G Master

Interviews mit Ingenieuren

Ingenieure von Sony diskutieren das Konzept des G Master-Objektivs, das aus technologischer Innovation und kompromisslosem optischem Design entstanden ist.

Die Vision hinter G Master

Eine neue Marke mit einer klaren Vision der Kameras der Zukunft: Das G Master verfolgt den ultimativen Ausdruck von hoher Auflösung und Bokeh. 

Produktplanung

Akira Shiraishi

Akira Shiraishi

Shiraishi:

Als wir in 2013 die α7 Serie auf dem Markt einführten, haben wir eine Produktreihe gebaut, in der wir F4-Zoomobjektive und relativ kleine Objektive mit Festbrennweite auf der Basis des Konzepts von kleiner Bauweise und hoher Leistung priorisiert haben. Vor diesem Hintergrund haben viele Kunden F2,8-Objektive und F1,4-Objektive mit Festbrennweite angefragt.

In der Zwischenzeit hatten sich die Kameragehäuse bereits aus der α7R, mit einer Auflösung von 36,4 Millionen Pixel zu der α7R II weiterentwickelt, mit ca. 42,4 Millionen Pixel und einer 5-Achsen-Bildstabilisierung.

In der Bildsensortechnologie geht es kontinuierlich weiter, und wir glauben, hohe Auflösungen sind ein universeller Wert, der immer wichtiger wird. Objektiv-Bokeh ist ein weiterer universeller Wert, und für beides wird es weiterhin eine Nachfrage geben.

Dieses Objektiv wird im Hinblick auf sich kontinuierlich weiterentwickelnde Kameraleistung von Bedeutung bleiben. 

Das sind die drei Produkte, die wir unter der neuen Marke G Master entwickelt haben: das Standard-Zoomobjektiv FE 24–70 mm F2,8 GM, bei dem wir uns auf die Auflösungsleistung für Objektive mit Festbrennweite bei jeder Brennweite konzentriert haben, das FE 85 mm F1,4 GM Portrait-Objektiv mit Schwerpunkt auf Bokeh-Wiedergabe vom schärfsten Fokus bis zum Hintergrund und das FE 70–200 mm F2,8 GM OSS Telezoom-Objektiv, das speziell für das Erfassen leistungsstarker Auflösung im Tele- und Bokeh-Bereich im Portrait-Spektrum konzipiert wurde.

Diese Objektive sind mit zahlreichen innovativen Technologien ausgestattet, wie z. B. unsere neu entwickelten XA-Objektivelemente (extrem asphärisch). Sony ist ein führender Hersteller von Bildsensoren und hat eine klare Vorstellung davon, wie sich Bildsensoren in Zukunft entwickeln werden.

G Master-Objektiv

Asphärische Objektivelemente

Masanori Kishi

Das G Master wäre ohne dieses Schlüsselelement nicht möglich

Deputy General Manager - Lens Mechanical Design Department

Masanori Kishi

Kishi:

Zunächst einmal ist es sehr schwierig, asphärische Objektive herzustellen, und es war eine Herausforderung für uns, zu sehen, wie weit die Oberflächen-Genauigkeit gesteigert werden könnte.

Tatsächlich haben wir mit den Ingenieuren einer Produktionsstätte, die der Sony Global Manufacturing & Operations Corporation in Aichi Prefecture, Japan, gehört, zusammengearbeitet. Diese verfügt über die Produktionstechnologie für asphärische Objektivelemente, und nachdem wir jeden einzelnen Produktionsprozess von Grund auf überprüft hatten, haben wir einen neuen Prozess eingeführt.

Ich bin mir sicher, dass die XA-Objektive, die wir schließlich herstellen konnten, von einer Qualität sind, die weltweit unerreicht ist. Ich denke, dass der Grund für dieses hohe Maß an Perfektion, das wir erreicht haben, darin begründet ist, dass wir die einzigartige eigene Technologie von Sony nutzen und sie in enger Zusammenarbeit mit der Produktionsstätte entwickeln konnten.

