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HDCAM SR

F23: Sony erobert die Kinoleinwand

Ursprünglich im Showreel-Magazin, Ausgabe Sommer 2007, veröffentlicht.

Vor der Markteinführung der F23 wurde ein Vorproduktionsmodell in den USA von dem Star Wars-Veteranen Fred Meyers getestet. Steve Parker sprach mit ihm über seine Schlussfolgerungen.

 

Das Sony Spitzengerät F23 ist viel mehr als nur eine Neuauflage des Vorgängermodells F950. Schon das Design (integrierter HDCAM SR-Recorder, der an der Ober- oder Rückseite der Kamera montiert werden kann) und die technischen Daten (Aufzeichnung in 1080p24 4:4:4) zeigen, dass sich diese Kamera an die Kinobranche richtet. Das Produktionsmodell der F23 wurde erst kurz vor der NAB Mitte April in den USA eingeführt. Einige Wochen zuvor wurde jedoch bereits ein Modell zu BandPro in Burbank, Los Angeles, geliefert. Dort wurde die Kamera in die professionellen Hände von Fred Meyers übergeben, der vor allem für seine Arbeit an den Star Wars-Filmen bekannt ist (Star Wars II: Angriff der Klonkrieger und Star Wars III: Die Rache der Sith). Er wurde gebeten, die Kamera im Vergleich zu anderen D-Cinema-Modellen und Filmkameras zu testen, um im Anschluss die Produzenten eines neuen Spielfilms bei der Kamerawahl beraten zu können.

Inzwischen hat auch Showreel selber die F23 getestet (siehe nächster Artikel). Fred Meyers gibt in seiner Bewertung jedoch einen wertvollen Einblick darein, wie die F23 im Vergleich zu anderen Kameras auf dem Markt einzuordnen ist. Meyers verglich die F23 sowohl mit Filmkameras als auch mit anderen D-Cinema-Geräten. So wollte er herausfinden, welche Kamera für den Dreh von Speed Racer, dem neuen Film der Wachowski Brüder (Matrix, V wie Vendetta) eingesetzt werden sollte.

Kurz nach den Kameratests habe ich mich mit Meyers getroffen. "Die Aufgabe wurde mir folgendermaßen präsentiert", erläutert er. "Das Produktionsunternehmen arbeitete an einem Projekt und wollte unbedingt einen Look finden, der einige der Charakteristiken von Digitalaufnahmen nutzt, wie unter anderem geringes Rauschen, gesättigte Farben und hohe Tiefenschärfe. Der Film soll bewusst mehrere Ebenen zeigen: Im Vordergrund sind Live-Action-Aufnahmen zu sehen, während der Hintergrund mit photorealistischem CG-Material gestaltet wird. Ein solcher Look greift auf alte Trickfilm- und Rostrum-Techniken zurück. Sie hatten einen speziellen Look im Kopf und schlugen daher vor, Digitalkameras zu testen. Wir haben auch Filmmaterial dem gleichen Vorgang unterzogen. So konnten wir zum einen die Testergebnisse im Zusammenhang beurteilen und zum anderen die Qualität der Digitalkameras bewerten. Denn wir hatten uns keineswegs bereits endgültig gegen Film entschieden.

Die Testkameras

"Wir haben ganz zu Anfang darüber gesprochen, welche Digitalkameras wir testen sollten. Sie wollten 4K-Kameras sowie 2K- und HD-Kameras ausprobieren. Darüber hinaus wollten sie Kameras mit großen Sensoren wie bei 35mm-Modellen sowie Geräte mit 2/3"-HD-Sensoren testen. Auch Hochgeschwindigkeitskameras und daten- sowie videobasierte Systeme sollten genauer untersucht werden. Ich sah mir diese lange Liste genau durch und sagte: "Also, das weiß ich über diese Kameras und das bringt der Test der Geräte mit sich - und das alles bringt ein ziemlich großes Budget und eine Produktion mit vielen Spezialeffekten und hohen Erwartungen mit sich."

