Q&A mit NEA Jazz Master

Jazz-Saxofonist David Liebman zur Klangqualität von Musik

Der weltbekannte Saxofonist David Liebman gehört zu den wichtigsten Größen im Jazz. Seine Karriere umspannt fast 50 Jahre, in denen er mit Legenden wie Miles Davis, Elvin Jones und John McLaughlin spielte. Im folgenden Interview erfahren Sie mehr darüber, wann und wie er seine Liebe zum Saxofon entdeckte, über seinen Werdegang als Jazz-Musiker und seine Gedanken zu High-Resolution Audio.

F: Warum haben Sie sich dazu entschieden, eine Musikerkarriere einzuschlagen?

Liebman: Ich hatte nicht wirklich geplant, eine Musikerkarriere einzuschlagen. Es hat sich irgendwie ergeben. Ich hatte Glück, dass ich schon relativ früh bei ein paar wichtigen Gigs dabei sein konnte. Es fasziniert mich immer noch, dass ich meinen Lebensunterhalt mit etwas verdienen kann, was ich wirklich liebe.

F: Warum haben Sie sich für das Saxofon entschieden?

Liebman: Ich wurde sehr vom Rock'n'Roll der 50er Jahre beeinflusst. Damals war das Saxofon das wichtigste Solo-Instrument, bis in den 60ern, dank der Beatles, die Gitarre diesen Part übernahm. Ich fand den Klang einfach toll. Ich war so um die acht oder neun Jahre alt, als ich meine Eltern das erste Mal fragte, ob ich Saxofon spielen darf. Sie sagten mir dann, dass ich erstmal zwei Jahre lang Klavier spielen lernen muss, bevor ich ein anderes Instrument ausprobieren darf. Mit zwölf habe ich dann mit der Klarinette und nach einem Jahr endlich mit dem Tenorsaxofon angefangen. Auch wenn ich da sicher voreingenommen bin, ist das Saxofon das beste Instrument, das es gibt. Und es gibt auch keinen Zweifel daran, dass das Saxofon die amerikanische Jazz-Szene entscheidend geprägt hat.

F: Was sind Ihre musikalischen Lieblingserinnerungen?

Liebman: Einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen verbinde ich mit der Lafayette High School in Brooklyn, New York. Wir waren ca. 6.000 Schüler mit einem sehr guten Musikprogramm. Wir haben häufig spektakuläre Auftritte veranstaltet, in denen wir die Texte berühmter Broadway-Musicals wie „West Side Story“ oder „South Pacific“ umgeschrieben haben. Ich war für das Orchester verantwortlich und musikalischer Leiter in meiner Klasse, wodurch sich für mich einige wunderbare Möglichkeiten ergeben haben. Damals ging es nicht darum, der beste Musiker der Welt zu sein, sondern darum, immer weiter an sich zu arbeiten.

Der eigentliche Wendepunkt kam, als ich John Coltrane 1962 live in einem Jazz-Club, dem Birdland in New York City, spielen sah. Damals war es mir noch nicht bewusst, aber sein Auftritt an diesem Abend sowie zahllose weitere Auftritte bis zu seinem Tod 1967 waren der Grund, mich ernsthaft mit Musik zu beschäftigen. Coltrane war derjenige, der mich dazu inspiriert hat, Saxofonist zu werden.

F: Wie würden Sie Ihren Jazz-Musikstil beschreiben?

Liebman: Also beim Jazz kommt es ganz stark auf die Individualität an. Man hat es geschafft, wenn die Hörer schon nach wenigen Noten in der Lage sind, deinen ganz eigenen Sound zu erkennen. Der Klang deines Instruments ist quasi die Erweiterung deiner Persönlichkeit und deiner Stimme.

Meine musikalischen Einflüsse sind recht breit gefächert. Bis zu den 60er Jahren war es für die breite Öffentlichkeit eher schwierig an verschiedene Musikstile und -genre zu kommen. Wollte man beispielsweise Musik aus Ghana oder Argentinien hören, musste man richtiggehend danach suchen. Meine Freunde und ich haben zusammen Jimi Hendrix, Ravi Shankar und John Coltrane gehört und vier Stunden später dann etwas komplett anderes. Unsere Generation war eine der ersten, die verschiedene Stile miteinander vermischt hat. So würde ich auch meinen Sound beschreiben – eine Verschmelzung verschiedener Stile und Einflüsse gepaart mit meiner ganz persönlichen Note.

F: Was war der entscheidende Punkt Ihrer Karriere?

Liebman: Beim Jazz geht es viel um Mentoring. Zu Anfang ist es wichtig, mit einem bekannten Jazz-Musiker zusammenzuarbeiten, um Band- und Bühnenerfahrung zu sammeln. Ich hatte das große Glück, sowohl mit Elvin Jones als auch mit Miles Davis gearbeitet zu haben. Das war natürlich ein großer Moment, denn sobald man mit Miles Davis gespielt hat, ist man quasi am oberen Ende der Nahrungskette angekommen.

F: Welche Titel spielen Sie am liebsten?

Liebman: Wenn ich mir drei Jazz-Klassiker aussuchen müsste, dann wären das „Footprints“ von Wayne Shorter, „All Blues“ von Miles Davis und „India“ von John Coltrane.

F: Wen oder was hören Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?

Liebman: Ich habe zwar nicht viel Freizeit, aber wenn, dann höre ich mir eine der vielen CDs an, die ich von meinen Studenten bekomme. Ich unterrichte schon seit Jahrzehnten, und es bedeutet mir sehr viel. Meine Studenten bringen in der Regel ein sehr hohes Niveau mit (semiprofessionell bzw. kurz vor dem Einstieg ins Profifach) und freuen sich immer über Feedback.

F: Was halten Sie von High-Resolution Audio?

Liebman: Heutzutage hören die meisten Menschen Musik nur noch über Ohrstöpsel-Kopfhörer, was eigentlich eine Schande ist, wenn man bedenkt, wie viel Zeit und Geld in den Aufnahmeprozess fließen. Es macht mich auch traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass es Menschen gibt, die in ihrem ganzen Leben noch nie vor wirklich hochwertigen Lautsprechern gesessen haben. Es ist an der Zeit, die Klangqualität von Musik wieder nach oben zu bringen. Die einzige Möglichkeit, das gesamte dynamische Klangspektrum einer Geige oder eines Saxofons hörbar zu machen, ist High-Resolution Audio.

Ich finde es toll, dass Sony die Messlatte bei der Klangqualität weiter nach oben legt. Wir leben in einer Zeit, in der Musik und Kunst nicht mehr als Hauptgericht betrachtet werden, sondern eher als eine Art Hors d’oeuvre oder Digestif nach dem Essen. Sie kann sich nicht mehr richtig gegen die anderen Gerichte auf dem Tisch durchsetzen. Ich bin sehr froh, dass Sony Musik wieder neues Leben einhaucht.

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