Herkömmliche Genauigkeit der Oberfläche eines Objektivs
HERKÖMMLICHE GENAUIGKEIT DER OBERFLÄCHE EINES OBJEKTIVS
Genauigkeit der Oberfläche eines XA-Objektivs
GENAUIGKEIT DER OBERFLÄCHE EINES XA-OBJEKTIVS (0,01 MIKROMETER)
Extrem asphärisches Objektiv

Das XA-Objektiv (extrem asphärisch) maximiert die Leistung der anderen Objektivelemente bei hoher Auflösung und natürlich wirkendem Bokeh.

Gleichermaßen können wir dem G Master Funktionen verleihen, wie Empfindlichkeit und die Funktion der Abweichungskompensation, weil wir ein XA-Objektivelement mit hoher Oberflächengenauigkeit haben. So erreichen wir, dass das gesamte Objektiv eine höhere Auflösung als jemals zuvor liefert. 

Ich denke, der Grund dafür, dass das G Master sowohl Auflösungen von der Mitte bis zu den Ecken des Bilds und gleichzeitig ein sehr natürliches Bokeh schafft, ist, dass wir in der Lage waren, ein XA-Objektivelement mit einer extrem hohen Oberflächengenauigkeit von 0,01 Mikrometer zu konzipieren. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass das G Master ohne die Entwicklung unserer XA-Objektivelemente nicht möglich gewesen wäre.

Hohe Auflösung und Bokeh: endlich vereint

Konzipieren einer effektiveren Kombination aus sich gegenteilig beeinflussenden Elementen mit Frequenz von 50 Linienpaaren pro Millimeter als MTF-Baseline

Masanori Kishi

Kishi:

Hinsichtlich der Auflösung haben wir mit der MTF1 mit einer Ortsfrequenz von 50 Linienpaaren pro Millimeter als Design-Baseline den höchsten jemals erreichten Standard realisiert.

Eine höhere Ortsfrequenz bedeutet, dass das Objektiv subtile Änderungen im Kontrast besser reproduzieren kann. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir in der Konstruktionsphase mehrere optische Abweichungen komplett entfernt, wie z. B. Abbildungsfehler und COMA-Abweichungen. Insbesondere haben wir, um Abweichungen an den Ecken des Bilds zu beseitigen, zahlreiche Simulationen wiederholt und Abweichungen Bit um Bit entfernt, bis wir das finale optische Design erreicht hatten. 

Natürlich garantiert nur das Erzielen einer höheren Ortsfrequenz noch lange kein gutes Objektiv, da es je nach Motiv viele Niedrigfrequenz-Komponenten geben kann. Letztendlich sollte das Ziel ein Foto sein, das gut aussieht. Worauf es also ankommt, ist ein Design zu schaffen, das von niedrigen bis hohen Frequenzen gut ausgewogen ist.

In der Entwicklungsphase des Objektivs müssen wir, wenn wir die Auflösung erhöhen, kontinuierlich das Bokeh prüfen. Dafür haben wir eine Bokeh-Simulation verwendet und so sichergestellt, dass das Bokeh nicht aufgrund der Leistungssteigerung der MTF beeinträchtigt wird. Objektiv-Bokeh ist ein hoch komplexes Thema, und es gibt zahlreiche Typen. Zum Beispiel Vorderseite und Rückseite und von Nah- bis Fernbereich. Da der Bokeh-Typ auch hinsichtlich Brennweite variiert, kann dieses nicht durch Simulation beurteilt werden. Die Bokeh-Simulationen müssen daher mit der umfassenden Erfahrung und dem umfassenden Know-how von Sony fachkundig integriert werden. Auf diese Weise suchen wir kontinuierlich Bokeh-Effekte aus.

Bokeh-Simulationsbilder

Bokeh-Simulationsbilder

Zirkulare Blende mit 11 Lamellen

Shiraishi:

Es gibt zwischen den Endprodukten immer bestimmte Unterschiede. Die Objektive der Serie G Master werden im Fertigungsprozess einzeln geprüft und vor dem Versand so eingestellt, dass sie schönes Bokeh erzeugen. 

