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Miami Vice

F23: Eine Kamera von Mann

Erstmals veröffentlicht vom Showreel-Magazin im Sommer 2007

Einer der Pioniere des Digitalfilms ist Michael Mann. Als solcher hat er kürzlich Miami Vice vollständig digital gefilmt. Randy Wedick sprach mit einigen Team-Mitgliedern, die an der Umstellung auf die F23 beteiligt waren.

 

Bryan Carroll arbeitete mit dem Regisseur Michael Mann unter anderem als Aufnahmeleiter beim Marketing-Material und als Koproduzent bei Miami Vice. Michael ist einer der wenigen renommierten Regisseure, die sich schon sehr früh für den Digitalfilm entschieden. So verwendete er die Sony F950 und die Grass Valley Viper ausgiebig für das Marketing-Material und drehte Miami Vice auf der Genesis von Panavision. Daher überrascht es nicht, dass er es kaum erwarten konnte,die F23 von Sony in die Hand zu bekommen.

„Die Idee, diese Kamera zu benutzen, liegt schon sieben Jahre zurück: damals nahmen wir Ali mit der Sony F900 auf“ erzählt Carroll, der bei der Filmbiographie als Mitherausgeber fungierte. „Danach wollten wir für das Marketing-Material 10-Bit 4:4:4, das hieß F950er und Vipers mit Aufnahme auf HDCAM SR. Nachdem wir das Marketing-Material zu Ende gedreht hatten, wollten wir einen Schritt weiter gehen.“

„Wir befinden uns jetzt im Oktober 2004. Michael und ich besuchten Sony in Tokio und erzählten dort von unserer Traumkamera. Wir wollten die Mobilität der F900, aber mit einer Aufnahme in 10-Bit 4:4:4. Außerdem wollten wir die 2/3"-Imager-Größe, weil uns genau das gefällt – die hohe Tiefenschärfe.“

„Während der Dreharbeiten von Miami Vice sprachen wir mit Rick Harding von Sony, der uns zum ersten Mal von der F23 berichtete. Wir konnten es gar nicht abwarten, sie in die Hand zu bekommen. Im Laufe der Jahre haben wir oft mit Sony gesprochen, daher bot man uns dort die Chance, die F23 bei einem Nike-Werbespot zu testen, den Michael gerade drehte.“

Ergonomie

„Bevor ich den Dynamikbereich und die Auflösung und den ganzen Technikkram testete, wollte ich erst mal sehen, wie sie im filmischen Sinn arbeitete. Die Film-Grammatik. Als wir mit der F900 drehten, hatte die Kamera eine filmische Aufgabe. Wir hatten einen Kameramann, der erste Assistent stellte den Fokus für ihn ein, der zweite Assistent machte Kameraberichte, zeichnete den Timecode des Seitenfensters der Kamera auf, hielt fest, welches Objektiv verwendet wurde, etc. Wir waren zwar zur Qualitätskontrolle mit einem DIT (Digital Imaging Technician) verbunden, aber das Kamerateam befand sich an ein und derselben Stelle und steuerte die Kamera.

Bei der F950 und der Viper musste der zweite Assistent neben dem DIT sitzen, um den Timecode aufzuzeichnen, und das erschwerte den gewohnten Ablauf erheblich. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein Rhythmus für das Filmset. Daher wollten wir trotz des Einsatzes neuer Technologien und HD sicherstellen, dass die Arbeitsweise des Kamerateams dadurch nicht verändert wird. Deshalb bestand ein großer Teil dieses Tests beim Nike-Werbespot nicht nur darin, die technische Seite der Kamera zu sehen, sondern auch, ob ich sie in die bestehende Arbeitsweise des Kamerateams einbinden konnte. Unser DIT hatte die Aufgabe, das Bild genau auf seine Qualität hin anzusehen, aber es war die Kameraabteilung, die Fokus, Blende und Bildwechselfrequenz änderte und Filterrad steuerte, und das klappte genauso wie bei einer konventionellen Filmkamera.“

Marketing-Material

„Ich lernte dabei wirklich zu schätzen, was Sony hier ergonomisch geleistet hatte. Sony ermöglichte es dem kreativen Team, den für sein Projekt geeigneten Workflow auszuwählen. Die Entscheidung liegt dabei in kreativen Händen; es ist die Entscheidung des Regisseurs, ob die Farbpegel direkt am Set eingestellt werden, oder ins Sony Protokoll aufgenommen und die ganze Arbeit später erfolgen soll. Wir ziehen es vor, im Bildbereich zu arbeiten und das Aussehen des Bildes direkt am Set zu prüfen, aber falls ein anderer Regisseur im Sony Protokoll arbeiten und das Bild zu einem späteren Zeitpunkt bearbeiten möchte, steht ihm auch diese Möglichkeit offen.

Ich arbeite seit sieben Jahren an verschiedenen Workflows mit allen möglichen Filmersatzkameras, aber bei der F23 hat man die Wahl bezüglich der Workflows: man kann im Film-Modus oder einem 709-Farbraum, wie dem von uns verwendeten Hyper Gamma 3, drehen. Die Kamera gehörte wieder der Kameraabteilung; diese übernahm die Verantwortung dafür statt zu sagen: ‚Das ist nicht meine Aufgabe, das ist die Aufgabe des DIT‘. Nie zuvor hatte ich erlebt, dass die Leute vom Kamerateam tatsächlich lernen wollten, wie man einige der Funktionen, z. B. das motorisierte Filterrad und die NDs bedient, und wie man die Bildwechselfrequenzen ändert, etc. – so als ob es sich um eine Arri 435 handele und sie die Kamera am Set kennen müssten. Die Kameraabteilung ging noch viel weiter: ‚Wahnsinn, das ist ja toll. Diese Kamera ist wie für uns geschaffen‘.“

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