"Direkt zu Anfang konnten wir bereits mehrere Kameras von der Liste streichen, da sie anderen Modellen entsprachen - oder zumindest nahmen wir an, dass sie eine vergleichbare Leistung liefern würden. Einige der Kameras haben wir nur bezüglich der Farbwerte und der technischen Eigenschaften untersucht. Am Haupttesttag standen dann die Digitalkameras F23 von Sony und die Arri D-20 sowie einige Filmmodelle auf dem Programm.

"Ursprünglich wollten wir auch eine Viper testen. Aufgrund von Zeit- und Kostengründen der Regisseure und Studios mussten wir jedoch unsere Auswahl eingrenzen. Am Testtag selber wurden einige Kameras auch aus nicht-technischen Gründen aussortiert. Ich würde immer gerne alle in Frage kommenden Kameras testen. Gleichzeitig bin ich mir aber auch bewusst, dass Kompromisse unabdingbar sind. Hätten wir alle Kameras getestet, hätte die Qualität gelitten oder wir hätten ein größeres Budget und mehr Zeit benötigt. Die 4K-Kamera Dalsa Origin beispielsweise wäre durchaus interessant gewesen – nicht zuletzt jetzt, da das Unternehmen an der neuen Generation arbeitet. Trotzdem mussten wir die Kamera von unserer Liste streichen. Dann gab es noch Kameras mit PL-Fassung, wie zum Beispiel die Panavision Genesis. Für dieses Projekt haben wir aber nach einer höheren Tiefenschärfe gesucht. Man kann sich die Tiefenschärfe anschauen, die man mit 35mm-Film und mit einer D-20 erhält. Daher mussten wir nicht auch noch eine Genesis haben, um diese Eigenschaft zu testen. Natürlich sind nicht alle Großformatkameras und genauso wenig nicht alle 2/3"-Chip-Kameras gleich, aber einige Entscheidungen mussten wir mit Hinblick auf Zweckmäßigkeit treffen.

"Sie wollten eine hohe Tiefenschärfe und die kleineren 2/3"-Sensoren bieten genau das. Dies ist ein interessanter Gedankengang: In ästhetischer Hinsicht wird die geringere Tiefenschärfe der großformatigen Kameras oft als Nonplusultra für Digitalkameras betrachtet, wohingegen die breitere Tiefenschärfe der 2/3"-Chip-Kameras eher als Manko gilt. Für einige Anwender trifft jedoch genau das Gegenteil zu. Es gibt durchaus Situationen, in denen eine niedrigere Tiefenschärfe während der Postproduktion von Nachteil ist, insbesondere dann, wenn Sie mehrere Ebenen miteinander kombinieren möchten. Mit den heutzutage verfügbaren Techniken können Sie in der Postproduktion höchst präzise bestimmte Ebenen unscharf erscheinen lassen oder einen Look kreieren, der so nicht möglich wäre, wenn Sie mit einer begrenzten Tiefenschärfe begonnen hätten. Dies ist ein etwas anderer Ansatz und durchaus einer, den ich höchst interessant finde. Man kann beobachten, wie neue Denkweisen und neue Techniken aus der digitalen Cinematographie entstehen. Höhere Tiefenschärfe ist ganz klar Zukunftsmusik."

"Bei den beiden Digitalkameras und den Filmkameras testeten wir die Bildwechselfrequenzen und Zeitraffer/Zeitlupe. Außerdem wollten wir für die Postproduktion und visuelle Effekte das Ansprechverhalten der Kameras genauer untersuchen, da diese für den Look, der in der Postproduktion erzielt wird, äußerst hilfreich sind. Sowohl für die Testtafeln als auch für die eigentlichen Szenen, die wir filmten, haben wir bei allen Kameras Zeiss Objektive eingesetzt – Master Primes für die Kameras mit PL-Fassung und DigiPrimes für die 2/3"-Geräte."

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