Um diese Einstellungen durchzuführen, sind bestimmte Maßnahmen erforderlich, wie der Bau neuer Einstellgeräte und der Einbau eines Einstellmechanismus in das Objektiv selbst. Die Mechanismen für diesen Verarbeitungsschritt werden vorab benötigt. Allerdings können wir durch diese Art, Bokeh einzustellen, unseren Kunden hochwertigste Objektive anbieten, und ich denke diese Einstellung und diese Geisteshaltung sind ein wichtiger Teil der G Master-Mentalität.    

Beim FE 85 mm F1,4 und FE 70–200 mm F2,8 GM OSS wird zum ersten Mal eine zirkulare Blende mit 11 Lamellen in einem α-Objektiv eingesetzt. Die Entwicklung der aktuellen Blende mit elf Lamellen wurde inspiriert von dem Bedarf, die Bokeh-Formen bei Einstellungen mit großer Blende so rund wie möglich zu erhalten. Ein weiterer Vorteil der größeren Anzahl Lamellen ist, dass für Blendeneinheiten mit sehr großen Blendendurchmessern jetzt ein kompakteres Design möglich ist.

Während des Herstellungsprozesses wird ein Objektiv nach dem anderen eingestellt, um sicherzustellen, dass das perfekte Bokeh erzielt wird.

Bokeh mit Blende mit 11 Lamellen

Bokeh mit Blende mit 11 Lamellen

Bokeh mit Blende mit 7 Lamellen

Bokeh mit Blende mit 7 Lamellen

Innovativer Antriebsmechanismus

Auflösung und Bokeh werden durch das optische Design optimiert und dem Test der Aktuator-Technologie von Sony unterzogen. 

Ringförmiger SSM-Motor und linearer Motor

Kishi:

Um das best mögliche Ergebnis für das Objektiv zu erzielen, während die Optik-Entwickler es so weit dies möglich war optimierten, haben wir dem G Master unglaubliche Fokussierungsfunktionen verpasst, indem wir die innovativen Aktuatoren von Sony, die mit unserer eigenen Technologie entwickelt wurden, mit Mechanismen, die entsprechend der optischen Eigenschaften der einzelnen Objektive optimiert wurden, kombiniert haben. 

Das FE 70–200 mm F2,8 GM OSS handhabt das Gewicht des Objektivs durch Aufteilen der Fokussiereinheit, die üblicherweise aus einem Teil besteht, in zwei separate Fokussiereinheiten. Dadurch wird das Gewicht verteilt. Außerdem wird mit dem Objektiv durch Kombination der Fokussiereinheiten mit unabhängigen Aktuatoren, die unabhängig voneinander gesteuert werden, nicht nur bei Fotos sondern auch bei Videos eine dynamischere Fokussierung erreicht. Das Teilen der Fokussiereinheit in zwei Teile erzeugt eine „schwebende“ Struktur, die es möglich macht, verschiedene Abweichungen bei allen Motivabständen effektiv zu korrigieren. Mit der schwebenden Struktur, dank derer eine komplett unabhängige Kontrolle möglich ist, können Sie die Position der beiden Objektivelemente nacheinander auf deren ideale Position so einstellen, wie es bei einer typischen schwebenden Struktur nicht möglich ist. So erzielen Sie ein höchstes Maß der den Objektiven eigenen Leistungsfähigkeit.

1. Ringförmiger SSM-Motor     2. Linearer Motor

Innovative Aktuator-Technologie für einen komplett neuen Aufnahmestil

Außerdem sind FE 85 mm F1,4 GM und FE 70–200 mm F2,8 GM OSS mit ringförmigen SSM-Motor-Systemen der neuen Generation ausgerüstet, welche die ringförmigen SSM-Motoren optimieren, die in A-Mount-Objektiven für den Kontrast-Autofokus in spiegellosen Kameras mit Wechselobjektiven verwendet werden. Für spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven, die auch Kontrast-Autofokus verwenden, wird zum Fokussieren ein kleiner Reziprokmotor benötigt.

