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Michael Ballhaus berichtet über die F23

"Diese Kamera kann sehr viel mehr als die anderen Geräte, die ich bislang kennen gelernt habe."

Michael Ballhaus, ASC, wurdefür seine Arbeit, die fast 50 Jahre umspannt, mit drei Oskarnominierungen sowie zahlreichen Auszeichnungen belohnt.

 

Ballhaus wird in Kürze die Produktion einer neuen Dokumentation über seine Heimatstadt Berlin beginnen, bei der die F23 eingesetzt wird. "Dies ist mein eigener Film, der meinen Geburtsort und meine Heimatstadt Berlin thematisiert", so Ballhaus. "Mein Kameramann und Co-Regisseur Ciro Cappellari und ich haben uns für digitale Aufnahmen entschieden. Denn wir drehen eine Dokumentation und werden folglich relativ viel Material aufnehmen."

Als erster und bislang einziger deutscher Kameramann wurde Ballhaus 2007 für sein Schaffen mit dem International Achievement Award der Vereinigung US-amerikanischer Kameraleute, der American Society of Cinematographers, ausgezeichnet. Seine Oskarnominierungen erhielt er für die Filme Nachrichtenfieber - Broadcast News (1987), Die fabelhaften Baker Boys (1989) und Gangs of New York (2002). Zuletzt arbeitete Ballhaus als Kameramann an dem Martin Scorsese Film Departed - Unter Feinden (2006).

Seit über 20 Jahren arbeitet Ballhaus in Hollywood mit namhaften Regisseuren wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Robert Redford. Darüber hinaus ist er ein Pionier der HD-Produktion in Deutschland. 2000 nahm er den ersten deutschen Film mit einer HDW-F900 auf, die Band Pro geliefert hatte.

Auf der "Hands on HD"-Veranstaltung in Hannover im August 2007 standen fünf neue D-Cinema-Kameras F23 zur Verfügung, von der eine in der Masterclass eingesetzt wurde, die Ballhaus zum Thema Arbeiten in HD gab.

"Meiner Meinung nach haben sich die Entwickler der F23 genau angeschaut, was ein Kameramann bei einer Filmproduktion benötigt und was für Funktionen er gerne an einer Kamera finden würde", erklärt Ballhaus. "Mein erster Eindruck war: 'Wow, das ist ja nicht einfach nur eine große Videokamera, sondern eine echte Filmkamera!'. Ich würde die F23 fast als Quantensprung bezeichnen."

"Die F23 ist zum Beispiel äußerst empfindlich. Wir haben mit einer niedrigen Belichtungseinstellung bei einer Apertur von 0,5 gefilmt und sehr gute Bilder erhalten. Das alleine ist schon eine großartige Leistung. Darüber hinaus lässt sich das Gerät wie eine Filmkamera handhaben – ein überaus positiver Schritt nach vorne. Diese Kamera kann außerdem sehr viel mehr als die anderen Geräte, die ich bislang kennen gelernt habe."

HD-Unterricht

"Ich behaupte nicht, alles zu wissen, und werde den Studenten bestimmt nicht sagen, wie sie etwas zu machen haben. Meine Art und Weise, die Dinge anzugehen, ist mehr in folgendem Sinne: 'Das ist meine Erfahrung und ich würde es so machen. Wenn Sie aber denken, dass Sie einen besseren Weg kennen, dann machen Sie es so'. Ich bemühe mich stets, die Ideen der Studenten zu unterstützen, und fördere sie dabei, Risiken zu wagen. Denn sie sollen ihre eigenen Bilder entdecken. Das ist allerdings recht schwierig, da alle nur denkbaren Bilder bereits gemacht wurden. Trotzdem sollte man immer versuchen, Bildern eine gewisse andere Note zu geben."

"Auf der anderen Seite möche ich den Studenten einige Ideen bezüglich Bildkomposition, Ausblenden von Schauspielern und Wichtigkeit von Drehorten vermitteln. Ich gab einmal einen Workshop mit dem Titel 'Der Standort ist ein Charakter', in dem wir ein und dieselbe Szene in unterschiedlichen Umgebungen filmten. Dadurch sollte gezeigt werden, wie wichtig der Standort für die Szene selber ist. Diese Tatsache wird sehr oft außer Acht gelassen."

"In HD gibt es auch einige Unterschiede. Denn ich versuche, einen besonderen Look für den Film zu schaffen, den wir während des Kurses filmen. Und der Look hängt von der Art der Geschichte ab, die wir erzählen möchten."

"Mit HD kann man direkt ein Bild sehen und darüber sprechen. Man kann sehr viel mehr experimentieren, so wie wir es in der Masterclass auch gemacht haben. Die Kursteilnehmer sollten eine Situation schaffen, in der die Hauptfigur mitten in der Nacht aufwacht und herumläuft, ohne das Licht anzuschalten. Erinnern Sie sich selber einmal an eine solche Situation: Sie können kaum etwas sehen. Aber wenn Sie aufstehen und herumgehen, stolpern Sie doch nicht über Möbelstücke, da durch die Vorhänge ein schwacher Lichtstrahl von der Straße eindringt. Das ist eine Situation, wie man sie nur selten im Fernsehen oder auf der Leinwand sieht. Mit der F23 aber haben wir es geschafft. Und da wir digital gearbeitet haben, konnten wir es genau so machen, wie wir es wollten."

Ausbildung von Kameraassistenten

Ballhaus hat des Weiteren eine Initiative gestartet, in deren Rahmen neue spezielle Ausbildungskurse und Schulungen für Kameraassistenten angeboten werden. Denn seiner Meinung nach herrscht in Europa ein Mangel an guten Assistenten.

"In Gesprächen mit Studenten aus der Masterclass, anderen Workshop-Teilnehmern und Gerhard Baier (Geschäftsführer Band Pro Munich) wurde mir klar, wie schlecht die Situation mit Kameraassistenten hier in Europa, oder zumindest in Deutschland, ist. Die Filmschulen bilden ausgezeichnete Kameraleute aus. Jeder, der dort studiert, will aber als Kameramann bzw. -frau und nicht als Assistent arbeiten. Gute Assistenten werden jedoch händeringend gesucht – insbesondere in Zusammenhang mit den neuen Digitalkameras."

"In den Vereinigten Staaten ist das ein angesehener und gut bezahlter Beruf. Meine amerikanischen Assistenten haben ständig Arbeit, sehr viel häufiger sogar als der durchschnittliche Kameramann. In Europa aber herrscht ein wahrer Mangel an guten Assistenten und daran müssen wir etwas tun. So werde ich diese Angelegenheit zum Beispiel den drei Filmakademien in Deutschland vortragen, an denen ich unterrichte."

Die erste Dokumentation mit der F23

Ballhaus begann die Aufnahmen für seine Dokumentation über Berlin im September 2007. "Die Dokumentation wird das lebendige Berlin von heute und die Menschen, die in dieser Stadt leben, porträtieren", so Ballhaus. "Einige der Protagonisten sind Freunde von mir. Mein Co-Regisseur Ciro Cappellari wird jedoch auch eine Sicht auf das jüngere Berlin beisteuern. Wahrscheinlich wird der Film nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Kino erscheinen."

21. September 2007

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