Interview mit
HoneyHoney

HoneyHoney versüßt die amerikanische Musikszene

Mit der rauchigen, ausdrucksstarken Stimme von Suzanne Santo und den heißen Gitarrenrhythmen von Ben Jaffe hat das Folk-Rock-Duo HoneyHoney aus Los Angeles einen ganz eigenen Sound kreiert, der sich in keine Kategorie einteilen lässt. Ihre Musik wurde mit Folk, Americana, Alternative und einer ganzen Reihe anderer Musikstile verglichen. Und auch wenn die beiden ein entspanntes Verhältnis haben und einen sorglosen Humor teilen, sind sie absolute Perfektionisten, was ihre Musik angeht. Ihr aktuelles Album „3“ nahmen sie drei Mal mit drei verschiedenen Produzenten auf, bis es genau so war, wie sie es wollten. Diese Liebe zum Detail und Experimentierfreudigkeit machen HoneyHoney zu Meistern ihres Handwerks. 

Erfahren Sie mehr über die Geschichte von Suzanne und Ben — vom ersten Kennenlernen über ihre Rituale vor dem Auftritt bis hin zu dem, was sie ihren Fans mit ihrer Musik mitgeben möchten. 

F: Wo haben Sie sich kennengelernt? 

Jaffe: Haben Sie den Film „Eyes Wide Shut“ gesehen? So in etwa war unsere erste Begegnung. Es war so eine Party, auf der man seine wahre Identität nicht preisgibt. Es gab eine augenblickliche Verbindung zwischen uns. Wir mussten einfach Songs schreiben und zusammen Musik machen.

F: Welche Geschichte steckt hinter Ihrem ursprünglichen Bandnamen „Zanzibar Lewis“?

Santo: Zanzibar Lewis war ein Spitzname aus der Kindheit, den Ben vor Jahren in eine Kurzgeschichte verwandelt hat. Wir beide liebten unsere separaten Verbindungen zu diesem Namen, fragen uns aber oft, wo wir heute stünden, wenn wir ihn nicht in HoneyHoney geändert hätten. Dieses Rätsel wird nie geklärt werden! 

F: Was beeinflusst Ihre Musik?

Santo: Ich denke größtenteils (und da kann ich wohl auf für Ben sprechen) unsere Leben und Erfahrungen. Sie sind die Hauptkomponenten unserer Songs. Wir schreiben fast immer über unsere eigenen Erfahrungen. Uns gefallen Musiker wie Led Zeppelin, Radiohead, Hank Williams und Elliot Smith. Gilliam Welch und Dave Rawlings sind eine große Inspiration für uns.

F: Schreiben Sie Songs immer an einem bestimmten Ort?

Jaffe: Wir sind immer auf der Suche nach solchen Orten! Ich liebe ruhige, lichtdurchflutete Räume. Ich glaube, wir beide ziehen Nutzen aus abgeschiedenen Orten, aber mit Freunden in der Nähe. Es ist schön, Leute um sich zu haben, um relativ normal zu bleiben.

F: Sie spielen beide mehrere Instrumente. Welches sind Ihre Lieblingsinstrumente?

Santo: Ben liebt die Gitarre und spielt wirklich gut, das ist klar. Aber gestern Abend habe ich ihn bei einer Jamsession in einer Bar in West Virginia erlebt, wo er etwa 20 Minuten lang Schlagzeug spielte und der glücklichste Mensch auf Erden zu sein schien.

Für mich selbst muss ich sagen, dass ich zwar mein Banjo und meine Geige liebe, aber meine wahre Leidenschaft ist das Singen. Meine Stimme ist mein Lieblingsinstrument.

F: Haben Sie eine Lieblingsbühne?              

Jaffe: Das ist schwer zu sagen. Wir haben zuvor schon jahrelang auf vielen der Bühnen gespielt, auf denen wir jetzt auftreten. Aber bis vor Kurzem waren wir immer die Vorband. Es ist sehr aufregend, jetzt zum Headliner zu werden und diese Bühnen neu erleben zu können. Auf der letzten Tour hatten wir tolle Konzerte im The Hamilton in Washington, D.C., und im Beachland Ballroom in Cleveland. Sie fühlten sich wie Meilenstein-Momente an.   

F: Haben Sie Rituale vor einem Live-Auftritt?

Jaffe: Na ja, wir haben jetzt ein Mantra, das wir vorher über die Lautsprecher raushauen. Das ist wie eine leichte Gehirnwäsche. Vielleicht eine Gehirnreinigung? Wir haben auch einen Teamruf, der von Abend zu Abend variiert.

F: Welchen persönlichen Rat würden Sie anderen geben, die eine Musikkarriere anstreben?

Jaffe: Meiner Meinung nach sind Offenheit und Geduld unentbehrlich. Das gilt wohl für jedes Vorhaben. Und man muss sich selbst lieben. Nur dann kann man glücklich werden.   

F: Wie halten Sie die Balance zwischen Ihrer Musikkarriere und anderen Verpflichtungen?

Santo: Mit Ach und Krach. Und auch, indem wir so gut es geht auf unseren Körper achten, gesund essen, Sport treiben und vor allem genug schlafen.  

F: Was sollen die Besucher vom Festival mit nach Hause nehmen?

Santo: Für uns ist es sehr wichtig, dass unsere Fans ihre eigene, persönliche Beziehung zu unserer Musik haben. Wir wollen, dass sie das fühlen, was sie bewegt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es Mainstream-Musik an Tiefe fehlt und dass sie ein Gefühl herbeizwingt, das man auf natürliche Weise gar nicht unbedingt heraufbeschwört. Unsere Gefühle und Emotionen sind kraftvolle Instrumente für unseren individuellen Ausdruck. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen, die unsere Musik hören, ihre ganz eigene „Autobahn der Gefühle“ haben und diese nicht durch absichtliche Manipulation blockiert wird. 

F: Am neuen Album gefällt uns sehr gut, dass es wie eine unbearbeitete Live-Aufnahme klingt. Wie erzielen Sie diesen „Live“-Sound?

Santo: Danke! Es freut uns, dass es Ihnen gefällt. Wir haben mehr oder weniger alle Songs Live mit einer Studioband aufgenommen. Wir haben einige Overdubs darübergelegt, wollten aber den Sound dieser Platte bei Live-Auftritten auf Tour nachbilden können. 

„Big Man“

F: Was halten Sie als Künstler von High-Resolution Audio? Was hat es Ihrer Meinung nach für Auswirkungen auf die Musikbranche?

Jaffe: Eine erstklassige Audioqualität verbessert einige sehr wichtige Aspekte aufgezeichneter Musik, aber es wird immer unsere höchste Priorität sein, emotional ansprechende Musik herauszubringen. Natürlich heißt das nicht, dass eine klare Audioqualität nicht wichtig ist. Es scheint, dass die Technologie sich in diese Richtung bewegt, da High-Resolution Audio plattformübergreifend immer verfügbarer wird. Solange es bezahlbar ist, werden die Kunden es bevorzugen. Bezüglich der Branche: Wir alle wollen Platten machen, die so gut wie möglich klingen. Aber wir dürfen nicht zulassen, dass das für diejenigen, die nicht die entsprechenden Geräte für Aufnahmen auf diesem Niveau haben, zu einem Hindernis wird.

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