Der ringförmige SSM-Motor erhält dadurch eine dynamischere Rotation, dass er zum ersten Mal mit Kugellagern ausgerüstet wird. Das FE 85 mm F1,4 GM wurde noch mit zwei Positionssensoren ausgestattet, welche das Objektiv direkt erkennen und steuern. Dank ringförmigem SSM-Motor, zwei Positionserkennungssensoren und einem Antriebsalgorithmus kann das Objektiv im Mikrometerbereich gesteuert werden.

Ringförmiges SSM-Motor-System
Masanori Kishi

Kishi:

Ich hoffe wirklich, dass die Leute die Funktion „AF mit Augenerkennung (Autofokus)“ ausprobieren und die hohe Fokussierungsgenauigkeit dieses Objektivs erkennen werden, die durch eine Kombination des FE 85 mm F1,4 GM und der α7 Serie die Augen des Motivs in den Fokus rückt.

Viele Profis verwenden für genaue Fokussierung den manuellen Fokus von 85 mm F1,4 Objektiven. Daher finde ich es wunderbar, dass wir es einfacher machen konnten, dieses Genauigkeitsniveau mit Autofokus zu erzielen. Obwohl das 85 mm F1,4 ein Objektiv mit sehr geringer Schärfentiefe ist, haben wir ausreichend Genauigkeit erzielt, die Fokuslinsen zu dem Punkt zu bringen, an dem Fotografen, je nachdem was sie möchten, nicht nur die Pupille, sondern auch die Augenlider, die Wimpern, die Oberfläche der Pupille oder die Reflexion anvisieren können. 

Die innovative Aktuator-Technologie, die in diesen Objektiven verbaut wurde, hat es uns ermöglicht, diesen Genauigkeitsgrad zu erzielen. Ich denke, das wird zu einem vollständig neuen Aufnahmestil führen, da Fotografen sich früher auf das genaue Fokussieren konzentrieren mussten. Jetzt haben sie die Freiheit, den Sichtwinkel zu ändern, das Motiv kann umhergehen, und die Pupillen bleiben im Fokus.

Akira Shiraishi

Eine Nachricht von Akira Shiraishi

Ich habe eine besondere Schwäche für das FE 85 mm F1,4. Vor zehn Jahren wurde ich zu dem 85 mm F1,4 A-Mount-Objektiv befragt: unter den α Objektiven ist das 85 mm F1,4 mit außerordentlichen technische Daten ausgestattet. Ich denke, dieses Objektiv repräsentiert perfekt die α Marke.

Mit der Entwicklung dieses neuen 85 mm F1,4 hatte ich mir zum Ziel gesetzt, das herausragende Objektiv herzustellen, das alle Objektive vor ihm übertreffen sollte. Ich glaube, das ist genau das, was wir erreicht haben, und ich hoffe, dass auch andere diese Überzeugung teilen werden. Außerdem konnten wir aufgrund des Feedbacks unserer Kunden zur Serie F4 – das wir sehr ernst genommen haben – die Leistung unserer beiden anderen Objektive in der Serie G Master, das FE 24-70 mm F2,8 GM und das FE 70-200 mm F2,8 GM OSS verbessern.

Eine Nachricht von Masanori Kishi

Seit Einführung der α7 Serie haben wir viele wertvolle Meinungen und Informationen von zahlreichen professionellen Anwendern erhalten.    

Wir haben diese Produkte auf dem Markt eingeführt, indem wir jedes Detail bis zu seiner letzten logischen Konsequenz ausgearbeitet haben, und zwar so, dass hinsichtlich Bedienung, Leistung u.v.m. das Feedback dieser Anwender umgesetzt wurde. Ich glaube, wir haben Objektive entwickelt, die ich mit vollstem Vertrauen uneingeschränkt empfehlen kann. Daher werde ich mich sehr darüber freuen, wenn ich sehe, dass Leute diese Objektive tatsächlich verwenden und damit Spaß am Fotografieren haben. Ich hoffe, dass Menschen sich über diese nie dagewesene Kombination aus hoher Auflösung und wunderschönem Bokeh dieser neue G Master-Serie freuen werden.

Masanori Kishi

Objektive von morgen schon heute

Diese Objektive vereinen hohe Auflösung und spektakuläres Bokeh und werden so auch in den nächsten Jahren herausragende Leistung bieten.