als ich 1964 die Beatles hörte, war es um mich geschehen. Da wusste ich, dass Musik in meiner Zukunft eine Rolle spielen wird.

F: Wie begannen Sie Ihre Laufbahn im Musikgeschäft?

Nicolo: Im dritten Jahr an der Temple University bauten mein Zwillingsbruder und ich ein Studio in den Dachboden unseres Elternhauses. Wir verkauften Audiozubehör über einen Händler (Stereo Discounters) und steckten all das Geld, das wir damit verdienten, wieder in unser Studio.

F: Wie war es, Ihr eigenes Studio zu eröffnen? 

Nicolo: Obwohl das Dachbodenstudio ein großartiger Anfang war, zogen wir schließlich aus dem Haus unserer Eltern aus und eröffneten 1980 unser erstes echtes Studio namens „Studio 4 Recording“ im Zentrum von Philadelphia. Dort standen wir vor einer Menge unerwarteter Herausforderungen. Es ist eine Sache, in der Lage zu sein, eine gute Aufnahme anzufertigen, und es ist eine ganz andere, ein neues Geschäft zu vermarkten. Wir bauten das Studio langsam auf, indem wir am Ball blieben und so viele Aufträge wie möglich annahmen (teilweise für sehr wenig Geld, nur um die Rechnungen bezahlen zu können). Mit Geduld und Beharrlichkeit wurden wir letztlich eine von Philadelphias besten Aufnahmestätten.

F: Wie ist es zusammen mit Ihrem Bruder Joe zu arbeiten?

Nicolo: Es ist eine fantastische Partnerschaft. Obwohl wir Zwillinge sind, betrachten wir die Dinge doch unterschiedlich. Mein Bruder und ich haben zwar einen ähnlichen Musikgeschmack, auf den zweiten Blick ist er aber doch anders ausgeprägt. Er tendiert mehr zu Hip-Hop und ich mag mehr Rock. Ich mische gern und bin lieber an den Reglern als Joe. Wenn wir also zusammenarbeiten, schiebe ich ihn schon öfter mal zur Seite, um irgendetwas selbst zu tun.

F: Welche Eigenschaften muss man haben, um als Musikproduzent erfolgreich zu sein? 

Nicolo: Wenn man als Musikproduzent Erfolg haben will, muss man Künstlern zuhören und mit ihnen kommunizieren können. Die wichtigste Eigenschaft eines Musikproduzenten ist jedoch meiner Meinung nach geduldig zu sein. Es ist wirklich wichtig, Künstler ihre Ideen ausprobieren zu lassen, selbst wenn sie an dem Punkt etwas verrückt erscheinen. Wenn man einen musikalischen Pfad betritt, insbesondere, wenn er ungewöhnlich erscheint, weißt man sie, wo man am Ende herauskommt. Man weiß vorher einfach nicht, wenn dieser geniale Moment da ist.

F: Mit welchen Ihrer Lieblingskünstler haben Sie bereits zusammengearbeitet? Und für welches Musikgenre produzieren Sie am liebsten? 

Nicolo: Ich hatte das Glück, schon mit so vielen großartigen Künstlern arbeiten zu dürfen, dass es mit schwerfällt, nur einige zu nennen. Ganz oben auf meiner List steht aber der Blues-Musiker Taj Mahal und die R&B-Sängerin Lauryn Hill. Beide sind ganz fantastische Künstler, die immer 110 Prozent geben und das auch von allen anderen erwarten. 

Ich produziere alles gleichermaßen gern und war in der glücklichen Lage, schon in vielen unterschiedlichen Musikgenres arbeiten zu dürfen, aber mein Lieblingsgebiet wäre wohl Traditional Jazz.

F: Mit welchem Musiker würden Sie gern einmal zusammenarbeiten? 

Nicolo: Ohne Zweifel wäre das John Lennon. Es war fantastisch, mit Yoko Ono an der Wiederauflage seiner Solo-Werke zu arbeiten. Es wäre eine große Ehre für mich gewesen, wenn ich zu Lebzeiten mit ihm selbst hätte arbeiten können.

F: Auf welchen Moment in Ihrer bisherigen Karriere sind Sie am stolzesten?

Nicolo: Am stolzesten war ich, als mir 2005 für das Mischen und Mastern des Salsa- und Merengue-Hitalbums „Across 110th Street“ des Spanish Harlem Orchestra ein Grammy verliehen wurde. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, einen Grammy in einem Genre zu gewinnen, indem ich noch relativ neu war. Salsa hat wie jede andere Musikrichtung ganz spezielle Sounds, Muster, Arrangements, musikalische Dynamiken und Instrumente. Ich habe eine Weile gebraucht, um all diese verschiedenen Elemente kennenzulernen und zu verstehen, wie Sie in der Salsamusik eingesetzt werden. Ich bin dem Produzenten Aaron Levinson sehr dankbar dafür, dass er mir die Liebe und Leidenschaft, die in Salsa steckt, nähergebracht hat.

F: Was halten Sie von High-Res Audio?

Nicolo: Allen, deren Lebensinhalt die Musik ist, ist High-Res Audio sehr wichtig. Es ist traurig, dass sich trotz der Weiterentwicklung der Musik in den letzten Jahren die Klangqualität aufgrund von MP3s und Streaming verschlechtert hat. Es wird Zeit, dass wir diesem Trend entgegenwirken, indem wir die Leute aufklären und Ihnen zeigen, was guter Sound ist. Wenn Musikliebhaber High-Res Audio erleben, verstehen Sie meiner Ansicht nach, wieviel besser und erfüllender diese Erfahrung ist. Warum sollte man seinen Lieblingskünstler nicht bis ins kleinste Detail und auf den Punkt hören wollen? 

F: Wie haben Sie anderen Wissen über Klangqualität und Musik vermittelt? Warum ist das Ihrer Ansicht nach wichtig? 

Nicolo: 2003 wurde ich in die Communication Hall of Fame der Temple University aufgenommen. Zu der Zeit wurde ich gebeten, als Dozent einen Kurs zu Aufnahmetechniken für Fortgeschrittene zu halten und das tue ich bis heute. Ich bin gern mit jungen Menschen zusammen und es ist toll, Dinge wiederzuentdecken oder selbst Neues dazuzulernen. Es macht mir Spaß, anderen etwas über Klangqualität und Musikproduktion beizubringen. Denn es ist wichtig, dieses Wissen an alle Generationen weiterzugeben, wenn wir in sämtlichen Bereichen der Musik – vom Klang, über die Produktion, bis zur Entstehung – ein hohes Qualitätsniveau beibehalten wollen.

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