„Musik ist eine Verantwortung“

Interview mit Jazz-Schlagzeuger und Komponist Devin Gray

Für den Jazzmusiker und Komponisten Devin Gray ist Musik mehr als nur eine Leidenschaft und ein Beruf, sie ist eine Verantwortung. Er muss es wissen. Obwohl er erst 32 Jahre alt ist, lässt sich Devin von Jazz-Größen aller Altersklassen inspirieren, auch von David Liebman. Wir sprachen mit Gray über die Kraft der Musik und sein Leben als einer der besten Drummer in der New Yorker Jazz-Szene.

F: Wovon lassen Sie sich musikalisch inspirieren?

Gray: Die kurze Antwort ist die Interaktion zwischen Natur, Städten und den Menschen, mit denen ich arbeite. New York City hat unheimlich viel zu bieten, aber wenn ich nach Maine zurückkomme, bekomme ich eine andere Perspektive. Außerdem reise ich sehr gerne. Ich liebe es, verschiedene Kulturen und Lebensstile kennenzulernen. Das Reisen beeinflusst definitiv meine Musik.

F: Wie würden Sie Ihren persönlichen Musikstil beschreiben?

Gray: Das meiste ergibt sich beim Experimentieren. Wenn ich es in wenigen Worten beschreiben müsste, würde ich sagen, es ist lebendig, interaktiv, riskant, durchdacht und bunt. Die Musik, die ich komponiere, bewegt sich irgendwo zwischen Popmusik, moderner Klassik und improvisiertem Jazz. Sie kommt aus unterschiedlichsten Quellen, darunter auch Recherche und grüblerische Reflexion. Ich denke beispielsweise darüber nach, wie die Musik mit dem, was ich in meinem Leben tue und mit den Menschen, mit denen ich arbeite, zusammenhängt.

F: Welche Musiker haben Ihre Musik beeinflusst?

Gray: Meine Lieblingsmusiker sind Menschen, die extrem talentiert und gut in dem sind, was sie tun, dabei aber sehr bescheiden bleiben. Sie gehen alles mit dieser kreativen Frische an. Wenn man mit ihnen arbeitet, fühle man sich, als ob man etwas sehr Wichtiges mit seinen besten Freunden tut. Einige der ersten Musiker, bei denen ich dieses Gefühl hatte, waren der Saxofonist Tony Malaby, der Saxophonist Gary Thomas, der Saxophonist David Liebman und der Bassist Michael Formanek.

F: Apropos David Liebman, wie hab ihr euch kennengelernt?

Gray: Ich traf David das erste Mal an der Hochschule, als er das Programm an der Manhattan School of Music leitete. Als sein Student hatte ich das Glück, seine Gedankenwelt näher kennenzulernen. Er ist ein großartiger Denker und Künstler. Er ist ein gewichtiger Musiker, der bewusst, kühn und beherrscht agiert. Seine Ratschläge an uns Studenten waren so wahr und relevant. Als ich schließlich die Gelegenheit bekam, mit ihm zu spielen, ergab alles noch viel mehr Sinn. Er unterstützt die Jazz-Karrieren der jüngeren Generation sehr.

F: Wenn Sie einen Musiker Ihrer Wahl treffen könnten, welcher wäre das?

Gray: Miles Davis – er hatte diese Energie und diesen Tatendrang, der schon fast greifbar war. Am meisten gefällt mir an ihm seine allgemeine Kunstfertigkeit. Die Art, wie er buchstäblich alles tat, hatte diese Präsenz – auch wie er seine Musik Musikerkollegen vorspielte und wie er vor Publikum auftrat.

F: An welchen Projekten haben Sie zuletzt gearbeitet?

Gray: Es gibt viele Projekte. Meine Band hat Anfang Juni 2015 ein Album herausgebracht: „RelativE ResonancE“. Außerdem habe ich gerade Musik für acht Musiker komponiert. Aber diesmal habe ich nicht Schlagzeug gespielt, ich habe dirigiert. Für mich ist es eine großer Luxus, ein Schlagzeuger und ein Komponist sein zu können.

F: Was glauben Sie – wie beeinflusst Musik unser Leben?

Gray: Man kann es richtig „fühlen“, wissen Sie. Es kann in einem Augenblick die ganze Lebensenergie zum Guten oder Schlechten ändern. Und wichtiger noch, ich glaube es ist tief in der Seele und im Herzen verwurzelt.

F: Inwiefern ist das Hören von Jazz mit High-Resolution Audio besser?

Gray: Menschen (ich eingeschlossen), die buchstäblich mit Sound ihren Lebensunterhalt verdienen, wissen, dass die Klangqualität sehr wichtig ist und das Hörerlebnis wirklich verändern kann. Musik in schlechter Klangqualität zu hören, kann einen richtig runterziehen. Wenn man einen Großteil der Zeit mit Musikmachen verbringt, ist es wichtig, sie nicht mit schlechter Qualität zu vergeuden.

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